Und diese Biene, die ich meine …Warum Maja so lange ohne Willi war

Sie ist wohl das berühmteste Insekt der Literaturgeschichte. 100 Jahre ist es her, dass die Biene Maja aus dem Ei schlüpft und damit auch ein Kinderbuchklassiker geboren wird. Doch Autor Waldemar Bonsels hat leider Willi vergessen, ein Fehler, der gottlob korrigiert ist.
Die Geschichte des Kinderbuchklassikers "Biene Maja" ist schnell erzählt: Die gerade geschlüpfte Maja entwischt nach einer kurzen Belehrung durch die Aufzuchtbiene Kassandra aus dem Bienenstock und entscheidet sich gegen ein Leben im Bienenstaat. Sie wählt stattdessen ein Dasein in Freiheit, trifft Rosenkäfer, Grashüpfer, Libelle und Weberknecht. Doch dann gerät sie in die Gefangenschaft der Hornissen und erfährt, dass ein Angriff auf ihr Bienenvolk unmittelbar bevorsteht. Gereift und mit neuen Erfahrungen kehrt Maja zurück und nimmt künftig eine wichtige Rolle im Bienenstock ein. Ein klassischer Entwicklungsroman mit viel romantischer Naturbeschreibung.
Vor 100 Jahren erschien "Die Biene Maja und ihre Abenteuer – Ein Roman für Kinder" erstmals im Berliner Verlag Schuster & Löffler. Weil sich das Buch auch gut an Erwachsene verkaufte, fiel der Untertitel schon bei der zweiten Auflage weg. Zum Bestseller wurde die "Biene Maja" nach 1917, möglicherweise durch den Feldbuchhandel im Ersten Weltkrieg, die Naturidylle mag den kämpfenden Soldaten als ferner Fluchtpunkt verlockend gewesen sein.
Der Tübinger Medienwissenschaftler Harald Weiß, der für seine Dissertation den "Flug der Biene Maja durch die Welt der Medien" untersucht hat, beschreibt das Buch im Gespräch mit n-tv.de als sehr facettenreiche Geschichte sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. "Im Buch spielen beispielsweise philosophische und existenzielle Themen eine Rolle, das Sterben, die Idee vom Weiterleben nach dem Tod, aber auch die Spannung zwischen Individualismus und Kollektiv."
Ameisen oder Bienen?
Der damals 32-jährige Autor Waldemar Bonsels wollte ein Märchen mit Insekten als Hauptfiguren mit möglichst realitätsnahen Naturschilderungen schreiben. Erfunden hat der Erfolgsautor mit dem bewegten Liebesleben die Maja-Geschichte wohl für seine eigenen Kinder, die nach der Scheidung seiner ersten Ehe nicht mehr bei ihm lebten.
Möglicherweise ist das Buch, das Bonsels vermögend machte, aber auch aus einer Wette entstanden. Bonsels, in den 1920er Jahren ein viel gelesener Schriftsteller von Reiseberichten, Vagabunden-Romanen, erotischen Erzählungen und religionsphilosophischen Traktaten, lebte zu diesem Zeitpunkt im Haus seines Freundes und Mitverlegers Bernd Isemann. Beide versuchten sich an einem Insektenroman, Isemann wählte Ameisen, Bonsels Bienen. Isemann ist heute ebenso wie seine Geschichte "Nala und Re" vergessen. Bonsels wäre es wohl auch, gäbe es nicht die Biene Maja.
In einem unbekannten Land ...
Wobei selbst Bonsels' zwei Millionen verkaufte deutschsprachige Exemplare der Biene Maja inzwischen kaum noch jemand etwas sagten, hätte nicht das ZDF das Buch als Vorlage für eine Trickfilmserie ausgesucht. Die Produktion aus den 1970er Jahren hat wenig mit dem ersten Versuch einer filmischen Umsetzung von 1926 gemein. Weiß beschreibt den Stummfilm mit echten Insekten als "dokumentarischen Tierfilm", der seine fiktionale Komponente durch die Zwischentitel und die live eingespielte Musik bekam. Allerdings vermutet Weiß, dass der Film damals anders wirkte als heute. "Alle haben Waldemar Bonsels und die Biene Maja gekannt. Mit diesem Wissen ist man in diesen Film hineingegangen."
Mit der Trickfilmserie im Kinderfernsehen wird die "Biene Maja" endgültig zum erfolgreichen Medienprodukt für Kinder. ZDF-Redakteur Josef Göhlen kannte das Buch aus seiner eigenen Kindheit, in Deutschland war die Fernsehlandschaft mit maximal drei öffentlich-rechtlichen Programmen noch sehr überschaubar. Und nach "Wickie und die starken Männer" war "Biene Maja" erst die zweite vielteilige Zeichentrickserie, die allwöchentlich zu einer festen Zeit im Kinderprogramm ausgestrahlt wurde.
Mit dieser Serie gab der US-amerikanische Zeichner Marty Murphy der Biene Maja ein Gesicht und einen beinahe menschlichen Körper. d, ist untrennbar mit diesen Bildern verbunden. Weiß zufolge überlagert die Zeichentrick-Biene-Maja seitdem die Original-Buch-Maja, "die sich jeder so vorstellen konnte, wie er wollte". Viele Elemente, die das Buch bereits hatte, werden in die Serie übernommen.
Für immer Willi
Doch anders als im Buch ist Biene Maja nicht länger einsam und ständig auf der Suche nach Anschluss. Über 60 Jahre nach ihrer Erfindung rückt Willi an Majas Seite, der verschlafene und verfressene Willi, immer ein wenig faul und trotzdem oft genug Majas Retter. Göhlen habe eine Korrespondenzfigur zu Maja gesucht, so Weiß, weil er fürchtete, die Konzeption der Serie könne sonst nicht funktionieren. "Und ohne Willi wäre die Serie wahrscheinlich auch nicht so erfolgreich geworden."
und noch später nicht vom Antisemitismus in einigen seiner Werke distanziert. Doch die "Biene Maja" von 1912 ist frei von Ideologie und als Kinderbuchklassiker noch immer lesenswert. Und das ZDF bereitet zusammen mit Studio 100 für das kommende Jahr "Die Biene Maja" in 3D vor.