Kino

Blut, Eisen, Hass - und Eva Green "Du kämpfst härter, als du fickst"

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Artemisia ist jetzt eher nicht die Frau, die Kompromisse macht.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Das Blut spritzt, Köpfe fallen und eine schwarz gekleidete Eva Green lässt ihren Zorn über die Ägäis rollen. "300: Rise of an Empire" kommt in die Kinos und bietet stilisierte Ästhetik und muskelbepackte Helden. Allerdings auch ein gutes Maß an purem Hass.

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Themistokles weiß seine Mannen hinter sich.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Die Perser kommen. Und Griechenland ist in Gefahr. Ausgerechnet die Wiege der westlichen Demokratie, der Philosophie und der Freiheit. Was tun gegen dieses Millionenheer, gegen diese Übermacht aus dem Osten, angeführt von einem seelenlosen Despoten? Ein Held muss her, schlau wie ein Fuchs, hart wie Stahl und freiheitsliebend wie sonst was. Er wird die Sache schon richten.

Ja, so ging's in "300", dem Film, der 2007 erschien und zum unerwarteten - und viel kritisierten - Kassenschlager wurde. Nun kommt die Fortsetzung in die Kinos, wiederum nach einem Comic von Frank Miller (der aber noch gar nicht erschienen ist). "300: Rise of an Empire" ist keine Fortsetzung im engeren Sinne, er erzählt vielmehr die Vorgeschichte sowie parallele Ereignisse des Vorgängers.

Historiker drücken lieber alle Augen zu

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Die Seeschlachten bilden das Action-Herz des Films.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Während "300" die Schlacht bei den Thermopylen im Jahr 480 v.Chr. thematisiert, bei der sich 300 Spartaner der persischen Übermacht stellen, weitet der neue Film die Darstellung der Perserkriege zeitlich und räumlich aus. Wie schon beim Vorgänger sollte man allerdings gar nicht erst versuchen, die Geschichte des Films mit der Historie in Einklang bringen zu wollen - die Handlung wird sehr frei erzählt. Einzig einzelne Schlachten dienen als Bezugspunkte, darunter jene von Artemision, Marathon und Salamis.

Leistete in "300" noch Gerard Butler als König von Sparta Widerstand gegen das persische Invasionsheer, ist es im neuen Film - der ebenfalls historisch belegte - Themistokles (Sullivan Stapleton), der die griechischen Heere gegen den Angriff zu einen sucht. So einfach ist das freilich nicht. Der König von Sparta dreht sein eigenes Ding (wie in "300" gezeigt). Aber auch die zurückgebliebene Königin Gorgo (Lena Headey) lässt sich nicht zur Kooperation mit den Dichtern und Denkern aus Athen überreden.

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Despotischer geht's nicht: Xerxes.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Die Gegenseite macht es dem attischen Helden auch nicht gerade leicht. Klar, Xerxes (wie im ersten Teil Rodrigo Santoro) beschäftigt sich ja gerade mit Leonidas. Aber er hat auch mit Themistokles noch eine Rechnung offen, der hat schließlich (laut Film) seinen Vater Dareios getötet. Vorerst schickt er aber Artemisia (als Mutter aller Grufties: Eva Green, "James Bond - Casino Royale") ins Rennen.

Ja, auch diese Frau hat ein historisches Vorbild - die einzige weibliche Truppenführerin der Perser in den Seeschlachten gegen die Griechen. Dementsprechend spielt ein Großteil des Films auf den Wellen der Ägäis. Viel mehr muss man über die Handlung schon nicht mehr wissen. Es wird gekämpft, es wird geprotzt, man sieht blanken Stahl und Männermuskeln und Regisseur Noam Murro schafft es sogar, eine - so hirnrissige wie überflüssige - Sexszene unterzubringen.

Kunstblut in Zeitlupe

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Ausgeburt des Bösen: Artemisia und ihre Leibwache.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Die omnipräsenten Gewaltdarstellungen fallen in "Rise of an Empire" noch drastischer aus als in "300". Das Blut spritzt nur so aus abgeschlagenen Körperteilen, dass die Grenze zum Splatter hier und da überschritten wird. Gerne und immer wieder wird dabei ein Zeitlupen-Effekt eingesetzt, damit sich das Kunstblut noch wirkungsvoller verteilen kann. Kein Wunder, dass der Film - anders als der Vorgänger - erst ab 18 Jahren zu sehen ist.

Optisch orientiert sich der Streifen klar an seinem Vorgänger und an den Comics von Miller. Das wirkt auch hier wieder äußerst stilisiert, aber wie aus einem Guss. Hinzu kommen die gelungenen 3D-Effekte, die wohltuend dezent eingesetzt werden und die Comicvorlage logisch weiterführen.

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Spartas Königin Gorgo taucht auch wieder auf.

(Foto: 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC.)

Das ist so überzeugend, dass diejenigen, die sich "300" angeschaut haben, auch die Fortsetzung sehen werden. Schließlich muss man die bluttriefenden Kampfszenen nicht als Verherrlichung von Gewalt sehen, sondern kann sie auch - wie in anderen Filmen und Videospielen - als pure Unterhaltung interpretieren.

Ideologien prallen aufeinander

Doch - und das ist der Haken an der Sache - bietet der Film nicht nur schwertschwingende Action, sondern auch eine ganze Menge Hass. Dieser ist das treibende Element aller Figuren: Xerxes will seinen Vater rächen, Artemisia das Schicksal ihrer Familie. Aber selbst Themistokles, Held der attischen Demokratie, verfällt mehr und mehr dem Blutrausch, während er nicht müde wird, darüber zu schwadronieren, wie er gerade die Freiheit gegen das Böse verteidigt.

Das war bis zu einem gewissen Grad auch schon beim Vorgänger so, weshalb der auch vielfach kritisiert wurde. Doch in den pathetisch vorgetragenen Reden ging es noch hauptsächlich um die Verteidigung der Heimat, der Frau, der Kinder und der im Sonnenuntergang wogenden Weizenfelder. Die Fortsetzung will aber auch hier noch eine Schippe drauflegen. Deshalb prallen nun nicht mehr nur Soldaten aufeinander, sondern Ideologien.

So wird die autokratische Gott-Werdung Xerxes' als Geburt eines Dämonen gezeigt, dem die demokratischen Diskussionen der griechischen Stadtstaaten gegenüberstehen. Das ist nicht nur platt und erschreckend vereinfachend, es ist sogar bedenklich, wie viel menschenverachtenden Hass dieser Film zelebriert. Auch wenn die Blutfontänen hochspritzen, sind es die Worte, die die eigentliche Brutalität dieses Films ausmachen.

Quelle: ntv.de