Kino

Analoger Sex in der Cloud Cameron Diaz in "Sex Tape"

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Nimmt sich herrlich selbst auf die Schippe: Cameron Diaz.

(Foto: dpa)

Duplizität der Ereignisse à la Hollywood: Jennifer Lawrences private Nacktaufnahmen gelangen in die Öffentlichkeit. Auch Cameron Diaz dreht einen Porno, der auf diversen Computern landet. Letzterer Fall ist aber sehr viel witziger und kommt jetzt ins Kino.

Cameron Diaz befindet sich derzeit in einer eigentümlichen Situation: Während sich im wahren Leben Kolleginnen wie Jennifer Lawrence mit dem Diebstahl privater Nacktbilder und Sexfilmchen konfrontiert sehen, ist ein ähnlich gelagerter Fall Gegenstand ihrer neuen Komödie. "Sex Tape" war in den USA bereits im Juli angelaufen. Hierzulande kommt der Film mit Jason Segel aber erst nach Bekanntwerden des Hacking-Skandals in die Kinos.

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Hatten ihren Spaß bei der Premiere in Berlin: Camerion Diaz und Jason Segel (bekannt aus "How I Met Your Mother")

(Foto: AP)

Bitter sind die Parallelen zwischen dem Film und dem Skandal vor allem für Apple. "Sex Tape" dürfte in der Product-Placement- Geschichte als ein Paradebeispiel negativen Timings eingehen. Schamlos werden den gesamten Film über nicht nur Apple-Produkte eingeblendet, sondern auch deren Qualitäten angepriesen. Die Kamera im iPad dreht gestochen scharfe Bilder und das Tablet übersteht selbst einen Sturz aus dem ersten Stock ohne einen Kratzer. Und warum ist dann die iCloud so leicht zu hacken?, fragt sich währenddessen so mancher Zuschauer, auch wenn die Hintergründe des groß angelegten Datendiebstahls noch nicht geklärt sind.

"Das war's dann mit dem Sex"

"Erinnert ihr euch an die Erektionen?" Voller Wehmut denkt Annie (Diaz) an den Beginn ihrer Romanze mit Jay (Segel) zurück. Die Studenten konnten einfach nicht die Finger voneinander lassen und fielen bei jeder sich bietenden Gelegenheit übereinander her. Da blieb leider nicht immer Zeit für Empfängnisverhütung. Annie war also rasch geschwängert und es wurde geheiratet. "Das war's dann mit dem Sex", lachte sich Annies Vater ins Fäustchen. Niemals!, schworen sich die Frischverliebten.

Zehn Jahre später hat sich die düstere Prophezeiung bewahrheitet. Annie und Jay haben mittlerweile zwei Kinder, ein adrettes Eigenheim, aber keinen Sex. Sie lieben einander zwar immer noch, im Trubel des Alltags bleiben aber einfach weder Zeit noch Energie für Intimitäten. Eines Abends soll sich das endlich ändern: Annie will ihren Mann verführen, doch beide sind derart aus der Übung, dass es mit der Stimmung nicht recht klappen will. Dann kommt der frustrierten Gattin die Idee, mit dem Tablet einen Porno zu drehen. Und für die Eheleute wird es die beste Nacht ihres Lebens.

Synchronisiert ins Verderben

Das böse Erwachen folgt rasch. Jay hat den dreistündigen Film nicht wie versprochen umgehend gelöscht. Per App synchronisiert sich der Porno auf sämtlichen ausgemusterten Tablets, die über die Jahre an Freunde, Bekannte oder auch den Briefträger und Annies potenziellen neuen Chef verschenkt wurden. Das Paar begibt sich auf eine verzweifelte Schnitzeljagd, um die kompromittierenden Dateien an sich zu bringen. Dabei schrecken Jay und Annie auch nicht vor Diebstahl, Drogenkonsum oder einem Einbruch mit ihren Kindern bei YouPorn zurück.

"Sex Tape" hat in den USA überhaupt nicht den Geschmack der Massen getroffen. Es hagelte vernichtende Filmkritiken und das Einspielergebnis erreichte nicht mal die Hälfte von Diaz' vorherigen Komödien "Bad Teacher" (ebenfalls mit Segel und Regisseur Jake Kasdan) und "Die Schadenfreundinnen". Gerade im Vergleich zu den unansehbaren "Schadenfreundinnen" hat "Sex Tape" das nicht verdient. Als deutscher Zuschauer mag man ab und an sogar positiv überrascht sein, was sich manche Filmemacher in Hollywood noch trauen – und das abseits von düsteren Autorenfilmen oder pubertären Penis-Witzen. "Sex Tape" ist eine Mainstream-Komödie mit jeder Menge Geschlechtsverkehr, in der auch mal ohne moralische Folgeschäden gekokst werden darf.

Zwar sind Annie und Jay extrem zweidimensionale Figuren, über die man im Grunde kaum etwas erfährt. Diaz und Segel schaffen es aber kraft ihres Charmes, Sympathien für das Pärchen entstehen zu lassen. Auch deshalb, weil die beiden so herrlich analog sind. Jay ist zwar ständig in der ominösen Cloud unterwegs, dabei hat er eigentlich aber keinen blassen Schimmer, wie diese Datenwolke überhaupt funktioniert. Mit dieser Erkenntnis ist er nach dem Nacktbilder-Skandal nicht allein.

"Sex Tape" läuft am 11. September in den deutschen Kinos an.

Quelle: ntv.de