Kino

Da lacht bestimmt sogar Otto Das Desaster-Remake von "Robin Hood"

Kaum eine Geschichte wurde schon so oft verfilmt wie die des Rächers der Enterbten und Beschützers der Witwen und Waisen. Nun gibt es abermals einen schlicht "Robin Hood" betitelten Aufguss. Und der ist ein Bogenschuss mitten ins Knie.

Man könnte sich mal wieder diesen Otto-Sketch anschauen. Sie wissen schon, den mit Robin Hood, dem Rechner der Vererbten. Ach nee, dem Versprecher der Entnervten. Oder war es der Riecher der Verderbten?

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Okay, okay, ein bisschen Staub hat der über 40-jährige Friesen-Humor inzwischen schon angesetzt. Ihn sich zu geben, wäre trotzdem eine weitaus geringere Zeitverschwendung, als sich das jüngste Filmremake der Geschichte um den sagenumwobenen Räuber vom Sherwood Forest anzutun. Über den schlicht "Robin Hood" betitelten Streifen würde vielleicht auch Otto schmunzeln. Und Errol Flynn, der womöglich legendärste Robin-Hood-Darsteller der Filmgeschichte, dreht sich vermutlich im Grab um.

Kompetenz- und Star-Power

Dabei schienen die Voraussetzungen für die Neuverfilmung gar nicht schlecht. Regisseur Otto (Nomen ist in diesem Fall nicht omen) Bathurst hatte zwar noch keine Spielfilmerfahrung, gleichwohl zeichnete er bereits für diverse Folgen erfolgreicher TV-Serien verantwortlich, darunter die ersten Episoden der gefeierten BBC-Krimireihe "Peaky Blinders". Hauptdarsteller Taron Egerton (Robin Hood) wurde bereits als neuer James Bond gehandelt. Mit Jamie Foxx (Little John) agiert sogar ein Oscar-Preisträger an seiner Seite. Und Ben Mendelsohn (Sheriff von Nottingham) kann sich seit seiner Rolle in "Rogue One" auf die Fahnen schreiben, Teil des "Star Wars"-Imperiums zu sein.

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Wie angesichts dieser scheinbar geballten Kompetenz- und Star-Power ein Film derart in die Hosen gehen kann, ist schon ein wenig rätselhaft. Zumal der Ansatz des Ensembles, die Erzählung einmal anders aufzuziehen und in ein neues Licht zu tauchen, an sich auch gar nicht verkehrt ist.

Perfekte Kampfmaschine

So hat Robin Hood mit dem "König der Vagabunden", den Flynn dereinst mimte, in Bathursts Version so gar nichts gemein. Vom Schlachtfeld der Kreuzzüge zurückgekehrt, bleibt er stattdessen in der Rolle des adeligen Lords von Locksley, der er laut Dichtung ursprünglich gewesen sein soll. Aus dem Schutz seiner Nobelmann-Fassade heraus sagt er dennoch dem raffgierigen Sheriff von Nottingham und dessen Schergen, die die Bevölkerung gnadenlos knechten, den Kampf an.

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Little John (Jamie Foxx) steht Robin Hood zur Seite.

(Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks)

Unterstützt wird er dabei vor allem von Little John, der ihm beim Kreuzzug in Syrien noch als Feind gegenübergestanden hatte und sich nun in England an den Eroberern rächen will. Der Sarazanenkrieger bildet Robin Hood zur perfekten Kampfmaschine aus. Doch auch die Liebe darf in der Geschichte selbstredend nicht zu kurz kommen. Schließlich geht es für Robin auch darum, das Herz von Marian (Eve Hewson) zurückzugewinnen. Einst gehörte es ihm, doch weil sie ihn im Kreuzzug gefallen wähnte, schenkte sie es einem anderen - dem Politiker Will Scarlet (Jamie Dornan), der sich ebenfalls für die Rechte der Armen einsetzt und dennoch alsbald Robins erbittertster Widersacher wird.

Haudruff-Halligalli und H&M-Werbung

"Robin Hood" scheitert kläglich daran, den Historienstoff in ein vermeintlich modernes Gewand zu kleiden. So wird aus der mythischen Mär aus dem Sherwood Forest ein Haudruff-Halligalli im futuristischen Nottingham mit einem Helden, der eher wie eine fleischgewordene Flak als wie ein behänder Bogenschütze daherkommt. Von der Anmutung pendelt das Ganze irgendwo zwischen Martial Arts und Comicverfilmung, ohne beides jedoch wirklich sein zu wollen.

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Kann Robin Marians (Eve Hewson) Herz zurückerobern?

(Foto: Studiocanal GmbH / Larry Horricks)

Die Befreiung Robin Hoods von seinem ewigen Strumpfhosen-Image könnte man ja noch durchaus begrüßen. Doch hier wird mit zu viel Brimborium zu viel gewollt - und zu wenig gekonnt. Ähnlich wie etwa im Film "Van Helsing", der die Vampir-Romantik mit großem Kaliber schredderte, dreht "Robin Hood" die Aura der Mittelalter-Legende derart durch den Fleischwolf, dass am Ende von ihr praktisch nichts mehr übrig bleibt.

Die Dialoge sind nicht selten peinlich hohl, die Handlung stumpf. Robin und Marian stolzieren dabei selbst im wüstesten Gemetzel stets noch so unversehrt und gut gestylt über die Leinwand, als seien sie damit beschäftigt, H&M-Werbung zu machen und nicht etwa damit, die Armen vom Joch der Unterdrückung zu befreien. In den Ländern, in denen der Film bereits angelaufen ist, musste "Robin Hood" für diesen misslungenen Auftritt schon kräftig Tribut zahlen. Bei einem Budget von rund 100 Millionen Dollar spielte er zunächst lediglich 22 Millionen Dollar ein. Und auch die deutschen Kinobesucher dürften den Rest der Rechnung nicht begleichen.

"Robin Hood" läuft ab dem 10. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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