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Rote Zora aus dem Schottenland Den Bogen raus: Pixars "Merida"

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Komm doch mal rüber, Mann, und setz' dich zu ihr hin: Merida - Legende der Highlands.

(Foto: Disney/Pixar)

13 Pixar-Filme hat es gebraucht bis zu einem Streifen mit weiblicher Hauptfigur. Doch besser spät als nie. Zumal, wenn dabei noch ein Werk wie "Merida - Legende der Highlands" herauskommt. Der Wildfang mit dem feuerroten Lockenkopf dürfte nicht nur Mädchen begeistern, sondern auch die Herzen von Jungs erobern - kleinen und großen.

Bekanntlich sollte man sich nie einen Bären aufbinden lassen. Mit diesem Satz gibt man schon mal einen kleinen Hinweis auf die Handlung von "Merida - Legende der Highlands", ohne dabei jedoch bereits zu viel zu verraten. Aber natürlich sollten wir ganz anders beginnen. Nämlich von vorne.

Merida ist die Tochter des schottischen Königspaars Fergus und Elinor. Mit ihrer ungebändigten roten Lockenmähne sieht sie nicht nur aus wie ein kleiner Wildfang, sie entspricht auch sonst so gar nicht dem Ideal einer feinen Hofdame, wie sie es eigentlich sein sollte - jedenfalls, wenn es nach ihrer Mutter ginge. Stattdessen ist sie aufmüpfig, keck, eigensinnig und burschikos. Beim Umgang mit Pfeil und Bogen macht ihr so schnell keiner etwas vor.

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Ein zentrales Thema des Films: die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

(Foto: Disney/Pixar)

Als ihre Eltern sie mit einem der Söhne der mächtigen Clanchefs unter die Haube bringen wollen, ist deshalb Ärger programmiert. Und das nicht nur, weil die drei Anwärter nun nicht gerade unbedingt die Krönung der Schöpfung bilden. Merida denkt natürlich gar nicht daran, sich mit einem der drei Dödelsäcke verkuppeln zu lassen. Stattdessen sprengt sie den Wettkampf, in dem die Schwachmaten im Schottenrock um ihre Hand buhlen, und zeigt allen, was eine Harke ist.

Das sorgt abermals für Zündstoff mit ihrer Mutter. Für die Flausen ihres Sprösslings hat die pflichtversessene Königin schließlich so gar kein Verständnis. Doch wie es das Schicksal will, bekommt Merida auf wundersame Weise die vermeintliche Chance, Elinors Gemütszustand grundlegend zu verändern - Ausgangspunkt für eine unheilvolle Wendung und überraschender Bruch inmitten des Films …

Weil sie ein Mädchen ist

Fünf Jahre ist es her, dass mit "Die Legende von Beowulf" eine alte englische Heldensaga als animierte Neuauflage auf die Leinwand kam. Mit Drachen, Gemetzel und Angelina Jolie als Blaupause für eine der zentralen Figuren bot der Film so ziemlich alles auf, was landläufig männliche Kinobesucher glücklich machen soll. Zudem war der Streifen einer der ersten, mit denen der Trend zu 3D in Spielfilmen zementiert wurde.

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Eine der größten Stärken des Films: die mystischen Landschaften, die am Computer erschaffen wurden.

(Foto: Disney/Pixar)

"Merida - Legende der Highlands" könnte man beinahe als einen vornehmlich an weibliche Rezipienten gerichteten Gegenentwurf dazu interpretieren. Abgesehen von ein paar Details: Der Film ist, wie man es von Pixar kennt, ein reiner Animationsstreifen - wiedererkennbare reale Charaktere wie in der "Beowulf"-Verfilmung von 2007 gibt es hier nicht. Ebenso keine vergleichbaren Aha-Effekte in Sachen 3D. Dazu hat man sich in den vergangenen Jahren bereits zu sehr an die neue Darstellungsform gewöhnt. Allerdings: Die "Merida"-Macher um das Regie-Duo Mark Andrews und Brenda Chapman haben in dieser Hinsicht großartige Arbeit geleistet. Der Film besticht durch brillante Tiefe.

Statt blutrünstiger Schlachten mit Monstern und Drachen stehen bei "Merida" soziale Fragen im Vordergrund - jugendliche Rebellion, Pubertät und das Beziehungsgeflecht zwischen Mutter und Tochter. Aber natürlich sollte man in den Film nicht zu viel Psychoanalyse hineininterpretieren. In erster Linie ist und bleibt er ein höchst unterhaltsames Kinoabenteuer - mit einer famos animierten mystischen Kulisse, einer im besten Sinne märchenhaften Handlung und einer Titelheldin, die - die Älteren mögen sich erinnern - wie eine "Rote Zora" aus grauer schottischer Vorzeit daherkommt.

Das Maß der Dinge

Apropos schottisch: Wer sich den Film im Original ansieht, wird sich nicht nur optisch, sondern auch akustisch wie in die Highlands gebeamt vorkommen. Vor allem ist das Merida-Sprecherin Kelly Macdonald zu verdanken, die der Figur einen überspitzt breiten schottischen Akzent verpasst, der einen schon beim Zuhören schmunzeln lässt. Allerdings schmälert dies nicht die Leistung von Nora Tschirner, die die schwierige Aufgabe übernommen hat, Meridas Charakter in der deutschen Synchronisation Leben einzuhauchen - akzentfrei, dafür aber auch für jedermann leicht verständlich.

Nein, ein Meilenstein wie "Toy Story" oder "Findet Nemo" ist "Merida" nicht geworden. Gleichwohl unterstreicht Pixar mit seinem 13. Spielfilm-Abenteuer den Anspruch, weiter das Maß der Dinge im Feld der Animationsfilme zu sein. Und beweist: Die Sache mit den Unglückszahlen ist wohl nur eine Legende. Und ganz sicher keine aus den Highlands.

"Merida - Legende der Highlands" läuft ab 2. August 2012 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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