Kino

Ein Hoch auf Julianne Moore "Gloria" tanzt sich das Alleinsein schön

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Julianne Moore im Remake von "Gloria".

(Foto: imago images / Prod.DB)

Die preisgekrönte Geschichte der 58-jährigen Gloria, die im fortgeschrittenen Alter noch einmal die große Liebe finden möchte, ist keine neue. Doch das macht das Remake mit Julianne Moore keineswegs weniger sehenswert. "Gloria" ist mehr als eine amerikanisierte Kopie des chilenischen Originals.

Neuverfilmungen sind ja immer so eine Sache. In Hollywood sind sie äußerst beliebt, schließlich lohnen sich Neuauflagen alter Klassiker oder ausländischer Filme kommerziell für ihre Macher. Aber ein Klassiker braucht keine Anpassung. Aus nahe liegenden Gründen: Es ist unmöglich, zu verbessern, was bereits perfekt ist. Und nicht immer gelingt Filmemachern ein gutes Remake. Hätten "Verblendung" auf Schwedisch und "Ziemlich beste Freunde" auf Französisch nicht ausgereicht? Und brauchte die Welt wirklich eine US-Fassung von "Honig im Kopf"?

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Sebastián Lelio dagegen hat mit "Gloria - Das Leben wartet nicht" alles richtig gemacht - sowohl mit seinem ersten Film von 2013 als auch mit seiner neuen US-Fassung. Der chilenische Regisseur beleuchtet in seiner Tragikomödie mit bittersüßem Humor und auf originelle, intime Weise den Alltag der lebenslustigen Gloria (die fabelhafte Julianne Moore), einer geschiedenen Endfünfzigerin, die sich nicht damit abfinden möchte, dass ihr Leben als Single nur noch das einsame Warten auf den Tod bedeuten soll.

Eigentlich führt Gloria ein zufriedenes Leben. Sie hat zwei erwachsene Kinder, versteht sich gut mit ihrem Ex-Mann und seiner neuen Ehefrau. Sie hat einen festen Job, nette Kollegen und gute Freunde. Als moderne Frau in Los Angeles geht sie tagsüber in Yoga-Kurse, zu Lachtherapien oder zum Brasilian Waxing und nachts zum Tanzen in Single-Bars. Vielleicht ist sie sogar aktiver als so manch andere Frau in ihrem Alter. Ihre Nächte verbringt Gloria dennoch meist nur mit der haarlosen Katze ihres depressiven Nachbarn.

Wie viel soll frau ertragen?

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Gloria und Arnold sind anfangs sehr verliebt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Glorias Angst davor, einsam zu sein, ist in ihrer Stimme zu hören, wann immer sie mit ihren Kindern telefoniert und ihre Hilfe anbietet. Auch ihrem Gesicht, das jede einzelne Kameraeinstellung präzise im Blick hat, ist es anzusehen, dass sie sich nach einer neuen Liebe sehnt. Die Ängste scheinen zunächst abzuklingen, als sie eines Abends Arnold (John Turturro) kennenlernt. Sie und der ehemalige Marine verlieben sich schnell ineinander, doch Arnolds enge Bindung zu seiner Ex und ihren Töchtern stellt die frische Romanze auf die Probe. Trotz seiner Zuneigung zu Gloria besitzt er nicht das nötige Rückgrat, um sich aus den Fängen seiner Verflossenen zu befreien.

Was anfangs noch nach einem "Glücklich bis ans Lebensende" aussieht, wird für Gloria zunehmend zur Belastung. Sich mit 58 Jahren auf eine neue Beziehung einzustellen, ist doch schwieriger als gedacht. Bald muss sie sich mit verschiedenen Fragen auseinandersetzen: Wie viele Altlasten sind zu viele? Und was muss sie alles ertragen, nur um nicht alleine zu sein? Ganz nüchtern und unaufgeregt stellt Oscar-Regisseur Lelio eine Person mit ihren Unsicherheiten in den Mittelpunkt seines Films, die normalerweise aufgrund ihres Geschlechts und ihres Alters kaum Beachtung auf der Leinwand findet. Aber sie, Gloria, ist der Film. Das macht "Gloria" nicht per sé zu einem Frauenfilm, sehr wohl aber zu einem Film für Frauen.

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Manche Dinge sind mit einem Joint viel besser zu ertragen ...

(Foto: imago images / Prod.DB)

Wie schon gesagt, Klassiker brauchen kein Remake. Auch "Gloria" hätte keinen gebraucht, doch das macht die neue US-Fassung nicht weniger sehenswert. Der Film ist mehr als nur eine amerikanisierte Kopie des chilenischen Originals. Lelio hat seinem Skript vertraut und es mit einem neuen kulturellen Rahmen und politischen Untertönen geschickt abgeändert. "Gloria" ist keine 08/15-Liebesschnulze, sondern vielschichtig, ernst und komisch zugleich. Sein Remake nennt Lelio selbst "eine Coverversion in einem neuen Kontext mit einer neuen Band". Warum er überhaupt eine Neuverfilmung wollte? Ganz einfach: "Aus Bewunderung für Julianne Moore." Ihre Vorgängerin Paulina García bekam bei der Berlinale 2013 den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin. Für ihre ehrliche und überzeugende Darstellung wird sich auch Moore über die eine oder andere Auszeichnung freuen können.

"Gloria - Das Leben wartet nicht" läuft ab sofort in den Kinos.

Quelle: n-tv.de

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