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"So wie du mich willst" Juliette Binoche ist Claire - oder doch Clara?

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Bin ich schön? Ja, schon, auch mit Fünfzig. Aber eben nicht mehr jung.

(Foto: imago/Prod.DB)

Claire legt sich ein falsches Facebook-Profil an, um ihren jüngeren Liebhaber Ludo auszuspionieren. Sie wird um 26 Jahre jünger, blond und nennt sich Clara. Ludos Mitbewohner freundet sich mit "Clara" an - eine fatale Internetliaison beginnt.

"Ich bin jung, ich kann warten", schreibt die 50-jährige, attraktive Literaturdozentin Claire (Juliette Binoche) ihrem virtuellen Lover Alex, der denkt, dass er mit der 24-jährigen Clara online flirtet. So sehr flirtet, dass er sie unbedingt kennen lernen möchte. Claire/Clara hingegen will auf keinen Fall ihre falsche Identität preisgeben. Denn Claire ist eine alleinerziehende Mutter zweier Teenager-Jungs, die von ihrem Mann für eine wesentlich Jüngere verlassen wurde; Claire ist vor allem auf der Suche nach Bestätigung. Um so mehr, da sie aktuell auch in einer schwierigen Beziehung mit ihrem Liebhaber Ludo steckt, der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie seine Mutter sein könnte - allerdings immer erst dann, nachdem er sie gevögelt hat.

Nach einer wiederholten Demütigung und um ihn, der sich mit fadenscheinigen Gründen von ihr verabschiedet hat, auszuspionieren, legt sich Claire ein falsches Facebook-Profil an und wird zu Clara, einer hübschen 24-Jährigen. Die Identität klaut sie sich - schöne neue Welt - in den unendlichen Weiten des World Wide Web. Sagt sie.

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Siehst du mich denn nicht?

(Foto: imago/Prod.DB)

Alex ist Ludos bester Freund und er hat sich mit ihr - wie man das heute so macht - "angefreundet", ein reger Austausch beginnt auf Facebook. Schließlich verliebt sich Alex in Clara: In ihre Stimme, ihr Aussehen, er weiß von Videos, wie sie sich bewegt und ist dem mysteriösen Charme der irgendwie reif wirkenden, aber doch so jungen Frau erlegen. Immer mehr drängt es ihn, sie kennenlernen zu wollen. Auch Claire findet schnell Interesse an dem jungen Fotografen und aus dem intensiven Chat-Flirt entwickelt sich eine Obsession, die auf Claires komplettes Leben übergreift.

Claire? Clara?

Überall ist sie online, man erkennt sie kaum noch wieder und tatsächlich scheint sie für ihre Umwelt jünger zu werden - so sehr wird sie zu Clara. Doch wer ist diese Clara eigentlich? Das fragt sich auch Claires Therapeutin, der sie die ganze Geschichte inklusive einiger Drehungen und Windungen ausführlich erzählt. Nicht, ohne hier und da zu flunkern, mit der einen oder anderen Koketterie.

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Claire? Clara? Wer bist du?

(Foto: imago/Prod.DB)

Und obwohl sich zwischen Alex und Claire/Clara alles in der virtuellen Welt abspielt, sind die Gefühle real. Während Claire einerseits zusehends dem Sog der Parallelwelt erliegt und es ihr andererseits reicht, einen virtuellen Lover zu haben, möchte Alex sie immer dringender treffen. Parallel dazu gerät Claire immer weiter in Bedrängnis: Wird sie die Kontrolle über das virtuelle Spiel verlieren? Wird sie alle Beteiligten an den Abgrund bringen?

"Ich will lieber sterben, als verlassen zu werden"

Basierend auf einem Roman von Camille Laurens erzählt Regisseur Safy Nebbou in "So wie du mich willst" spannungsvoll vom Abdriften in eine Zwischenwelt, in der Realität und Lüge verschwimmen. In ruhigen, atmosphärischen Bildern entsteht das Porträt einer faszinierenden Frau, die nicht nur mit ihren eigenen Verletzungen ringt, sondern auch mit universellen Themen wie Einsamkeit und der Angst vor dem Älterwerden. Dabei gibt sich Juliette Binoche, die ewig Schöne, relativ uneitel der Kamera hin. Diese bleibt ganz nah an der großartigen Schauspielerin, die mit ihrem nuancierten Spiel wieder einmal ihr Können unter Beweis stellt.

Wer wissen will, wozu Frauen fähig sind, wenn sie lieben und wenn sie verletzt werden, wie eine Frau in den besten Jahren, eine Französin noch dazu, tickt, wie sie nach dem Aufstehen aussieht, beim Sex, beim Einkaufen, wie sie mit ihren Kindern umgeht und ihrem Ex-Mann, wie sie einen viel jüngeren Mann um den Finger wickelt, wie sie einer Therapeutin einheizt, wie sie lammfromm guckt oder wahnsinnig - der sollte sich "Wie du mich willst" ansehen. Und wir lernen: Es gibt keine schlimmere Rivalin als die, die nicht existiert.

"Wie du mich willst" läuft ab 9. August im Kino.

Quelle: n-tv.de

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