Kino

Der Horror ist zurück Kann das "Es" gewesen sein?

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Schluss mit lustig: Bill Skarsgard als Pennywise.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Alle 27 Jahre kommt "Es" wieder. So zumindest in Stephen Kings Kultroman. Nun gut, 27 Jahre mussten sich die Grusel-Fans nicht bis zur Fortsetzung der "Es"-Neuverfilmung gedulden, aber immerhin zwei. Hat sich das Warten gelohnt?

Eins ist jetzt schon klar: "Es: Kapitel 2" wird ein Selbstläufer. Schließlich brach bereits der erste Teil der Neuverfilmung von Stephen Kings Opus magnum nahezu alle Rekorde. Kein Horrorfilm war je zuvor so erfolgreich gestartet. Bei einem Budget von "nur" 35 Millionen Dollar soll der Streifen weltweit rund das 20-Fache eingespielt haben. Und nicht nur die Kassen klingelten: Auch Kritiker und Zuschauer äußerten sich überwiegend zufrieden damit, wie Regisseur Andrés Muschietti Kings Schauermär mit dem Vater aller Horrorclowns namens Pennywise (Bill Skarsgard) auf die Leinwand gebannt hat.

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Wer aber pfeift schon auf den zweiten Teil, wenn er den ersten gesehen und für gut befunden hat? Und so dürfte es so sicher wie das Amen in der Kirche sein, dass auch die Fortsetzung von "Es" wieder durch die Decke gehen wird. Die Erwartungshaltungen werden allerdings ebenfalls enorm sein. Von daher war es wohl nicht die schlechteste Entscheidung Muschiettis und seines Teams, sich für den Film ganze zwei Jahre lang Zeit zu lassen. Nichts wäre schließlich fahrlässiger, als nach dem fulminanten Aufschlag mit Teil 1 nun einen in Eile zusammengezimmerten Nachfolger vom Stapel zu lassen.

Zumal sich die Verfilmung der Story 27 Jahre nach den ersten grauenvollen Ereignissen in Derry noch etwas schwieriger gestaltet, als den Beginn des Horrors in bewegten Bildern zu erzählen. Der Grund dafür liegt bereits in der literarischen Vorlage begründet. Denn während Kings Roman beim Blick auf die Kindheitserlebnisse der Mitglieder im "Klub der Verlierer" ein epischer Klassiker ist, schwächelt das Buch, als es um die Rückkehr von "Es" und den Kampf der Erwachsenen gegen das wiedererwachte Grauen geht.

Verstörender Skarsgard, holpriges Finale

Das kann tatsächlich auch Muschietti nicht komplett ausbügeln - trotz wiederholter und ausgiebiger Rückgriffe auf die Kinder-Story in "Es: Kapitel 2". Und trotz eines hervorragenden Casts, der in die Rollen der erwachsen gewordenen "Verlierer" Bill (James McAvoy), Ben (Jay Ryan), Richie (Bill Hader), Eddie (James Ransone), Mike (Isaiah Mustafa), Stanley (Andy Bean) und Beverly (Jessica Chastain) schlüpft. Die Auflösung der Geschichte bleibt auch 2019 holprig, so wie bereits im Buch und in dessen erster TV-Verfilmung 1990 mit Tim Curry als Pennywise.

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Der "Klub der Verlierer" ist erwachsen geworden.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Doch leider hakt Muschiettis "Es"-Interpretation nicht nur daran. Schon im ersten Teil war der Argentinier mitunter übers Ziel hinaus geschossen. Zu viel Klimbim aus der Horror-Klischee-Schublade überfrachtete die ansonsten gelungene Inszenierung. Das gilt auch für "Es: Kapitel 2". Manchmal ist weniger einfach mehr. Und man hätte sich gewünscht, Muschietti hätte den Horror ein ums andere Mal in der Andeutung versteckt, statt zu versuchen, ihn zu zeigen. In den Momenten, in denen das Grauen in Gestalt zombie-artiger Figuren daherkommt, wirkt das einfach allzu billig.

Umso auffälliger ist das, weil der Streifen in seinen subtileren Szenen wie Hochglanz-Horror anmutet. Zu verdanken ist das vor allem Skarsgards inbrünstiger und verstörender Pennywise-Inkarnation, aber auch Muschiettis Mut, auf seinem Grusel-Trip keine Gefangenen zu machen und auch keinerlei Rücksichten zu nehmen. Wenn es dem Schockeffekt dienlich ist, wird Pennywise schon mal ein niedliches und unschuldiges Kind zum Fraß vorgeworfen.

Sitzfleisch für 165 Minuten gefragt

Für "Es: Kapitel 2" braucht es jedoch nicht nur starke Nerven, sondern auch Sitzfleisch. Mit einer Laufzeit von 165 Minuten ist der Film noch einmal eine halbe Stunde länger geraten als der erste Teil. Unbedingt nötig gewesen wäre das nicht. Wenn es zum monströsen Showdown zwischen "Es" und dem "Klub der Verlierer" kommt, kann man schon mal kurz auf die Toilette verschwinden. Die Wahrscheinlichkeit, beim ausgedehnten Finale etwas komplett Entscheidendes zu verpassen, hält sich in Grenzen.

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Nicht nur Beverly muss sich ihren Ängsten stellen.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Ach ja, wie kommt es eigentlich nochmal zu dem Showdown? 27 Jahre nachdem "Es" in Derry gewütet hat, ist das Grauen zurück. Mike, der als einziger der einstmals sieben Freunde noch in der Stadt lebt, trommelt daraufhin alle wieder zusammen. Schließlich haben sie dereinst geschworen, sich ihm in den Weg zu stellen, sollte "Es" jemals wiederkehren. Bevor der "Klub der Verlierer" mit geeinter Kraft das Böse bekämpfen kann, muss sich jedoch erst noch einmal jeder Einzelne seinen Ängsten stellen. Und nicht jeder ist der Konfrontation mit "Es" gewachsen ...

Kann das "Es" gewesen sein? Leser des Buches wissen die Antwort, wenn am Ende des Streifens das Licht angeht. Doch auch mit Blick auf die Verfilmung könnte man die Frage stellen: War das die ultimative Umsetzung oder bekommt Kings Werk irgendwann noch einmal ein weiteres Remake? Angesichts der Schwächen, die der Film in manchen Punkten offenbart, wäre das durchaus denkbar. Dem Autor selbst indes scheint zu gefallen, was Muschietti aus seinem "Es" gemacht hat. Ansonsten wäre er wohl kaum selbst in einer Mini-Nebenrolle in dem Streifen zu sehen.

"Es: Kapitel 2" läuft ab dem 5. September in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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