Kino

"Das Vorspiel" Nina Hoss polarisiert als Anna

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Nina als Anna - grandios.

(Foto: dpa)

Warum haben wir eigentlich so viel Angst? Wovor? Und können wir dagegen ankommen? Nina Hoss spielt in Ina Weisses "Das Vorspiel" eine Geigenlehrerin, die an das Talent eines Schülers glaubt. So weit, so gut. Dennoch wird sie eine Katastrophe hinaufbeschwören. Sie ist - wie immer - brillant, aber auch verstörend. Je mehr sie in die Welt des talentierten Jungen taucht, desto weiter segelt sie in ihre eigene Katastrophe. Der Sohn wird vernachlässigt, der Mann betrogen, und dennoch fühlen wir mit ihr - man muss sich mit Anna nicht unbedingt identifizieren, um zu verstehen, wie großartig Hoss, die extra Geigenstunden genommen hat, ist. Hoss hat ein Händchen für komplexe (manche würden sagen: schwierige) Frauen, wie sich anhand ihrer bisherigen Rollen leicht erkennen lässt. Mit ihr sprechen wir unter anderem über den Drang zur Perfektion und die Zusammenarbeit von Frauen.

ntv.de: Sie sind die Anna in "Das Vorspiel", eine ehrgeizige Lehrerin, die ihren Geigenschüler zu Höchstleistungen antreiben will, da sie ihn - gegen den Willen des restlichen Kollegiums - an der Musikschule zugelassen hat.

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Nina Hoss als Anna Bronsky und Ilja Monti als Alexander Paraskevas.

(Foto: dpa)

Nina Hoss: Jeder, der den Film gesehen hat, erzählt mir quasi von einem anderen Film (lacht). Aber ja, das heißt wohl, dass wir es geschafft haben, dass sich jeder irgendwie in Beziehung zu meiner Figur Anna setzt und sich selbst überprüft, wo er im Moment im Leben steht. Vielleicht über nicht gelebte Träume nachdenkt oder über Erziehung - sowohl die Erlebte als auch die, die man selbst weitergibt.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Rolle?

Dass meine Anna eine so polarisierende Figur ist und dass es immer etwas Neues an ihr zu entdecken gibt.

Haben Sie sie gleich gemocht, als man Ihnen die Rolle anbot?

Ich muss gestehen, dass ich sie beim Drehbuchlesen anfangs nicht ganz verstanden hatte. Aber sie war interessant genug, dass ich mehr über sie erfahren wollte.

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Ina Weisse und Nina Hoss bei der Premiere in Berlin, im Kino in der Kulturbrauerei.

(Foto: imago images/Future Image)

Was haben Sie dann letztendlich über sie erfahren?

Dass "Das Vorspiel" eine sehr erwachsene Geschichte ist und dass es um eine richtige, ernst zu nehmende Frau geht.

Eine Frau voller Widersprüche, voller Brüche, oder? Es ist nicht so einfach, sie als Identifikationsfigur zu nehmen.

Stimmt. Betrachten wir nur ihre Affäre - das ist etwas, was sie sich gerade nimmt, weil sie es braucht, nicht mehr und nicht weniger.

Das ist sonst eher ein männliches Privileg, das wir nicht weiter hinterfragen. Aber bei einer Frau ... 

Das ist richtig. Außerdem hat Anna einen so hohen Anspruch an sich selbst, da fragt man sich schon: Wo kommt der her? Und was machen Erziehung und Kindheit mit einem, dass man als Erwachsener noch damit zu tun hat, sich ständig zu hinterfragen? Warum denkt sie nur immer, dass sie nicht gut genug ist?

Was macht das mit einem?

Also, Anna macht das hart. Und wenn man hart ist, kann man auch nicht großzügig sein.

Auch nicht seinen Schülern gegenüber. Woher kommt eigentlich die Unfähigkeit zur Kommunikation zwischen Partnern?

Wahrscheinlich kommt das daher, dass man selbst nicht erkennt, in welchem Dilemma man steckt. Man fühlt sich einfach nur unverstanden.

Regie führt die wunderbare Ina Weisse ...

Ja! Mit ihr kann man die Dinge vertiefen, sie spürt, was man will. Es war eine große Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten, vielleicht, weil Ina auch Schauspielerin ist. Vielleicht aber auch, weil sie einen anderen Blick hat. Der Blick einer Frau auf andere Frauen ist etwas Spezielles. Die Zusammenarbeit war jedenfalls wie ein Fluss - sehr konzentriert und dennoch mit großen Freiheiten.

Mit Nina Hoss sprach Sabine Oelmann

"Das Vorspiel" läuft ab 23. Januar im Kino.

Quelle: ntv.de