Kino

"Juliet, Naked" Schrullig-schöne Komödie mit Ethan Hawke

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Annie und Tucker haben einen merkwürdigen Start für eine Romanze.

(Foto: dpa)

Ein Mann vergisst über seiner Schwärmerei für einen Popstar seine Frau. Die langweilt sich. Sie hätte gern Kinder, er nicht. Der Popstar hat zu viele Kinder. Alles kommt anders, als man denkt. So eine Story kann nur von Nick Hornby kommen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem Partner zusammen und der interessiert sich sehr für einen ehemaligen Popstar, einen Popstar, der abgetaucht ist. Er interessiert sich auch nicht einfach nur für diese Person in einem angemessen Fan-Popstar-Verhältnis, nein, er ist geradezu besessen von diesem Popstar. Und nein, es handelt sich ja nicht um einen pubertierenden Fan und auch nicht um die Schwärmerei eines mittelalten Mannes für eine - sagen wir mal: Shakira. Nein, der Fan, Ihr Partner, interessiert sich für einen anderen Mann. Dafür, was der denkt. Gedacht hat, jetzt denken könnte oder würde. Er hört sich verzückt Melodien an, die dieser vor Jahrzehnten geschrieben hat. Oder neu veröffentlicht. Ihr Partner hört sie sich nicht mit Ihnen zusammen an, nein, denn er will den Popstar ja ganz allein für sich haben. Hätten Sie diesen Typen nicht längst verlassen?

Aber genau das macht Annie (Rose Byrne) nicht. Sie bleibt bei ihrem Duncan (Chris O'Dowd), und ja, aus Bequemlichkeit, aus dem Wissen heraus, dass in ihrem Nest eh kein anderer - und schon gar kein besserer - zu finden ist, ergibt sie sich in ihr Schicksal. Bis das Objekt der Begierde ihres Mannes in ihr Leben tritt.

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Annie - süß und ein bisschen gelangweilt.

Sein Name: Tucker Crowe. Und wenn der Name dieses geheimnisvollen Rockstars bislang das Einzige war, was in der leidenschaftslosen Beziehung von Annie und Duncan noch für ein bisschen Zündstoff gesorgt hat, dann handelt es sich jetzt, zumindest für Annie und Duncan'sche Verhältnisse, geradezu um eine Explosion. Die Beziehung rettet das nicht mehr, aber Annie vielleicht? Für den Zuschauer fühlt sich das nicht so unbedingt nach "Explosion" oder "Rettung" an, der schaut dem "Treiben" eher mit einem kleinen Lächeln und einem warmen Gefühl in der Herzgegend zu. Aber so ist das vielleicht mit Nick-Hornby-Verfilmungen.

Gutes und schlechtes Timing

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Tucker mit einem seiner zahlreichen Kinder.

Und wie kommt es nun zu der Begegnung? 25 Jahre ist es her, dass der gefeierte Musiker Tucker Crowe, ziemlich hinreißend dargestellt von Ethan Hawke, seine letzte Platte veröffentlichte. Und im Gegensatz zum fanatischen Fan Duncan verreißt Annie dessen Album "Juliet, Naked" in einem Online-Forum. Sie findet es öde und macht sich quasi stellvertretend Luft. Anstatt ihren dämlichen Lebensgefährten nun zur Schnecke zu machen, lässt sie ihren Frust online ab. Nichts Ungewöhnliches soweit, aber dann bekommt sie plötzlich Post - von Tucker Crowe persönlich. Der gibt den abgehalfterten Rockstar routiniert gekonnt, er hat eine Menge Ex-Frauen, noch mehr Kinder und Großvater wird er auch noch. Etwas, wovon Annie immer geträumt hat - Kinder! - mit Duncan jedoch nie im Bereich des Möglichen erschien. Mit Tucker nun soll ihr Leben eine Wendung erfahren. 

Rose Byrne und Chris O'Dowd kennen wir gemeinsam bereits aus "Brautalarm", wo sie die schnepfige Freundin der Braut und er den netten Bullen von nebenan gespielt hat. Auch in "Juliet, Naked", der seine Weltpremiere bereits beim diesjährigen Sundance Film Festival feierte, spielen die beiden irre sympathisch. Regie bei der Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans des britischen Bestseller-Autors Nick Hornby ("About a Boy", "High Fidelity") führt der US-amerikanische Regisseur Jesse Peretz ("Our Idiot Brother"). An manchen Stellen wünscht man sich ein bisschen mehr Pfeffer, auch von Indie-Ikone Ethan Hawke, auf der anderen Seite kommen die schrulligen Charaktere der drei Hauptdarsteller so auch besonders gut zur Geltung. "Juliet, Naked" ist einfach eine kleine, feine, romantische Komödie über die Liebe zur Musik, gutes und schlechtes Timing, Zufälle und die Macht des Schicksals.

Ethan Hawke ist beim Filmfestival Locarno dieses Jahr mit dem Exzellenz Award ausgezeichnet worden. Wie er seine Arbeit sieht, macht folgende Aussage deutlich und erklärt, wie er an seine Rollen herangeht: "Ich liebe, was ich mache. Es ist toll, dafür ausgezeichnet zu werden. Das bestärkt mich darin, weiterzumachen, nicht aufzugeben." Der 47-Jährige findet, dass seine Arbeit sein Leben ist, ein Teil von ihm. Wie gesagt, sehr sympathisch, das alles.

"Juliet, Naked" startet am 15.11. in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de