"Der Mönch" mit Vincent CasselWie viel Macht hat Satan?
Der Mönch Ambrosio ist sich sicher, dass er jeder Versuchung widerstehen kann. Doch die Ankunft eines jungen Novizen belehrt ihn eines Besseren. Die Verfilmung des okkulten Schauerklassikers ist eine Bebilderung des Romans aus dem späten 18. Jahrhundert geworden. Selbst Vincent Cassel kann dem kaum etwas Teuflisches einhauchen.
Das katholische Spanien im frühen 17.Jahrhundert: Der Kapuzinermönch Ambrosio (Vincent Cassel, "Black Swan") ist ein Vorbild an Strenge und Tugend. Wenn er predigt, eilen die Gläubigen herbei, der "Mann Gottes" bringt die Sünder dazu, Buße zu tun. "Satan hat nur die Macht, die man ihm zugesteht", daran glaubt Ambrosio, der als Baby vor den Pforten des Klosters vor den Toren Madrids ausgesetzt wurde, mit 18 Jahren seine Gelübde ablegte und nie die Welt außerhalb der Klostermauern kennenlernte, fest. Streng richtet er über die schwachen Menschen, die bei ihm die Beichte ablegen. Wie etwa über die junge Nonne, die er der Willkür ihrer grausamen Äbtissin (Geraldine Chaplin) aussetzt, nachdem er ihr Geheimnis entdeckt.
Doch seine moralische Überlegenheit wird auf eine harte Probe gestellt, als ein mysteriöser Novize in das Kloster eintritt. Der junge Valerio trägt eine Maske und lässt niemand sein Gesicht sehen – zu schlimm seien die Brandverletzungen, die er als Kind erlitten habe. Er wolle sich von der Welt abwenden und Gott zuwenden, erklärt der geheimnisvolle Besucher. Ambrosio nimmt Valerio gegen den Willen der anderen Mönche auf, nicht ahnend, dass das sein Leben verändern wird.
Schon bald kann Ambrosio den Sünden, gegen die er stets predigte, selbst nicht mehr widerstehen. Gleichzeitig wird das Kloster bedroht, Fälle von Besessenheit treten auf und Ambrosio wird schlimmer den je von Kopfschmerzen heimgesucht, die Valerio durch Handauflegen lindern kann. Aber durch welche Kraft? Warum kam Valerio wirklich? Und wer ist die Frau in Ambrosios Alpträumen? "Zwischen der Hölle und dem unverbesserlichen Sünder liegt nur ein Atemzug." Diese Schwelle hat der Mönch bald überschritten.
Gothik-Märchen in zu klassischer Manier
In bester "Im Namen der Rose"-Optik verfilmte Regisseur und Drehbuchautor Dominik Moll ("Harry meint es gut mit dir") den okkulten Schauerroman von Matthew Lewis. Und darin steckt auch schon das Problem von "Der Mönch". Abgesehen von überflüssigen Spielereien wie die permanenten Auf- und Abblenden bietet der Film, der in Deutschland den Weg in die Kinosäle nicht gefunden hat und nun auf DVD erscheint, wenig neue Motive. Mönchsgesänge, wehende Kutten, tiefgezogene Kapuzen, aufgebrochene Gräber und opulente Prozessionen im flackernden Kerzenlicht kennt man bereits aus unzähligen Filmen dieses Genres.
Die Vorlage zu "Der Mönch" ist ein literarischer Klassiker des 18 Jahrhunderts. Die Crux mit Klassikern ist aber, dass sich der Zuschauer in der Regel auf wenige überraschende Wendungen freuen kann. Geheimnisvolle Geburtsmale oder unschuldige junge Frauen in Schneewittchen-Optik sind wie die sprichwörtliche Waffe auf der Theaterbühne – man weiß, dass diese Information noch abgefeuert werden muss, selbst wenn man die Vorlage nicht kennt. Zudem werden im Film zu viele Handlungsstränge aus dem Buch aufgenommen, ohne dass sie auserzählt werden, wie die Figur der jungen Nonne, deren Schicksal durch die Begegnung mit Ambrosio eine tragische Wendung nimmt, ohne dass man die Vorgeschichte kennt.
Auch Vincent Cassel, der schon in so manch düsterer Produktion glänzte, oder Geraldine Chaplin in einer Nebenrolle können der spanisch-französischen Ko-Produktion keine spannenden Momente verleihen. Cassels Leiden sparen zwar auch die Dornenkrone nicht aus, richtiges Mitgefühl für seine Figur oder Verständnis für die Zerrissenheit des Mönchs Ambrosio kommen nicht auf. Fans des französischen Schauspielers sind daher wahrscheinlich besser beraten, noch einmal die purpurnen Flüsse zu durchqueren oder sich an der Laser-Szene in "Ocean's 12" zu ergötzen. Am ehesten ist der Film etwas für Liebhaber der Literatur-Vorlage – denn die Landschaft und das Kloster an den Drehorten im Languedoc Roussillon bieten eine eindrucksvolle Kulisse.