Ein fesselnder "Schwelbrand"Dustin Hoffman, Christiania und ein toter Anwalt
Von Thomas Badtke
Ein Toter, ein Foto und eine familiäre Verbindung: Privatdetektivin Liv Jensen muss bei ihrem neuesten Fall tief in ihrer eigenen Vergangenheit ermitteln. Aber dafür braucht sie nicht nur ihr Herz und ihr Hirn - sondern auch Hilfe.
"Im Himmel ist immer Herbst." An diesen Satz ihres Großvaters muss Liv Jensen immer denken, wenn sich der Sommer aus Kopenhagen verabschiedet und dem Herbst Platz macht. Der Großvater, zu dem Liv ein besonderes Verhältnis hatte, ist aber seit 15 Jahren tot. Was Liv noch nicht weiß: Ein Fall, in dem ihr Großvater vor 40 Jahren als Polizist ermittelt hat, wird auch sie nun beschäftigen.
Liv war Polizistin, zog dann aber nach Kopenhagen und hofft, dort wieder in ihren Job zurückkehren zu können: Es gibt eine ausgeschriebene Stelle als "Kriminalermittlerin für Gewaltverbrechen" und ihre Karten stehen gut, denn den Chef kennt sie, er ist ein Freund, für den sie immer wieder als "Beraterin" arbeitet: Liv ist Privatermittlerin. Und ihr aktueller Fall scheint leicht verdientes Geld zu sein: Ein in die Jahre gekommener ehemaliger Anwalt glaubt, verfolgt zu werden. Es gibt anonyme Anrufe.
Liv ist gerade dabei, im Haus des Mannes Kameras zu installieren, als sie im Keller eingesperrt und der Anwalt ermordet wird. Ist Liv damit auch in den Fokus des Killers geraten? Weshalb musste der Anwalt sterben? Und wieso gibt es ein Foto, das den Anwalt und Livs Großvater gemeinsam zeigt? Die Spuren führen nach Christiania, einer Freistadt, in die 1980er Jahre und zum Mord am ältesten Sohn des damaligen Generalstaatsanwalts. Geht es um die große Politik? Um Intrigen?
Der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt in Livs eigener Vergangenheit. Eine, an die sie sich aber nur dunkel und schemenhaft erinnern kann: ihr Großvater, Sommerferien, Dustin Hoffman, Christiania. Aber da kann ihr ja ihre Vermieterin Hannah helfen, die jahrelang als Psychologin gearbeitet hat und sich nun selbständig macht. Und dann gibt es ja auch noch Nimar …
Trio mit Tiefgang
Mehr braucht es nicht, um sich in die erfolgreiche "Liv Jensen"-Reihe von Katrine Engberg vom Stand weg zu verlieben. "Schwelbrand" ist der mittlerweile dritte Band der Serie, erschienen bei Piper und Hörbuch Hamburg, gelesen von Genre-Ikone Peter Lontzek. Liv, klein, schrullig und mit viel Herz, Hirn und Bauchgefühl ausgestattet. Hannah, mittlerweile gefeuerte Krisenpsychologin auf der Suche nach dem Lebenssinn und der großen Liebe. Nimar, Automechaniker, stolzer Iraner ("Ich bin Perser, kein Araber"), der nun auf seine 15 Jahre alte Nichte aufpassen muss und sich auch deshalb mit der Drogenmafia der Stadt anlegt.
Jede der drei Personen hat so viel Charaktertiefe, dass sie einzeln schon als Star einer eigenen Reihe gelten könnte. Aber Engberg packt die drei zusammen, gibt jeder Figur den nötigen Freiraum und bricht so den Plot, das große Ganze auf - nur um am Ende wieder alles zusammenzuführen und beim Leser und vor allem Hörer einen "Aha-Effekt" hervorzurufen. Mit jedem Buch der Reihe erfährt man etwas mehr von den jeweiligen Figuren, von ihren Ängsten, Sorgen und großen Träumen.
Genau darum dreht sich letzten Endes auch der Fall, in dem Liv ermittelt. Im Herbst. In Kopenhagen. Für Fans von skandinavischen Krimis und Thrillern ist das der Himmel auf Erden!
