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"Man sollte sich feiern, wenn man es sich leisten kann": Smudo.
"Man sollte sich feiern, wenn man es sich leisten kann": Smudo.(Foto: imago/Becker&Bredel)
Dienstag, 06. März 2018

Smudo, Rap-Voice of Germany: Es ist der da, genau der da

Von Kai Butterweck

Yo, Baby, Yo! Der "Mikrofonprofessor" bittet zum Birthday-Battle. Ganz Hip-Hop-Deutschland hebt die Tassen und lässt einen seiner fantastischen Pioniere hochleben: Smudo feiert seinen 50. Geburtstag.

Ludwigsburg, irgendwann im Spätsommer 1992: In einem zugeposterten Jugendzimmer liegen vier Koffer auf dem Bett - Zahlenkombination: 4444. Vier anwesende Mittzwanziger machen große Augen und fragen sich: Was könnte in den Koffern wohl drin sein?

Mit den Fantastischen Vier schrieb Smudo deutsche Musikgeschichte.
Mit den Fantastischen Vier schrieb Smudo deutsche Musikgeschichte.(Foto: imago/STAR-MEDIA)

Sekunden später kneifen sich Michael Beck, Thomas Dürr, Andreas Rieke und Michael Bernd Schmidt gegenseitig in die Arme. Vor ihnen liegen 200.000 D-Mark. Haben die vier leicht bekifften Schwaben etwa eine Bank ausgeraubt oder im Lotto gewonnen? Nein, weder noch. Die Kohle ist der Lohn für harte, künstlerische Arbeit. Bei den Herren Dürr, Rieke, Beck und Schmidt handelt es sich nämlich um ein aufstrebendes Hip-Hop-Kollektiv, das im Spätsommer 1992 unter dem Bandnamen Die Fantastischen Vier und der Veröffentlichung ihres Durchbruch-Silberlings "4 Gewinnt", inklusive der Hit-Single "Die Da!?!", deutsche Musikgeschichte schreibt.

Sprache als Instrument

Einer der damaligen vier Gewinner, Michael Berndt Schmidt alias "Smudo", zeigt sich heute, ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Über-Nacht-Erfolg von "Die Da!?!", immer noch überrascht von seinem Werdegang als Musikschaffender: "Ich kann bis heute nur drei Griffe auf der Gitarre", gibt Smudo zu. Aber das Gitarrespielen musste der im hippiesken 68er-Frühling in Offenbach auf die Welt gekommene Wahl-Hamburger auch nie lernen. Smudos Instrument war schon immer die Sprache. Und die beschert ihm bereits in jungen Jahren den einen oder anderen öffentlichen Oha!-Moment.

Mit Kollege Michi Beck saß Smudo in den vergangenen vier Staffeln in der Jury von "The Voice of Germany".
Mit Kollege Michi Beck saß Smudo in den vergangenen vier Staffeln in der Jury von "The Voice of Germany".(Foto: picture alliance / dpa)

Egal, ob auf dem Schulhof im beschaulichen Gerlingen oder dem Burger-King-Parkplatz in Stuttgart: Alle Welt soll wissen, dass der Junge total auf amerikanischen Hip Hop abfährt. Smudo nennt er sich, weil er in der Schule wegen seines "schmuddeligen" Äußeren gehänselt wird. So wird aus Schmidt Schmuddel. Und aus Schmuddel schließlich Smudo. Allemal besser als King Burger D oder Chicken McD, findet Smudo. So nennen sich nämlich Michael Beck (Michi Beck) und dessen bester Kumpel, zwei ebenfalls auf Hip Hop abfahrende Geistesbrüder, mit denen Smudo nur allzu gerne seine Teenie-Freizeit verbringt.

Von fünf Freunden zu den Fantastischen Vier

Ebenfalls mit im schwäbischen Sprechgesang-Boot sitzen Smudos beste Freunde Andy (And.Ypsilon) und Thomas (Thomas D), die für die Bereiche Sounds (And.Ypsilon) und Style (Thomas D) verantwortlich sind. Kurz bevor es ernst wird mit dem Kommt-lasst-uns-kiffen-rappen-und-die-Welt-rocken-Trip, macht Michis bester Kumpel die Biege. Aus fünf Freunden werden Die Fantastischen Vier. Und aus Smudo einer der erfolgreichsten Tausendsassa der deutschen Musik-Historie.

Neben seinem Sprechgesang-Talent, das Smudo und seine Kollegen in den Folgejahren Dutzende Male in die Charts und auf die größten Bühnen der Republik katapultiert, wirft der stämmige Humorbolzen mit dem schütteren Haupthaar auch andere Begabungen in die Karriere-Waagschale.

Videospiel-Programmierer, Synchronsprecher ("Madagascar", "Asterix und die Wikinger"), Schauspieler ("Die Vorstadtkrokodile"), Rennfahrer ("Four Motors"), Kunstflugpilot, Castingshow-Juror ("The Voice of Germany"): Smudo ist mittendrin statt nur dabei.

Um das klassische Ziel einer jeden "Beschäftigung" geht es Smudo im Frühherbst seiner Karriere schon lange nicht mehr. Geld hat der mittlerweile dreifache Vater mehr als genug auf dem Konto: "Zwingen kann mich keiner mehr. Ich könnte bescheiden von dem Rest meines Geldes leben", so der "Mikrofonprofessor".

50 Kerzen für Papas Geburtstagskuchen

Die Antwort auf die Frage, was ihn nach mehr als einem Vierteljahrhundert auf der Entertainment-Überholspur noch antreibt, ist genauso simpel wie stimmig: "Die ganze Zeit nur rumsitzen und Spaghettieis essen, ist langweilig. Man sollte sich feiern, wenn man es sich leisten kann."

Und das können Smudo und seine drei Fanta-Kollegen auch noch in Zeiten, in denen der durchweg weibliche Schmidt-Nachwuchs (Smudo hat drei Töchter) mal eben ganz locker 50 Kerzen auf Papas Geburtstagskuchen anzündet. 26 Jahre nach dem "Die Da!?!"-Hype grüßt Smudo immer noch vom oberen Ende der nationalen Hip-Pop-Nahrungskette. Die deutsche Musik-Nation verneigt sich - und grüßt zurück. Auf die nächsten 50.

Quelle: n-tv.de