Musik

Der große Aufbruch Fritz Kalkbrenner bewegt sich

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Kennt sich aus mit Fluch und Segen: Fritz Kalkbrenner.

(Foto: David Rasche )

Inspiration am Türpfosten? Das Alter? Ost- oder West-Berlin? Küche, Katze, Kirche, Kinder? Naja, bevor wir uns Bauer-sucht-Frau-mäßig im All der Alliterationen verlieren sagen wir doch lieber mal, worum es geht: um das neue Album des Klangkünstlers, DJs, Produzenten und Sängers Fritz Kalkbrenner, seines Zeichens kleiner Bruder von Paul und seines Zeichens vor allem derjenige mit der markanten Stimme. Wir haben mit Fritz Kalkbrenner darüber gesprochen, was ihn inspiriert, was ihn antreibt, was ihn aufregt und was ihn ganz locker bleiben lässt.

n-tv.de: "Grand Départ" - französisch ausgesprochen - der große Aufbruch, so heißt das neue Album: Wo soll's denn hingehen?

Fritz Kalkbrenner: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht.

Einfach treiben lassen?

Auch nicht. Der Titel bezieht sich auf den Starttag bei der Tour de France und das ist ein fester Begriff. Aber um beim Thema "Neustart" zu bleiben, das habe ich so gewählt, weil das mein viertes Album ist und ich vermeiden wollte, in eine gewisse Routine zu verfallen. Ein neues Album sollte einfach immer wieder spannend und wichtig sein, deswegen ist das das Signum für diese Albumproduktion.

Ich höre das Album sehr gern im Ganzen durch, insofern ist da doch vieles gelungen.

Hört sich gut an.

Ist ja nicht mehr allzu häufig der Fall, denn oft werden Alben produziert, auf denen es nur zwei, drei gute Stücke gibt.

Weiß ich nicht, kann ich gar nicht sagen. Ich höre mir aber auch nur Sachen an, die ich so gerne höre, dass ich sie komplett durchhören kann.

Warst du eigentlich vor Kurzem auf Ibiza und hast zum Closing nochmal aufgelegt? Du bist ja irre viel unterwegs …

Nein, jetzt nicht, aber im Sommer habe ich da ein paar Shows gespielt. Acht Stück glaube ich.

Dein Album ist sehr abwechslungsreich, hämmernde, drängende Beats wechseln sich mit leichten Klängen ab. Woher holst du dir deine Ideen sowohl für die Musik als auch Texte?

Das ist schwer, das so singulär zu betrachten. Eine einfache Antwort wäre, ich bin gegen den Türpfosten gelaufen und da hab' ich dann eine ganz plötzliche Inspiration gehabt. Aber so ist das ja gar nicht. Das ist ein Sammelsurium an Erfahrungen und hat mit dem erreichten Alter zu tun (Anm.: Fritz Kalkbrenner ist 35). Manchmal ist es aber auch wie ein schwerer Backstein im Magen, der sich in Form eines Textes breitmacht und der raus will (lacht). Das kribbelt in den Fingern und das ist dann einfach nur folgerichtig, ein Stück draus zu machen.

Der Erfolg deines Hits mit Bruder Paul - "Sky and Sand" - ist mir noch immer sehr gegenwärtig. Tüftelt ihr mal wieder was zusammen aus? Und ist das mehr Fluch oder Segen, einen so großen Mega-Hit zu haben, dass man noch Jahre später darauf angesprochen wird?

Geplant haben wir nichts. Und ja, das ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen, stimmt schon. Aber "Sky and Sand" wäre auch ohne den Kinofilm (Anm.: "Berlin Calling" von Hannes Stöhr), erfolgreich geworden. Naja, das wird man nun nicht mehr herausfinden, aber natürlich hat man den in der Hochphase oft gehört, gerade auch als Produzent. Und nein, ich trage an dem Song ansonsten nicht schwer (lacht).

Deine Album-Titel haben immer was mit Bewegung, Reisen im weitesten Sinne zu tun: "Here Today Gone Tomorrow", "Sick Travelling", "Ways Over Water" und jetzt "Grand Départ" - bist du ein unruhiger Typ? Jemand, der nicht gern lange an einem Ort ist?

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Inspirationen aus dem Alltag ...

(Foto: David Rasche)

Ich kann beides sehr gut. Ich kann gut zu Hause bleiben. Ich bin inzwischen zum Glück recht sattelfest, was das Geschäftsreisen angeht, auch interkontinental, aber ich kann auch echt gut mal die Füße hochlegen.

Du bist ja viel unterwegs, postet das auf Facebook, jetzt warst du krank, musstest eine Show absagen, geht's dir wieder gut?

Ja, ich bin auf dem Weg der Besserung, fliegen darf ich noch nicht.

"In This Game" - mit Clemens Schick in der Hauptrolle im Video, was war der Auslöser für die Kleinganovengeschichte? Der beklaut sogar einen kleinen Jungen …

Das wollte der Regisseur so, das ist das, was er in dem Song gesehen hat. Ich kommentiere meine Songs ja nicht, damit jeder seine eigenen Assoziationen haben kann. Und das hat er aus dem Songtext rausgelesen. Ich habe ihm einfach vertraut.

Im Film will man ja immer Sympathie für eine Person herstellen  …

Ist das so?

Ich finde schon, also ich will das. Ich will Partei ergreifen.

Ach, geht so, das erinnert mich an "Die große Stille" mit Klaus Kinski, also die Fassung, wo so viel rausgeschnitten wurde, weil die Unsympathischen immer gewinnen, und die nie veröffentlicht wurde.

Du spielst auch eine kleine Rolle - da spricht ja dafür, dass da vielleicht noch unerfüllte Träume lauern, in dem Fall Schauspieler?

Brennt mir nicht unter den Nägeln, mein Tag hat ja nur 24 Stunden (lacht). Wüsste gar nicht, wann. Und man stellt sich das ja immer so leicht vor. Schauspiel ist eine Profession, die will gekonnt sein. Das wäre ein bisschen so wie "Unterwäsche-Model jetzt auch im 'Tatort'", also mal übertrieben ausgedrückt.

Aber besser so rum als umgekehrt, also "Tatort"-Kommissar jetzt Unterwäsche-Model …

Kommt ja auf den Kommissar oder die Kommissarin an. Ich bin kein Tatort-Gucker. Die machen dann ja auch eher ein Album. Nun gut … (lacht)

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Er will nicht im eigenen Saft garen.

(Foto: David Rasche)

Ich habe den Eindruck, dass du ein sehr positiver Mensch bist, seh' ich das richtig?

Ja, klar. Menschen sind mannigfaltig. Ich hab' außerdem viel zu tun. Und ich neige nicht dazu, die Flinte ins Korn zu werfen.

Welche Musik hörst du privat am liebsten?

Alles. Vieles, universell. Techno ist wichtig, aber ich bin auch großer House-, HipHop-, Soul-, Jazz- und Funk-Fan. Ich könnte dir jetzt 2000 Namen nenne, dann würde sich eine sinnvolle Collage ergeben. Auf Schubladen steh' ich nicht so. Als jemand, der Musik macht, muss man sich überall umhören. Sonst gärt man ja vollkommen inzestuös in seinem eigenen Saft (lacht).

Ist es weniger Techno geworden bei dir?

Ja, aber das war absehbar, finde ich. Man bewegt sich auch von Album zu Album, auf einen nicht näher zu definierenden Sound zu, und der schwankt zwischen Elektronischer Musik und reellen Instrumenten.

Tanzt du gerne?

Ich war mal ein Tänzer, jetzt nicht mehr so. Kommt auf den Moment an.

Im Pressetext steht "Der Ostberliner Sänger, Komponist und Produzent …" ist es denn immer noch wichtig, ob man Ost- oder Westberliner ist?

Tja, hätte man nicht so hinschreiben müssen, aber für mich ist es Teil meiner Identität. Nach meiner Generation dürfte das tatsächlich kein Thema mehr sein, denke ich.

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Was sollte man über Fritz Kalkbrenner wissen, was bisher viel zu wenig thematisiert wurde?

(überlegt) Puuh, ich habe gar nicht so einen Mitteilungsdrang.

Du liebst Katzenvideos, zum Beispiel.

Naja, ich hab' ne Katze …

Siehst du …

Ich will so etwas eigentlich gar nicht sagen …

... weil du dich über deine Musik ausdrückst?

Auch das wollte ich nicht sagen. (lacht) Aber ein Soft-Fact, das ich durchaus rausgeben kann: Ich koche ganz gut.

Mit Fritz Kalkbrenner sprach Sabine Oelmann

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Quelle: n-tv.de

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