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Kurt Cobain bleibt unvergessen Grunge's Not Dead

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Ikone einer ganzen Generation: Kurt Cobain.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod bleibt Kurt Cobain ein multiples Phänomen: Grunge-Enigma, Songwriter-Genie, der kreative Motor seiner Band Nirvana - und ungebrochener Einfluss auf musikalische Nachfahren.

Wer weiß, was passiert wäre, hätte jemand Kurt Cobain an jenem Morgen im April 1994 auf dem Weg zum Sportgeschäft angesprochen, aufgehalten, abgelenkt. Das Outfit wäre durchaus ein Anlass gewesen, mal nachzuhaken, ob denn alles okay ist. Langer, unförmiger Mantel, Sonnenbrille, unsicherer Gang. Wobei - wer sich in Rollstuhl, OP-Kittel und Perücke auf die Bühne schieben lässt, dem traut man auch im Alltag eine gewisse Freigeistigkeit in puncto Klamottenwahl zu.

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So hat Cobain freie Bahn, kauft sich Munition für das Gewehr, das er erst ein paar Tage zuvor bei 'Stan Baker Sports' im Lake City Way in Seattle für 308,39 Dollar gekauft hatte. Lizensiert hatte sie sein Kumpel Dylan Carson - Cobains vorige Waffen waren von der Polizei konfisziert worden, ihm fehlten daher die nötigen Papiere für den Kauf. Der Rest ist, wie man so gern etwas hilflos formuliert, Geschichte.

Die Option "Gone"

Kurt schreibt einen Brief an seinen unsichtbaren Freund seit Kindertagen, an eine Fantasiefigur namens 'Boddah', in dem er davon erzählt, wie ihn das Leben anstrengt, wie sehr er seine Tochter und seine Frau liebt, aber einfach nicht mehr kann, nicht mehr will. Cobain zitiert Neil Youngs Zeile "It's better to burn out than to fade away", aus dessen Song "Hey Hey My My". Lieber mit einem Knall gehen, als langsam zu verschwinden. Cobain nimmt das allzu wörtlich. Dass Young im selben Lied auch warnt, scheint ihm egal zu sein. "Once you're gone you can't come back", heißt es da. Wenn du einmal weg bist, kannst Du nicht zurückkommen. Es scheint genau das zu sein, was Cobain will.

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Mit Nirvana wurde Cobain berühmt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er entscheidet sich für die Option "Gone" und nimmt sich das Leben. Drei Tage später wird seine Leiche im Raum über der Garage seines Hauses am Lake Washington gefunden. Ein Elektriker hatte beim Kabelverlegen durchs Fenster geblickt, die Beine Cobains, den Lauf eines Gewehres hinter der schmutzigen Scheibe entdeckt. Auf den Tod des größten Rockstars seiner Generation geraten unmittelbar jene Mechanismen in Gang, wie sie losbrechen, wenn der "Club 27" ein neues Mitglied begrüßt: Verschwörungstheorien um Mord oder Selbstmord, Mahnwachen, Merchandise, Mutmaßungen. Courtney ist schuld, die Drogen, der Magen, das Business, die Popwelt.

Inspiriert und infiziert

Alles stimmt, nichts stimmt. Fakt ist, dass auch 25 Jahre nach seinem Tod, Kurt Cobain alles andere als "gone" ist. Mag in den Jahren zwischen den runden Jubiläen das Betriebsgeräusch etwas abgeebbt sein, so wird es zu den passenden Anlässen so spontan angeknipst, als wären seit "Smells Like Teen Spirit" und "Nevermind" nicht bald drei Jahrzehnte vergangen. Dabei sind diese Anlässe immer wieder auch überaus tragischer Natur. Allein in den vergangenen Jahren starben Künstler wie Linkin Parks Chester Bennington, Scott Weiland von den Stone Temple Pilots und Soundgarden-Frontmann Chris Cornell durch die eigene Hand - es scheint, als fräße der Grunge immer noch seine Kinder.

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Doch auch das musikalische Erbe verfügt anno 2019 immer noch über die ungebrochene Kraft der frühen Tage. Bands wie Pabst aus Berlin, Hathors aus der Schweiz, die amerikanischen Metz, The Dirty Nil oder God Damn aus Großbritannien sind unüberhörbar inspiriert, um nicht zu sagen infiziert, vom kratzbürstigen Sound, der Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er-Jahre der angejahrten Kombi aus Gitarre und Verstärker neues Leben einhauchte. Der Flanellhemden, zerrissene Jeans und Chucks zum Common-Sense-Outfit machte und dessen Lichtgestalt Kurt Cobain nicht nur die Saiten der Fender-Gitarre so wunderbar kratzig klingen lassen konnte, sondern auch seine Stimmbänder, in denen Leid, Euphorie und Verwirrung auch heute noch so laut schwingen, dass Cobain eben nicht - Neil Young und seinen Zeilen zum Trotz - gone, verglüht oder gar vergessen ist.

Quelle: n-tv.de

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