Musik

"Heidschi Bumbeidschi"-Heintje Mamas Liebling kommt in die Jahre

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Heintje beim Gewinn des "Goldenen Löwen" im März 1969, eingerahmt von Peter Alexander (l.), Freddy Quinn (r.) und Udo Jürgens (oben).

(Foto: AP)

Heintje war einer unserer ersten Kinderstars. Mit seinem Hit "Mama" wickelte der elfjährige Niederländer mit der Knabenchor-Stimme Kinder und Eltern um den Finger. Doch der Bube konnte später auch anders - er "schleppte reihenweise Frauen ab".

Im Jahr 1968, als die Nachwirkungen des LSD-geschwängerten "Summer Of Love" die Jugend des Westens fest im Griff hatten, griffen deutsche Eltern zu drastischen Maßnahmen, wenn der eigene Nachwuchs mal wieder nicht parierte. Neben standardisiertem Stubenarrest drangsalierte man die aufmüpfigen Heranwachsenden mit einem Lied namens "Mama", gesungen von einem elfjährigen Niederländer. Sein Name: Hendrik Nikolaas Theodoor Simons, kurz Hein Simons alias Heintje. Sein Auftrag: die Revoltierenden unter den Kindern Deutschlands wieder handzahm zu machen.

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Heintje im Februar 1969 - da war er 13.

Für Heintje selbst spielte das Drumherum um seinen ersten veröffentlichten Song jedoch keine Rolle. Der stets adrett gekleidete und formvollendet frisierte Knabe wollte einfach nur singen. Das konnte er schließlich am besten. Und das machte ihm auch am meisten Spaß. Egal, ob in der kleinen Gastwirtschaft seiner Eltern oder auf der Bühne eines großen Fernsehstudios: Wenn Musik erklang, war es um Heintje geschehen. Mit seinem markanten engelsgleichen Organ sang er sich vor allem in die Herzen von Kleinkindern und Eltern. Teens und Twens hingegen wehrten sich mit Händen und Füßen gegen rührselige Dur- und-Moll-Butterfahrten à la "Mama", "Heidschi Bumbeidschi" und "Schneeglöckchen im Februar": "Es gab Zeiten, da sprachen mich wildfremde Menschen auf der Straße an und verrieten mir, dass sie mich damals hassten", erinnert sich der ehemalige Kinderstar heute.

Hippies, Beatles, Stones

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Heintje heute: Hein Simons im Juli 2015 bei einem Auftritt.

(Foto: imago/Mandoga Media)

Kein Wunder: Die Jugend von damals präsentierte sich trotzig und unangepasst. Hypnotisiert vom keimenden Hippie-Hype und inspiriert von kantigen Klängen der Beatles und der Stones, sorgte das wohlbehütete Klingklang-Universum eines elfjährigen Schmusebarden für Gleichgewichtsstörungen innerhalb einer aufstrebenden Jugendbewegung, die sich vehement gegen Zucht und Ordnung zu wehren versuchte.

Aber es gab ja auch noch andere Altersgruppen. Und die hatten einen Narren an dem kleinen Oranje-Bub mit der großen Stimme gefressen. Bis zu seinem Stimmbruch heimste Heintje unzählige Gold- und Platinauszeichnungen ein. Innerhalb von drei Jahren (1968-1971) hatte das komplette Heintje-Imperium bereits vollständig ausgesorgt. Zielgruppengerecht und zeitlich perfekt abgestimmt wurde die Phase, in der Heintje das hohe C trällern konnte wie kein Zweiter, gewinnbringend genutzt. Viele machten damals ihren Reibach. Darunter die beiden Label-Produzenten Addi Kleijngeld und Wolfgang Rohloff sowie Texter Hans Klee. Sie ließen sich auch nicht lange bitten, als kurz nach Heintjes ersten Chartserfolgen die Film- und Fernsehindustrie anklopfte. Insgesamt sechs Mal stand der Jungstar bis zum Jahr 1971 vor der Kamera. Danach war der Drops allerdings gelutscht. Heintjes Stimmbruch markierte schließlich das Ende der Erfolgsgeschichte.

Reihenweise Frauen abgeschleppt

Statt sich allerdings ins stille Kämmerlein zu verkriechen, nutzte Heintje seinen Bekanntheitsgrad, um auf anderen Nebenschauplätzen zu glänzen. Heute schämt er sich fast schon für diese Phase seines Lebens: "Als ich 18 wurde, schleppte ich reihenweise Frauen ab. Ich habe die eine Frau abgeliefert und bin zur nächsten gefahren. Ich habe nicht darüber nachgedacht, warum die gerade mich wollen. Ich bin zu jeder nett gewesen, aber im Grunde war ich kurz davor, den Respekt vor Frauen zu verlieren. Man sollte niemanden so behandeln, wie ich das getan habe", gab sich der Sänger vor einigen Jahren reumütig.

Im vergangen Jahr stand er erstmals auf der anderen Seite. Nach 33 Ehejahren verließ ihn seine Frau. Nun lebt der am 12. August 2015 seinen 60. Geburtstag feiernde Barde allein auf seinem Reiterhof. Von dort aus macht sich dieser Tage ein weiteres musikalisches Sammelsurium namens "Vertrau auf dein Herz" auf die Reise in die weite Welt. Aus Heintje wurde wieder Hein Simons. Nur die Musik ist geblieben. Abermals geht es um Liebe, Liebe und noch mehr Liebe. Schlager halt. Einen "Heintje", der die Umweltzerstörung und den Klimawandel besingt, will keiner hören: "Das hatte ich auch mal versucht. Aber niemand hat sich an diese Songs ran getraut." So läuft der Hase nun mal. Ist der Stempel erst einmal trocken, gibt es kein Zurück mehr.

Quelle: ntv.de