Musik

Will Young eckt an "Schwulsein und Kickboxen? Kein Problem!"

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Will Young ist "ein extrovertierter schwuler Pop-Star" - sagt er selbst.

(Foto: Universal)

Vier Jahre lang kehrte Will Young dem Musikbusiness den Rücken zu. Jetzt meldet sich der Brit-Award-Preisträger mit seinem neuen Album "85 % Proof" wieder zurück. Und das selbstbewusster denn je.

Popstars neigen oftmals zum Größenwahn. So werden Hotelbesitzer bisweilen mitten in der Nacht von breitschultrigen Bodyguards aus dem Schlaf gerissen, wenn der ach so wichtige Künstler in seiner Mini-Bar den falschen Orangensaft entdeckt. Oder: Kommt das stille Wasser nicht aus einer expliziten Quelle des Vertrauens, gibt es ebenfalls Zoff. Und wehe dem, der es wagt, einer Madonna, einer Mariah Carey oder einer Jennifer Lopez die falschen Blumen aufs Zimmer zu schicken.

Will Young muss über derartige Geschichten immer herzhaft lachen. Der Brite ist selber ein Pop-Star "und schwul bin ich auch noch", sagt er. Eine explosive Mischung? Nach Ansicht von Will Young schon: "Ein extrovertierter schwuler Pop-Star? Ich glaube nicht, dass man dieser Konstellation noch eins draufsetzen könnte". Es folgt schallendes Gelächter; denn im Gegensatz zu vielen seiner in Saus und Braus lebenden Kollegen kann sich Will Young mittlerweile bestens selbst auf die Schippe nehmen: "Oh, ich kann mich noch gut an ein Konzert erinnern, zu dem ich fast zu spät gekommen wäre. Irgendwie geriet der Zeitplan völlig außer Kontrolle", verrät uns Will. Und weiter: "Ich hatte totale Panik. Also orderte ich eine Polizei-Eskorte an, die mich pünktlich zur Location bringen sollte. Das hatte schon Spinal-Tap-Züge", so der Brit-Award-Preisträger. Die Zeiten der Dekadenz und des unkontrollierten Auslebens von Pop-Star-Privilegien seien jedoch vorbei, versichert er uns. "Ich habe in den vergangenen Jahren viel an mir gearbeitet."

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Beim Kickbox-Urlaub in Thailand hat er wieder zu sich gefunden.

Gab es denn einen bestimmten Moment, der eine radikale Veränderung unausweichlich werden ließ?, frage ich ihn. Es sei wohl eher Schicksal gewesen. Nach dem Ende seines Vertrages mit Sony mussten neue Partner an Land gezogen werden. Diese Phase sorgte für etwas Stillstand im Leben von Will Young; eine Zeit, in der sich der Sänger über vieles klar wurde: "Ich wollte raus aus diesem klar strukturierten Business-Leben. Ich wollte mehr aus dem Bauch heraus leben und arbeiten. Also ließ ich mir Zeit. Ich fing an zu schreiben ("Funny Peculiar: The Autobiography by Will Young"), versuchte mich innerhalb einer Musical-Produktion ("Cabaret") und guckte, was das Leben noch so für mich bereithält."

Reise zu sich selbst

Einer, der während dieser Zeit stets an seiner Seite war, ist sein Bruder Rupert. Er war es auch, der Will vor einigen Monaten zu einem gemeinsamen Kickbox-Urlaub in Thailand überredete. Dort fand Will schließlich zu sich selbst: "Dieses Trainingscamp war fantastisch. Ich spürte eine innere Ruhe in mir, die mir eine gewisse Form der Gelassenheit zurückgab. Es gab keinen Druck; nur meinen Bruder, die wunderbaren thailändischen Menschen und mich. Dieses Gefühl von Unbeschwertheit habe ich lange Zeit vermisst. Es muss nicht immer alles perfekt laufen. Manchmal reichen auch 85 Prozent." Will Young lacht laut auf. "85 % Proof": So heißt auch sein neues musikalisches Lebenszeichen; ein Album, das den Vorgänger "Echoes" aus dem Jahr 2011 in puncto Facettenreichtum und Spielfreude spielend leicht in die Tasche steckt.

Will sieht das ähnlich: "Dieses Album ist das Produkt einer Zeit, die nichts anderes zuließ. Es spiegelt genau das wider, was ich fühle. Es ist Will Young pur; die musikalische Offenbarung eines schwulen Sängers, der auf Kickboxing, Rugby und Autos steht. Klingt nach einem Typen, der irgendwie anders tickt, oder?" Wohl wahr. Will Young passt in keine Schublade. Der einstige Castingshow-Shootingstar ("Pop Idol") ist mittlerweile im echten Leben angekommen. Mit Blaulicht zur Konzerthalle? Das war einmal. "Sollte es demnächst mal wieder etwas stressiger vor einem Konzert werden, komme ich halt einfach ein bisschen später auf die Bühne. Dafür bleibe ich dann auch etwas länger." Und wieder lacht Will Young lauthals auf. Wie so oft während der vergangenen 15 Minuten.

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Quelle: ntv.de