Musik

Was vom Mai übrig blieb Tritte in den Mainstream-Allerwertesten

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Dirty Loops versetzen gerade alle in heftige Rotation.

Der Wonnemonat Mai lockt mit Querdenkern, Danke-Sagern und Verbannten. Die Folge: Die Masse schmollt, während Freunde exzentrischer Klangkunst und Fürsprecher der musikalischen Entwicklung die Sektkorken knallen lassen.

Dirty Loops – Loopified

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Winter 2010: Drei begnadete schwedische Jungmusiker covern in den Katakomben ihres Studentenwohnheims  Lady Gagas „Just Dance“ und stellen das Ergebnis bei Youtube ein. Keine zwei Monate später durchbricht der Clip die 100.000-Views-Schallmauer. Warum? Ganz einfach: Statt den Song nur plump in ein neues Genre-Gewand zu stecken, ziehen die drei Skandinavier den Dance-Vierminüter durch einen hibbeligen Funk-Pop-Jazz-Reißwolf.

Das Ergebnis schlägt nicht nur bei Youtube hohe Wellen, sondern lässt auch die Industrie  aufhorchen. Anno 2014 ist aus dem Spaß-Projekt längst eine Fulltime-Band geworden, die sich nicht mehr nur durch die Charts covert, sondern auf ihrem Debütalbum auch mit eigenen Stücken zu glänzen weiß. Fernab von angestaubten Abba-Kniefällen und Retro-Rock-Erinnerungen, beweisen die Dirty Loops, dass man sich im hohen Norden auch durchaus mit zeitgenössischer Klangkunst beschäftigt.

"Loopified" von den "Dirty Loops" bestellen

Ben & Ellen Harper – Childhood Home

Wenn ein 44-jähriger Musiker seiner Mama einen musikalischen Blumenstrauß überreicht, dann sollte dieser auch dementsprechend zart und einfühlsam klingen.

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Das dachte sich auch Ben Harper, als er seine Mutter vor einigen Monaten ins Studio einlud, um sich bei ihr für seine Klang-Erziehung zu bedanken. Mama Harper nahm den kleinen Ben nämlich vor gut dreißig Jahren regelmäßig an die Hand und verbrachte die Zeit mit ihm im großelterlichen Folk Music Center & Museum im kalifornischen Claremont.

Dort wurde der Harper-Knirps in die Welt des Blues eingeführt. Nun ist es an der Zeit für ein Dankeschön. Mit zwei akustischen Gitarren, zwei markanten Organen, sowie dem einen oder anderen Einschub aus dem Country-meets-Folk-Archiv im Gepäck, reisen Mutter und Sohn durch aufwühlende Erinnerungswelten. Da werden nicht nur Mama Harpers Augen feucht.

"Childhood Home" von Ben und Ellen Harper bestellen

Mando Diao – Aelita

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Die ehemaligen Rotz-Rebellen aus dem schwedischen Borlänge stehen schon lange nicht mehr auf verzerrte Gitarren und treibende Drums. Schlimm? Nein. Denn auch abseits meterhoher Marshall-Amps sorgen die Herren Dixgard und Norén für beste musikalische Unterhaltung. Anno 2014 beschäftigen sich die Verantwortlichen mehr denn je mit ihren Wurzeln; und die sind geprägt von elektronischen Sounds der Achtziger. Mit einem Relikt sowjetischer Synthesizer-Kunst namens "Aelita", sowie einer Vielzahl langlebiger Harmonien im Gepäck, begeben sich die Skandinavier auf eine wabernde Reise in die Vergangenheit, ohne dabei die Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Da können eingefleischte Indierock-Fans noch so laut meckern. Sänger Gustaf Norén juckt das nicht: "Die Leute da draußen sollten endlich begriffen haben, dass sich Mando Diao mit jedem neuen Album ein Stück weit neu erfinden." Verstanden, Herr Norén. Richtig so.

"Aelita" von Mando Diao

The Roots - …And Then You Shoot Your Cousin

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Urban, experimentell und stets der Masse einen Schritt voraus: The Roots tanzen der Hip-Hop-Branche nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich auf der Nase herum. Auch auf ihrem neuen, mittlerweile elften Studioalbum, geben sich Front-MC Tariq Trotter alias Black Thought keine Blöße und präsentieren ihrer Gefolgschaft ein zwar ziemlich kurzes (33 Minuten), aber dafür umso intensiveres Klangpaket der Superlative.

Mit reichlich Gastauftritten gespickt  (Nina Simone, Greg Porn, Mary Lou Williams, Michel Chion), entblößt sich "… And Then You Shoot Your Cousin" allerdings erst nach mehreren Durchläufen in seiner kompletten Pracht. Wer die Geduld jedoch aufbringt und kein Problem damit hat, wenn die engstirnigen Mechanismen des Hauptgenres mit allerlei exotischen Fremdklängen gekreuzt werden, der klatscht hier am Ende begeistert in die Hände.

"...And then you shoot your cousin" von The Roots

Chris Robinson Brotherhood – Phosphorescent Harvest

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Egal ob Pop, Rock, Soul oder Blues: Überall lechzt die Hörerschaft nach Hits. Diese Entwicklung gehe ihm schon seit Jahren gegen den Strich, so Chris Robinson. Mit seiner "Brotherhood" hat der Black Crowes-Frontmann aber nun endlich den Dreh raus, wie man auch ohne Ohrwurm-Harmonien für Begeisterungsstürme sorgt.

Von erdigen Boogie-Fundamenten, Bluesrock-Einschüben und stilechten Lagerfeuer-Soundscapes bis hin zu flirrenden Hippie-Jam-Exzessen: Hier braucht es keine Evergreens.

Hier entsteht hochwertige Klangkunst aufgrund detailverliebt ausgetüftelter Arrangements, sowie eines Songwriting-Talents, das nun schon seit 25 Jahren tiefe Spuren hinterlässt.

Und jetzt ab in den Keller. Da müsste doch noch irgendwo eine Schlaghose rumliegen.

"Phosphorent Harvest" von Chris robinson Brotherhood

Swans - To Be Kind

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Kann man ein Meisterwerk wie "The Seer" eigentlich noch toppen? Ja, man kann. Dafür braucht es allerdings ein bisschen Zeit – um genau zu sein: 120 Minuten! So lange muss man nämlich "warten", ehe sich der letzte Akkord des neuen Swans-Albums in den Äther verabschiedet. Zwei Stunden? Hallo? Ja, zwei Stunden. Na und? Lieber 120 Minuten avantgardistische Atmo-Sperrkost von Michael Gira und Co als eine Dreiviertelstunde Allerwelts-Tralala vom Rest der Pop- und Rock-Welt.

So in etwa dürften sich dieser Tage Anhänger der Band mit verschränkten Armen und hoch erhobenen Nasen zur Wehr setzen, wenn die hilflosen und verdutzten Blicke aus den Standard-Lagern mal wieder Überhand nehmen. Und das werden sie, so viel ist sicher. But who cares?

"To Be Kind" - Swans

Black Stone Cherry – Magic Mountain

Fans der ersten Stunde aufgepasst: Die Schwarzsteinkirschen aus Kentucky haben endlich wieder die Hosen an - und die sitzen dieser Tage enger denn je. Nach vereinzelten Ausflügen ins Nickelback-Lager, blasen die Südstaaten-Rocker wieder vehement zum Angriff.

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 Da lacht nicht nur das Hardrock-Herz. Auch Stoner- und Southern- Freunde werden beim Klang der dreizehn neuen Drei- und Vierminüter der Herren Robertson, Wells, Lawhon und Young vor Freude im Dreieck springen.

Mit dem richtigen Mix aus  Schleudergang und Weichspülprogramm hängen die Verantwortlichen blütenweiße Sound-Wäsche an die Leine. Porentief rein und wie gemacht für wilde Desert-Ausritte. Watch out, Mr. Chad Kroeger!

"Magic Mountain" von Black Stone Cherry

Conor Oberst – Upside Down Mountain

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Bright Eyes-Gründer und Monsters Of Folk-Mitglied Conor Oberst begegnet den Schattenseiten der Liebe und der Einsamkeit zunehmend mit einer gewissen Grund-Positivität.

Das funktionierte bereits auf seinem letzten Solowerk "Outer South" und klappt auch auf seinem neuen Album "Upside Down Mountain" vorzüglich. Wo Schatten ist, gibt es schließlich auch Licht.

Und so hält der gute Conor die Abgründe der Zweisamkeit wahlweise mit treibendem Bluesrock inklusive pointierter Bläser-Einsätze oder spartanisch arrangiertem Singer/Songwriter-Gezupfe im Zaum.

Egal wofür sich der Sänger entscheidet: Am Ende huscht stets ein Lächeln über sein Gesicht. Und das nicht nur bei ihm.

"Upside Down Mountain" von Conor Oberst

Quelle: ntv.de

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