Musik

Gil Ofarim ganz persönlich Vertontes Tagebuch

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"Ich liebe das Leben, ich lebe gerne", sagt Gil Ofarim

(Foto: imago images/Future Image)

Nach "Let's Dance" und "The Masked Singer" greift Gil Ofarim wieder zur Gitarre. Auf seinem neuen Album "Alles auf Hoffnung" verarbeitet er den Tod seines Vaters, aber auch Dinge, über die er lieber nicht sprechen möchte.

Gil Ofarim ist dieser Tage ein schwer beschäftigter Mann. Seit er 2017 die RTL-Show "Let's Dance" gewonnen hat, ist er aus dem deutschen Fernsehen kaum noch wegzudenken: Er war Musikpate der Kika-Sendung "Dein Song", nahm an Shows wie "Schlag den Star" und "Das große Promibacken" teil und belegte zuletzt den zweiten Platz bei dem Erfolgsformat "The Masked Singer". Außerdem hat er eine eigene Radiosendung bei Rock Antenne und steht demnächst in Agatha Christies "Tod auf dem Nil" auf der Theaterbühne.

Doch nun widmet der 37-Jährige sich wieder seiner Kernkompetenz, dem Singen: "Alles auf Hoffnung" heißt sein neues Album. Es bewegt sich zwischen lauten Rocksongs und eingängigem Pop-Appeal und ist dabei ziemlich persönlich. Die zwölf Songs handeln von Rückschlägen und Schmerz, aber auch davon, wieder aufzustehen. "Ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt meine Geschichte erzählen muss", sagt Ofarim. "Weil ich in den letzten Jahren einfach viel erlebt habe. Ich habe Erfahrungen gesammelt, die Leinwand war weiß und sie schrie danach, bemalt zu werden. Das alles musste irgendwie raus. Ich sage immer, ich habe ein Jahr an der Platte geschrieben, aber im Grunde ein Leben lang drauf hingearbeitet."

Die Karriere von Gil Ofarim begann früh: Durch eine Foto-Love-Story für die Jugendzeitschrift "Bravo" wurde er in den Neunzigern entdeckt, danach avancierte er mit Songs wie "Round 'N' Round (It Goes)" zum Teenie-Star und füllte sogar Stadien in Asien und Australien. Später arbeitete er als Schauspieler und Synchronsprecher und gründete die Bands Zoo Army und Acht.

"Mein Vater war exzentrisch, laut und lebensbejahend"

"Ich bin schon stolz auf das, was ich erreicht und im Leben gemacht habe. Ob es richtig ist, als Kind so früh in der Öffentlichkeit zu stehen, weiß ich nicht, aber ich habe mir das immer so gewünscht", erinnert sich Ofarim. "Schon als kleiner Junge habe ich in meinem Kinderzimmer Konzerte vor dem Spiegel gegeben." Die Musik wurde Ofarim schließlich auch in die Wiege gelegt: Sein Vater ist der israelische Sänger Abi Ofarim. "Wenn wir nicht zusammen Musik gemacht haben, lief andere Musik", sagt Ofarim weiter. "Wir sind oft gemeinsam auf Konzerte gegangen und durch seinen Beruf waren immer viele Musiker bei uns zu Besuch."

Im Mai 2018 starb Abi Ofarim nach langer und schwerer Krankheit. Seinen Verlust verarbeitet Gil Ofarim auf seinem Album in dem Stück "Nach dir der Regen". "Was ich auf gar keinen Fall wollte, war, meine Trauer breitzutreten, sondern ich habe das für mich gemacht. Ich wollte ihm einfach gerne einen Song widmen", sagt Ofarim. "In unserem Glauben setzt man ein Jahr später den Grabstein. An diesem Tag schüttete es wie aus Eimern. Sobald der Stein gesetzt war, riss die dunkle Wolkendecke für ein paar kurze Momente auf und die Sonne kam durch. Ich dachte nur: Papa, du führst auch von dort oben immer noch Regie. Die Worte 'Nach dir der Regen' könnten diesen Moment nicht besser beschreiben."

Dass der Song so laut und rockig ausgefallen ist, hat einen guten Grund: "Wer meinen Vater kannte, der weiß, dass er sehr exzentrisch, laut und lebensbejahend war. Er hätte nicht gewollt, dass ich ein Lied mit Geigen und Orchester aufnehme. Dafür hätte er mich vermutlich ausgelacht und gesagt: 'Wegen mir?' Deswegen dachte ich mir, es ist okay, wütend zu sein, laut zu sein und die Trauer einfach mal rauszuschreien."

Eine Abrechnung?

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Dass "Nach dir der Regen" - eine Widmung an Ofarims verstorbenen Vater - so laut und rockig ausgefallen ist, hat einen guten Grund.

(Foto: imago images / STL)

Den rockigen Titeltrack von "Alles auf Hoffnung" hat Ofarim seinen beiden Kindern gewidmet, in der Akustikballade "Pierrot" derweil geht es um einen tragischen Entertainer, der sich für sein Publikum selbst aufgibt. "Bin ich der weinende, traurige Clown? Manchmal vielleicht", so Ofarim. "Aber steckt nicht in jedem von uns manchmal ein Pierrot? Weil der Tag oder die Situation es von einem verlangt, setzt man eine Maske auf, obwohl man überhaupt keine Kraft oder Lust dazu hat."

Auch die Liebe ist auf "Alles auf Hoffnung" Thema - oder vielmehr dessen Ende. "Es ist so verdammt hart, wenn er neben dir liegt und nicht ich", singt Ofarim in "Herz", während er in "Alles" von einem Paar singt, das sich verliert. Ofarim hat sich 2018 von seiner Frau Verena getrennt. Eine Abrechnung? "Über mein Privatleben spreche ich nicht. Ich finde, das hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen", sagt Ofarim. "Laut Facebook bin ich ja eine 'Person des öffentlichen Lebens'. Mein Privatleben ist das Einzige, das mir geblieben ist und das wahre und schütze ich."

Natürlich habe er auf diesem Album Sachen geschrieben, die man interpretieren könne als "Jetzt hat er es gesagt". "Deswegen war mir klar, dass diese Fragen kommen werden. Aber ich schreibe nicht nur autobiografisch, sondern auch über mein Umfeld oder Dinge, die mich inspiriert haben. Von daher glaube ich, dass sich mit der Platte viele Menschen identifizieren können."

"Ich liebe das Leben"

Zumal es auf dem Album eben nicht nur um Verlust und Enttäuschungen geht, sondern vor allem darum, nicht aufzugeben, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen. "Hör die Stimme meines Vaters, die mir sagt / Egal, wie tief du fallen magst / Die Kunst liegt darin, wieder aufzustehen", singt Ofarim in dem Stück "Freiheit in mir".

"Auf dem Zenit meiner Teenie-Karriere, als mein Plattenvertrag verlängert werden sollte, habe ich ihn nicht verlängert, weil ich mich nicht mehr wohlgefühlt habe. Ich wollte mich musikalisch weiterentwickeln und habe gemerkt, dass die Plattenfirma da nicht mitgehen würde. Mein Vater hat mich damals sehr unterstützt, meinen Weg zu gehen", erzählt Ofarim. "Er hat mich darauf hingewiesen, dass ich vielleicht scheitern werde und mit Pauken und Trompeten baden gehe mit einem Album, das mir die Welt bedeutet - aber dass das dazugehört und man dann wieder aufstehen muss."

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Dass Ofarim sein Album "Alles auf Hoffnung" genannt hat, lässt darauf schließen, dass sein Glas aber sowieso immer halb voll ist. "Eigentlich schon", nickt er. "Was wäre auch die Alternative? Ich habe mich entschieden: Ich liebe das Leben, ich lebe gerne. Und ohne jetzt irgendwie spirituell oder wie ein Ratgeberbuch zu klingen, aber in der Form, in der wir gerade hier sind, gibt es uns nur einmal, also machen wir das Beste draus. Man spricht ja oft von positiven und negativen Erfahrungen, aber für mich gibt es nur Erfahrungen. Lern was, mach was draus."

Das Album "Alles auf Hoffnung" ist ab sofort erhältlich.

Quelle: ntv.de