"Es war nicht böse gemeint"Vielleicht steckt noch Leben in Phil Collins

In den 80er Jahren bestimmten Bundfaltenhosen, Synthies und grelle Farben das Kulturbild. Hit-Maschine Phil Collins lieferte den Soundtrack dazu. Nun feiert der ehemalige Genesis-Frontmann seinen 75. Geburtstag.
Hat Jimmy Page das beste Gitarrensolo aller Zeiten ("Stairway To Heaven") eingespielt? Steht Deep Purples "Smoke On The Water" ganz weit oben auf der Liste, wenn es um das markanteste Riff geht? Und hat Michael Jackson neben dem krassesten Dancemove (Moonwalk) auch die bekannteste Bassline (Billie Jean") am Start? Über so manchen Eintrag in den Musikgeschichtsbüchern kann man sicherlich streiten. Über einen aber nicht. Wenn es um das berühmteste Drum-Fill-in aller Zeiten geht, dann kann nur ein Name fallen: Phil Collins.
"Erst lullt man die Leute ein und dann kommen diese Drums daher wie ein Schlag ins Gesicht", erinnert sich Collins an die Aufnahmen zu "In The Air Tonight", seiner ersten Single-Auskopplung als Solokünstler. Der Song und das dazugehörige Drum-Fil-in machten Phil Collins im Jahr 1981 über Nacht zum Superstar. Nach erfolgreichen Jahren mit seiner Band Genesis katapultierte sich der Brite mit der hohen Stirn auf eine neue künstlerische Ebene. Stolze 274 Wochen hielt sich sein Solo-Debüt "Face Value" in seiner Heimat in den Charts.
Nummer-eins-Veröffentlichungen im Akkord
In den 80ern kam keiner an Phil Collins vorbei. Die, die ihn liebten, freuten sich über Nummer-eins-Veröffentlichungen im Akkord. Die, die ihn nicht liebten, mussten irgendwie da durch, ob sie wollten oder nicht. "Wenn meine Sachen totgespielt werden, ist das einerseits nicht mein Fehler. Andererseits kann ich gut verstehen, dass Leute von mir angekotzt sind. Und ich möchte mich dafür wirklich entschuldigen. Es war nicht böse gemeint", gab Phil Collins einmal in einem Interview mit dem "Spiegel" zu Protokoll.
In seiner erfolgreichsten Zeit war Phil Collins der fleischgewordene Gegenentwurf zum One-Hit-Wonder-Phänomen. Von den insgesamt 300 Millionen verkauften Tonträgern gehen die Hälfte auf das Solo-Konto des Mannes, der Anfang der 90er nicht nur seine angestaubte Home-Band wieder zurück in die Charts brachte ("We Can't Dance"), sondern zehn Jahre später auch noch den Oscar und zwei Golden Globes für die musikalische Untermalung des Disney-Films "Tarzan" einsackte. Phil Collins war überall - und das jahrzehntelang.
Kurz vor Beginn der Pandemie trumpfte Phil Collins ein letztes Mal groß auf. Zuerst legte er seine erfolgreichen Soloalben aus den 80ern neu auf. Dann setzte der fünffache Vater auf seiner "Not Dead Yet Live"-Tour noch einmal ein dickes Ausrufezeichen. Mit seinem Sohn Nicholas Collins am Schlagzeug und einer 14-köpfigen Band im Background tourte der Hit-Garant aus London durch die großen Arenen.
Wäre da nicht die Gesundheit
Am Ende des Jahres 2018 landete Phil Collins auf Platz drei der erfolgreichsten Live-Künstler hinter U2 und Beyoncé. Beruflich konnte Phil Collins hinter allen Wünschen und Träumen ein Häkchen machen. Im Spätherbst seines Lebens könnte alles so schön sein - wäre da nur nicht das Thema Gesundheit.
All die Jahrzehnte auf dem Pop-Thron haben ihre Spuren hinterlassen. In einem Interview für die BBC-Two-Sendung "Eras - In Conversation" spricht Phil Collins ganz offen über seine gesundheitlichen Probleme. Nach fünf Knieoperationen muss er mittlerweile rund um die Uhr von einer Pflegekraft betreut werden. Auch der jahrzehntelange Alkoholkonsum fordert seinen Tribut. "Ich habe tagsüber getrunken - und offenbar war es zu viel. Nun sind meine Nieren kaputt", gesteht der Sänger.
Trotz der schwierigen gesundheitlichen Situation blickt Phil Collins aber hoffnungsvoll in die Zukunft. In seinen persönlichen Archiven sollen noch einige musikalische Ideen rumliegen, verrät Collins. "Auch ein paar fertige Sachen, die mir gefallen. Vielleicht steckt noch Leben in mir", so der Brite. Rückblickend zeigt er mit beiden Daumen nach oben: "Ich hätte nichts davon missen wollen", sagt er. "Nicht für alles in der Welt."
Am 30. Januar 2026 feiert der polarisierende Superstar seinen 75. Geburtstag. Und jetzt alle nochmal: "Da-Da, da-da, da-da, da-da, dam-damm, bum-bum … I can feel it coming in the air tonight, oh Lord!" In diesem Sinne: Hoch die Tassen. Happy Birthday, Phil!