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Box-"Tatort" aus Luzern Angezählt in die Sommerpause

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Nur 60 Stunden bleiben noch, um Martina zu finden.

(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Eine junge Boxerin will hinschmeißen und aus dem allgegenwärtigen Dopingsystem aussteigen, das ihre letzte Konkurrentin auf dem Gewissen hat. Daraus wird nichts: Ihr Manager sperrt sie ohne Wasser in einen Bunker, ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Die Schweiz ist Weltmeister im Bunkerbauen: Über 300.000 Schutzräume gibt es in der Alpenrepublik, weil jedes Haus ab einer gewissen Größe per Gesetz über einen Bunker verfügen muss. Nun eignen sich unterirdische Räume mit Tresortüren und halbmeterdicken Stahlbetonwänden aber nicht nur prima zum Aussperren von Gefahren, sondern sind auch wie dafür geschaffen, unliebsame Mitmenschen einzusperren.

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Spielt ein undurchsichtiges Spiel mit den Kommissaren: der frühere Polizist Heinz Oberholzer (Peter Jecklin)

(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Martina Oberholzer (Tabea Buser) ist einer dieser unliebsamen Menschen, zumindest in den Augen ihres Managers (Urs Humbel). Die erfolgreiche Boxerin will hinschmeißen, nachdem ihre letzte Gegnerin noch im Boxring gestorben ist - allerdings nicht an den Folgen eines Schlags, sondern wegen eines Herzinfarkts, ausgelöst durch jahrelanges Doping. Mit diesen drastischen Konsequenzen konfrontiert will Martina aussteigen. Und wird stattdessen von ihrem Manager in einen der unzähligen Schutzräume unterhalb von Luzern geworfen - weil er Angst hat, sie könnte auspacken.

Was der Manager für Martina geplant hat? Unklar: Kurz nach der Entführung finden die Luzerner Kommissare Ritschard (Delia Mayer) und Flückiger (Stefan Gubser) den schmierigen Typen mit zwei Löchern im Bauch in seinem eigenen Blut liegen. Daneben steht Heinz Oberholzer (Peter Jecklin), Ex-Polizist und Ritschards früherer Ausbilder in Personalunion, mit einer Pumpgun, und gesteht die Tat. Gelöst ist der Fall deshalb aber noch lange nicht: Die Ermittler finden in der Wohnung einen Computer, der per Livesignal ein Bild der eingesperrten Martina überträgt, die ohne Wasser an einem unbekannten Ort festgehalten wird. Wo sich der Schutzraum befindet, weiß nach dem gewaltsamen Tod des Managers nur noch dessen Chef - und der steckt im Gefängnis. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

"Ihre Zunge klebt jetzt ohne Speichel"

Klingt spannend? Ist es aber leider nicht: Der letzte "Tatort" der laufenden Saison hat zwar alle Anlagen, um die Zuschauer mit einem großen Knall in die Sommerpause zu verabschieden, verstolpert sich aber bei der Ausführung auf fast allen Ebenen. Das beginnt schon bei den hölzernen Dialogen, die auf Schultheaterniveau daherkommen. Kostprobe gefällig? Bitteschön: "Sie bewegt jetzt ihren Mund so komisch", stellt die IT-Polizistin (Chantal Dubs) fest. "Weil ihre Zunge jetzt ohne Speichel klebt", wird ihr daraufhin fachkundig erklärt. Na sowas aber auch.

Das Drehbuch enttäuscht aber nicht nur durch bestenfalls mäßig geschriebene Dialoge, sondern vor allem durch die teils hanebüchenen Konstruktionen, die sich der Autor Urs Bühler hat einfallen lassen: Aufzählen lassen sie sich wegen Spoilergefahr leider nicht - aber wer sich "Ausgezählt" tatsächlich antut, merkt früh genug, was gemeint ist. Und weiß spätestens dann, warum der Luzerner "Tatort" angezählt in die Sommerpause geht. Bleibt nur zu hoffen, dass die letzte verbleibende Folge mit Flückiger und Ritschard wieder an das Niveau der vergangenen Episoden anknüpfen kann.

Quelle: n-tv.de

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