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Todernster "Tatort" aus Münster Boerne trifft den Teufel

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Überlebt einen schweren Autounfall: Boerne (Jan Josef Liefers). Oder etwa doch nicht?

(Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin )

Professor Boerne ist am Ende, ein schwerer Autounfall kostet ihn wohl das Leben. Weil der eitle Pathologe im Leben nicht immer einwandfrei handelte, landet er dafür jetzt in der Vorhölle - und trifft dort auf den Teufel in Kommissar Thiels Gestalt.

Endlose Gänge, kalte Neonröhren an der Decke, viel Papier und Wartemarken: Das muss die Hölle sein. Klingt nach einem stinknormalen Büro der eher schlechteren Art, ist im Fall des neuen Münsteraner "Tatorts" allerdings ganz wörtlich zu nehmen. Professor Boerne (Jan Josef Liefers) ist tot, oder zumindest fast. Ein schwerer Autounfall soll den eitlen Pathologen das Leben kosten, so sieht es jedenfalls der Teufel vor, der Kommissar Thiel (Axel Prahl) wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

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Ist nicht, wer er zu sein vorgibt: Dr. Jacoby (Hans Löw).

(Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin )

"Geschäftsführung bitte, Teufel hat man das früher genannt", korrigiert der höllische Paragraphenreiter den zwischen Leben und Tod festhängenden Boerne und erklärt diesem, er befinde sich nun im "Limbus", wie auch der Name des Falls lautet. Als Erfindung der katholischen Kirche mit ihrer feinen Fixierung auf Schuld und Sühne und ihrem Faible für Bestrafung und Qualen ist der Limbus so etwas wie das perfekte Sujet für einen Münster-Tatort": Frei übersetzt ist damit eine Art Vorhölle gemeint, in der die armen Seelen umherirren, denen ohne eigene Schuld der Zutritt zum Himmel verweigert wird.

Slapstick à la Grimme-Preisträger

En vogue ist diese Vorstellung seit Mitte des 20. Jahrhunderts aber selbst in der Kirche nicht mehr, was es dem "Tatort" auch deutlich einfacher macht, seine eigenen Deutung dafür zu finden - weshalb Boerne als wandelnde Out-of-Body-Experience fernab seines intensiv betreuten Körpers durch Münster irrt und Dinge tut, die Geister halt so tun - Lampen zum Wackeln bringen zum Beispiel, oder Spammails mit Angeboten für Penisvergrößerungen verschicken.

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Münster wäre eben nicht Münster, wenn nicht allerhand Platz für mehr oder weniger niveauvolle Skurrilitäten wäre: Natürlich wird dem falschen Doktor und veritablen Massenmörder, der Boernes Platz an der Pathologie einnehmen will, schlecht, sobald er Blut sieht. Und natürlich ist der Fahrstuhl zwischen Himmel und Hölle ein Paternoster. Im Vergleich mit anderen Fällen aus der Münsterstadt sind die Slapstick- und Klamaukeinlagen aber mehrheitlich so geschickt angelegt, dass sie feiern kann, wer möchte - und sie ignorieren, wenn die Albernheit aufstößt.

Zu verdanken ist das dem Buch von Grimme-Preisträger Magnus Vattrodt und der Regiearbeit von Max Zähle, der mit seinem Kurzfilm Raju Anfang der 2010er-Jahre nicht grundlos schon mal für einen Oscar nominiert war. Zusammen mit dem herrlich bedrohlichen Spiel von Hans Löw, der in die Rolle des falschen Doktors Jacoby schlüpft, und der routinierten Leistung der Hauptdarsteller Liefers und Prahl ist "Limbus" einer der besseren Fälle aus Münster und ein garantierter Publikumsliebling. Nach dem Willen des WDR kann das auch noch die nächsten Jahre so weitergehen: Die Verträge des Pathologen und seines Ermittlers wurden eben erst bis 2024 verlängert.

Quelle: ntv.de