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Boerne & Thiel naschen Lakritz Der Münsteraner "Tatort" im Schnellcheck

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Boerne ist auf einem Nostalgietrip.

(Foto: dpa)

Die Vergangenheit ist ein fernes Land, die Menschen benehmen sich seltsam dort. Tauchen wehrlose Jungs in Lakritzbottiche, nehmen liebevoll Musik-Kassetten auf oder trachten der Gattin nach dem Leben - trotz einiger Schwächen ein kurzweiliger Flashback.

Das Szenario

Der Konkurrenzkampf auf dem Marktplatz von Münster ist hart. Die Stellplätze sind begrenzt, der Andrang groß, umso wichtiger ist es, sich mit dem Chef des ganzen Unternehmens gutzustellen. Als der schließlich tot aufgefunden wird, dauert es nicht lange, und der Weg führt das Münsteraner Duo Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl) genau dorthin, an den Stand des Lakritzhändlers Bellekom (Ronald Top), von dessen Bonbongläsern eines beim Toten gefunden wird - und auffallend nach Zyankali riecht.

Doch der holländische Candyman ist nur eine Zwischenstation, denn eigentlich scheint sich der ganze Fall um seinen größten Konkurrenten, den pensionierten Lakritzhändler Harald Maltritz (Walter Hess) zu drehen. Dessen Tochter Monika (Annika Kuhl) hat den Laden übernommen, die Geschäfte könnten besser laufen. Als sie mit Boerne zusammentrifft, löst das beim Professor ganze Flashback-Kaskaden aus. Als Schüler war der junge Karl-Friedrich nicht nur ihr Mathe-Nachhilfelehrer, sondern auch bis über beide Ohren in sie verliebt.

Die eigentliche Botschaft

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Die Einschaltquoten schwanken - die Beliebtheit dennoch nicht.

(Foto: dpa)

Autor Thorsten Wettcke wollte den Prägejahren des jungen Boerne auf die Spur kommen, wollte herausfinden, in welchen Zaubertrank der Professor einst fiel und demzufolge der wurde, der er heute ist. Dass sich im Bottich kein kraftfördernder Saft, sondern flüssige Lakritze befand, das ist die eine Botschaft. Die andere ist, und da muss Thiel samt Salatgurken, Karotten und Smoothies herhalten, dass, wer versucht, sich gesund zu ernähren, irgendwie der Gelackmeierte ist. Gehänselt, unterzuckert, mürrisch - besser also wieder zurück zu Currywurst, Bier und Fertiggericht, so die merkwürdige, muffig-altmodische Message.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Vielleicht über Musik-Kassetten. Über Mixtapes. Über Kassetten-Mädchen und Kassetten-Jungs. Über den Karton auf dem Dachboden, in dem sich die Tapes mit den Lieblingssongs der Go-Betweens, von Love Battery und The Empire Freak Shop befinden, mit den Stücken von Harold Melvin und den Bluenotes, Dr. Hook, den Turtles und Ike & Tina Turner. Und darüber, wie bedeutsam allein der erste Song auf der ersten Seite der Kassette damals war. Und natürlich immer noch ist.

Der Plausibilitätsfaktor

Gering. Klar, Rache ist zeitlos, aber letztlich geht es bei "Lakritz", und das ist nichts Neues in Münster, weniger um Logik, Authentizität oder Faktendichte, sondern schlichtweg um Emotionen und Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.

Die Bewertung

7,5 von 10 Punkten. Die neue Nähe der beiden Helden konsolidieren, den Quatsch reduzieren, dann könnte das hier der Beginn einer wunderbaren - neuen - Freundschaft werden.

Quelle: n-tv.de