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Sniper mit Nagellack Der Stuttgarter "Tatort" im Schnellcheck

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Ist trotz des ungewohnten Aufzugs immer noch Kommissar: Bootz (Felix Klare).

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Das Szenario

In einem Stuttgarter Vorort wird eine investigative Journalistin erschossen. Trotz ihrer Profession scheint die Frau, aus 205 Metern Entfernung mithilfe eines Zielfernrohrs ermordet, zufällig ausgewählt worden zu sein: In einem Bekennerschreiben fordert der Schütze drei Millionen Euro und kündigt andernfalls weitere Opfer an. Die geplante Geldübergabe stellt sich allerdings als Ablenkungsmanöver heraus, ein zweiter Mensch muss sterben - diesmal ein Jogger in den Weinbergen über Stuttgart, der das erste Opfer nicht gekannt hat.

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Opfer Nummer 2: ein erschossener Jogger.

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Kommissar Bootz (Felix Klar) und sein Kollege Lannert (Richy Müller) verzweifeln fast angesichts der scheinbaren Willkür des Täters: Wie soll man einen Mörder schnappen, der ohne Muster tötet? Durch hartnäckige Ermittlungsarbeit und mit dem nötigen Quäntchen Glück finden die Kommissare schließlich heraus, dass der Mörder eigentlich eine Mörderin ist - und zwar eine auf einem tödlichen Rachefeldzug.

Die eigentliche Botschaft

Es gibt derer gleich zwei: Bevor klar ist, dass die Morde gezielt verübt werden, geht es um die Ohnmacht des Einzelnen und die Illusion von Kontrolle (über unser Leben). Im späteren Verlauf rückt die moralische Dimension in den Vordergrund: Wo beginnt und endet die Verantwortung für unsere Mitmenschen?

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Ob man bei dem letzten vermeintlich sturzbetrunkenen Obdachlosen, an dem man achtlos vorbeigelaufen ist, nicht vielleicht doch mal nach dem Rechten hätte sehen müssen?

Der Plausibilitätsfaktor

"Moment, Moment, Moment: Eine Täterin, davon gehen wir jetzt aus?", fragt Staatsanwältin Alvarez voller Erstaunen. Tatsächlich werden nur 15 Prozent der Morde von Frauen verübt, aber dann geht es fast immer um Liebe.

Die Bewertung

9 von 10 Punkten. "Du allein" ist ein ganz starker Thriller, der geschickt und fast unbemerkt eine zweite Ebene einzieht, die nachdenklich stimmt.

Quelle: ntv.de