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Packender "Tatort" aus Stuttgart Scharfschütze mit Masterplan

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Den Mord an dieser Journalistin sehen die Zuschauer aus der Ich-Perspektive.

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Ein Todesschütze geht in Stuttgart um und wählt seine Opfer anscheinend willkürlich aus. Als eine geplante Geldübergabe platzt, verzweifeln die Ermittler. Ob das auch für die Zuschauer gilt?

Wenn die Kamera während der Anfangsszene eines "Tatorts" nervös an Häuserfassaden entlangfährt und dann auch noch ein Zielfernrohr Menschen abtastet, gibt es eigentlich nicht mehr allzu viel zu deuteln ob der Dinge, die da gleich kommen. Die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) haben diesen Vorspann allerdings nicht gesehen und sind deshalb zu Recht verwirrt: Auf ihrem Schreibtisch landet ein Brief, adressiert "an die Ermittler im heutigen Mordfall". Wie merkwürdig, wo doch gar niemand umgekommen ist.

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Was ist an diesem Foto auffällig? Und nein, wir meinen nicht die Patronenhülse.

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Wenig später hat sich das geändert, was einerseits für die Geschwindigkeit der Deutschen Post spricht, andererseits aber auch für einen ziemlich kaltblütigen Mörder mit Masterplan. Drei Millionen Euro will er haben, in richtig großen Scheinen, sonst stirbt das nächste Opfer. Weil die Kommissare keinen blassen Schimmer haben, wo sie mit den Ermittlungen beginnen sollen, und dazu noch befürchten, dass der Mörder seine Opfer zufällig auswählt, lassen sie sich auf den Deal ein: Bootz schmeißt das Geld aus einer fahrenden S-Bahn, wo es dann allerdings stundenlang ungewollt auf dem Bahndamm herumliegt, beobachtet von den wachsamen Augen einer ganzen SEK-Einheit. Aber wenn der Täter kein Geld will, was will er dann?

Mehr Thriller als Krimi

Das geben wir an dieser Stelle natürlich nicht preis, können aber schon verraten, dass sich ein Einschalten in jedem Fall lohnt: "Du allein" schlägt schon in den ersten 20 Minuten ein für deutsche Krimi-Verhältnisse ungewohnt hohes Tempo an und peitscht seine Protagonisten regelrecht von Szene zu Szene. Das funktioniert ausgesprochen gut, der neueste Fall aus Stuttgart ist mehr Thriller als Krimi - und hat diese Bezeichnung auch verdient, spannend bleibt er nämlich von Anfang bis Ende.

Dass es Regisseurin Friederike Jehn trotzdem gelingt, glaubhaft eine zweite Ebene einzuziehen, in der sie die Motivation des Todesschützen in Rückblenden erzählt, ist ihr hoch anzurechnen: Die Erzählung wirkt zu keiner Zeit konstruiert, an manchen Stellen fühlt man als Zuschauer ungewollt stark mit dem Mörder mit. Das liegt sicher auch an den drehbuchschreiberischen Qualitäten von Wolfgang Stauch, der schon im vergangenen Jahr den Stoff für einen Stuttgart-"Tatort" lieferte, der unter die Haut ging.

Damals stand die sehr sympathische Mörderin allerdings schon von Beginn an fest, während "Du allein" gleich mit mehreren Twists aufwartet. Jedes weitere Detail, das wir an dieser Stelle verraten würden, wäre deshalb auch eines zu viel - alle Neugierigen müssen also wohl oder übel bis Sonntagabend warten.

Quelle: ntv.de