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Terror-"Tatort" aus München Die Nadel im Heuhaufen

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Die Silberrücken wollen ihre Stadt beschützen.

(Foto: dpa)

Nicht nur für Batic und Leitmayr wird es in diesem Fall brenzlig, die gesamte Isar-Metropole ist bedroht. Nach dem Mord an einem Fahrkartenkontrolleur wird der Täter erschossen, ein Komplize jedoch soll flüchtig sein. "Unklare Lage" ist eine fulminante Skizze zwischen Terror-Szenario und Polizei-Arbeit.

Zunächst einmal weckt der "Tatort" allein beim Blick auf den Kurzinhalt schlimme Erinnerungen. An den 22. Juli 2016, als ein 18-jähriger Schüler im Bereich des Olympia-Einkaufszentrums in Moosach neun Menschen erschoss und fünf weitere verletzte. Das filmische Geschehen nimmt seinen Anfang in einem Linienbus. Ein junger Mann (Manuel Steitz) erschießt den Fahrkartenkontrolleur, ist anschließend auf der Flucht. Es dauert nicht allzu lang und das SEK macht den Täter dingfest, der Mann, Tom Scheuer sein Name, kommt dabei ums Leben. Die weiteren Untersuchungen ergeben Hinweise darauf, dass ein zweiter Täter unterwegs sein könnte, der möglicherweise einen Anschlag von größeren Ausmaßen plant. Der Rucksack des toten Mannes ist voller Munition, auch ein Funkgerät wird gefunden.

Als Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) schließlich dessen Eltern (Isabella Bartdorff und Martin Lindow) vernehmen, entstehen weitere Verdachtsmomente: Was hat es mit dem Kauf von Nägeln auf sich? Was war in dem Karton, den Tom Scheuer kürzlich mit nach Hause gebracht hat? Was hat Scheuers Freundin Janja (Pauline Werner) damit zu tun und ist der Kapuzenträger, den man auf dem Film einer Überwachungskamera ausmacht, Toms Bruder Mike (Max Krause), womöglich der gesuchte Komplize?

Was im Fall von 2016 das Olympia-Einkaufszentrum war, das wird hier zunächst die Schule des Getöteten, nämlich der Ort eines möglichen Anschlags, dem viele Schülerinnen und Schüler zum Opfer fallen könnten. Aber auch die Stadt München selbst bekommt die Auswirkungen der Tat zu spüren. Mehrere Stunden lang wird der gesamte öffentliche Verkehr ausgesetzt. "Dieser 'Tatort' ist ein Polizeifilm. Der ganze Apparat, Führungsstab, SEK, Streifenpolizisten, Bereitschaftspolizei bis hin zu den Kommissaren Batic, Leitmayr und Hammermann, sie stehen im Mittelpunkt und sie alle sind für mich die Hauptfiguren dieser Geschichte", so Regisseurin Pia Strietmann über diesen Krimi, für den Autor Holger Joos die Drehbuchvorlage geliefert hat.

Fulminant und packend

"Ein möglicher Amokläufer in München. Ein Szenario, das die Kommissare und deren sonst nur im Hintergrund agierenden Kolleginnen und Kollegen an den Rand ihrer Belastbarkeit bringt", erzählt Joos von den psychischen Auswirkungen auf das ganze Team. "'Unklare Lage' ist ein extremer 'Tatort', ein Versuch, die Abläufe eines solchen Tages unmittelbar und möglichst realistisch aus Sicht der Kommissare zu erleben. Wir begleiten sie auf ihrer nervenaufreibenden Polizeiarbeit, spüren ihren Stress in einer sich ständig wechselnden Lage. Denn immer neue, oft widersprüchliche Informationen führen auf falsche Fährten und enden in Sackgassen."

Der Anspruch an die Geschichte ist das eine, die Umsetzung das andere - im Fall von "Unklare Lage" jedoch gelingt dieses Vorhaben überaus spektakulär. Als gute Entscheidung erweist es sich, nicht den einen Schwerpunkt im Geschehen zu setzen, sondern vielmehr zwischen den Orten und Ebenen zu wechseln. Von den Eltern zu den Kommissaren, aus den Straßen Münchens hinein in die schummrig beleuchtete Kommandozentrale, von der lautstarken Panik unter den Einwohnern zur beklemmenden Sprachlosigkeit im Verhörzimmer.

Ein fulminanter, ein packender "Tatort", stimmig und fesselnd bis zur letzten Minute, überaus souverän geschultert von den Silberrücken Batic und Leitmayr, die ihre temporäre Hemdsärmeligkeit durch pragmatische Action und Handlungsentschlossenheit ersetzen - auch ein Grund, warum dieser "Tatort" lange über das Ende des Abspanns hinaus nachhallt.

Quelle: ntv.de