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Linken-Chef als Telefonjoker Hubertus Heil scheitert bei WWM am Fußball

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Nowitzkis Schwager brachte Hubertus Heil ins Schwitzen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat sich zu "Wer wird Millionär?" getraut. Aber beim Fußball soll ausgerechnet Dietmar Bartsch helfen. Thomas Hermanns will lieber wissen: "Hatten Sie schon mal homosexuelle Erfahrungen, Herr Jauch?"

Norbert Blüm hat es getan. Kristina Schröder auch, aber das war's schon mit den aktiven Bundesministern in der "Wer wird Millionär?"-Geschichte. Wen wundert es, das Reinfall-Potenzial ist schier unendlich. Wer will sich da in Zeiten von Grundrente und Klimapaket in der Großen Koalition schon die Blöße geben? "Erst mal großes Kompliment, dass Sie sich hergetraut haben", lobte deshalb Günther Jauch, als es Bundesarbeitsminister Hubertus Heil endlich als dritter von vier Kandidaten im Prominenten-Special auf den heißen Stuhl geschafft hatte. Seine eigene Feuerprobe hatte Jauch da schon hinter sich - oder vor sich, wenn es Thomas Hermanns mit dem Test auf die "Zwei-Liter-Rotwein-Bisexualität" ernst gemeint haben sollte.

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Sorgte für Lacher: Thomas Hermanns

Wie hat sich Heil geschlagen? Nicht berauschend, aber es gab keinen Grund zum Schämen. Der Arbeitsminister zeigte wie alle Mitratenden samt Moderator Schwächen beim Wissen um den Induktionsherd (der Topfboden wird zuerst warm, nicht die Herdplatte oder das Kochwasser). Auch bei Quersumme und Quadratwurzel oder den Feinheiten der Verbote für Fahrradfahrer (nie freihändig fahren!) leistete sich Heil in der Sondersendung zum RTL-Spendenmarathon Durchhänger, kam aber dank der Joker stets weiter.

Jauch hatte einige politische Fragen, konnte Heil aber nicht wirklich saftige Details aus dem politischen Berlin entlocken. Wen er in der Regierung duzt, behielt der Minister lieber für sich (außer bei Bundesverkehrsminister Andreas "Andy" Scheuer). Heil verriet aber, dass es bei Streitigkeiten keinen großen Unterschied macht, wenn man sich mit dem vertraulichen "Du Arschloch" beschimpft.

Bartsch? "Falsche Partei, guter Mann"

Bei der 125.000-Euro-Frage setzte Heil all seine Hoffnung nicht etwa in einen Genossen. Nein, Dietmar Bartsch ("Falsche Partei, aber guter Mann") war sein Telefonjoker für Sportfragen. Der Co-Vorsitzender der Linken-Bundestagsfraktion sollte wissen, wer als Fußballnationalspieler bei der letzten WM aufgelaufen ist: A) Rafael Nadals Neffe, B) Hansi Hinterseers Enkel, C) Dirk Nowitzkis Schwager oder D) Ed Sheerans Cousin. Bartsch ließ eine leichte Tendenz zu C erkennen. Fünf Sekunden vor Ablauf der Zeit hob er klassisch umständlich an "Ich weiß es nicht. Mein Tipp würde eher gehen.." und da war das Gespräch auch schon abgebrochen.

C wäre tatsächlich richtig gewesen. Nowitzkis Schwager Martin Olsson war Mitglied der schwedischen Fußballnationalmannschaft. Heil gab sich mit 64.000 Euro zufrieden, die in den großen RTL-Spendentopf für kranke und bedürftige Kinder wanderten. Jeweils 64.000 Euro steuerten auch Sängerin Jeanette Biedermann und Bestseller-Autor Sebastian Fitzek bei. Gewinner des Abends wurde Moderator Thomas Hermanns mit 125.000 Euro, wie alle Kandidaten des Abends übrigens wohnhaft in Berlin. Für ihn wurde mit der Teilnahme ein jahrelanger Traum wahr. Im Grunde hat er ihn sich selbst erfüllt. "Ich hab es allen Journalisten so lange erzählt, bis es jemand gedruckt hat", gab der 56-Jährige zu. Jauch hatte das Interview im "Tagesspiegel" gelesen und schon war Hermanns eingeladen.

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Jauchs Gäste hatten eine Gemeinsamkeit: Alle wohnen Berlin.

Der Gast ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen. "Hatten Sie schon mal homosexuelle Erfahrungen, Herr Jauch?", wollte er unvermittelt nach der 8000-Euro-Frage wissen. Das Publikum jauchzte, der Gastgeber lächelte abgebrüht in die Kamera. "Darüber können wir doch nach der Sendung sprechen", wiegelte Jauch ab. "Da freue ich mich. Wir sind ja in Köln", zeigte sich Hermanns hartnäckig. "Außerdem gibt es bei Heteros ja manchmal diese Zwei-Liter-Rotwein-Bisexualität. Also wir können daran arbeiten." Was er vielleicht nicht bedacht hat: Als Winzer dürfte sich Jauch eine hohe Toleranzschwelle antrainiert haben.

Drei Runden später hätte Hermanns vor dem Gastgeber auf die Knie sinken sollen. Denn er, sein Publikumsjoker und womöglich so mancher Zuschauer vor dem Fernseher hatten sich bei der Frage für 64.000 Euro verrannt. Sie lautete: Ist hierzulande bei Halbmond die linke Hälfte zu sehen, dauert es wie lange bis zum nächsten Vollmond? A) etwa 72 Stunden, B) weniger als acht Tage, C) circa drei Wochen, D) rund anderthalb Monate. Hermanns und der Joker hatten sich auf D eingeschossen, aber Jauch ging immer wieder dazwischen. Bis auch Hermanns aufging: Es ist ja jeden Monat Vollmond. In letzter Minute schwenkte er auf C um.

Hermanns scheitert beit 500.000 Euro

Dann wusste er ohne Hilfe sofort, dass die "Fluch der Karibik"-Filmreihe auf einer Themenwelt im Disneyland beruht. Es hätte sogar für die halbe Million Euro gereicht. "Welches dieser Wörter entspricht ziemlich genau der Durchschnittslänge eines Duden-Stichworts?", wollte Jauch wissen. Zur Auswahl standen die Beispielbegriffe Haus, Hausdach, Hauseingang und Hausaufgabenbetreuung. "Deutsche Sprache, umständliche Sprache", wusste Hermanns und tippt auf den Hauseingang. Allerdings wollte er wegen der Kinder das Risiko nicht eingehen und stieg mit 125.000 Euro aus. Aber C wäre tatsächlich richtig gewesen, das durchschnittliche Wort im Duden ist knapp elf Buchstaben lang.

In Biedermanns Runde haben wir gelernt, dass die 500 Euro für den Publikumsjoker unmittelbar nach der Sendung ausbezahlt werden. Fitzek konnte dank seines Helfers im Studio sicher sein, dass im unsterblichen Hit "Westerland" niemals das Wort "Sylt" vorkommt. Apropos Ärzte: Bei der 32.000-Euro-Frage, welche Anforderung regelmäßige Blutspender laut Bundesärztekammer nicht erfüllen müssen (richtige Antwort: Mindestgewicht von 70 Kilogramm) war Fitzek nicht ganz sicher. Er bot deshalb an, im Falle des Absturzes auf 500 Euro die Differenz aus eigener Tasche zu bezahlen.

Auch das hatte, wie Heils Besuch, bei "Wer wird Millionär?" Seltenheitswert. Das letzte Mal habe das Rudi Carrell angeboten, erinnerte sich Jauch. Der Kollege habe aber sofort mit Blick auf ihn klargestellt: "Das teilen wir uns." Damals ging es um eine halbe Million. "Das war ein Supervorschlag", meinte Jauch. Zum Glück lag Carrell damals mit seiner Antwort richtig.

Die Prominenten erspielten für den Spendenmarathon 317.000 Euro. "Wer wird Millionär?" kehrt am 5. Dezember mit einer dreistündigen XXL-Ausgabe zurück, erneut ungewohnterweise an einem Donnerstag.

Quelle: n-tv.de