TV

Vater wusste richtige Antwort Pastor verlässt bei zwei Millionen der Glaube

1692698.jpg

"Wer wird Millionär?" Moderator Jauch stellte die Zwei-Millionen-Euro-Frage.

(Foto: TVNOW)

Bei der Zwei-Millionen-Euro-Frage weiß der Telefonjoker die richtige Antwort. Pastor Lukas Gotter aber kommt das Gottvertrauen abhanden. Trotzdem fühlt sich der "Wer wird Millionär"-Kandidat als Sieger: "Was für ein Segen."

Am Ende war es tatsächlich eine Glaubensfrage. Pastor Lukas Gotter war am Dienstag der erst dritte Kandidat von "Wer wird Millionär?", der die Frage über zwei Millionen Euro gestellt bekam. Im Grunde hätte der 32-Jährige den bislang höchsten Gewinn in der 20-jährigen Geschichte der Quiz-Show einfahren müssen. Die Frage war machbar, sein Vater als Telefonjoker wusste sofort die richtige Antwort. Allein - es fehlte dem Gottesmann das letzte Quäntchen Vertrauen.

"Ich halte den Kandidaten für richtig gefährlich", hatte Günther Jauch im Zocker-Special am Montag vorhergesagt. "Irgendwie liegt was in der Luft", meinte der Moderator dann zu Beginn der Fortsetzung. Gotter hatte noch zwei Joker und war lediglich drei Fragen vom Hauptgewinn entfernt. Der Anfang fiel perfekt aus. Für 250.000 Euro wurde der Kandidat aus Halle an der Saale gefragt: In welcher Disziplin wurde 2016 ein Sportler als Olympiasieger Nachfolger seines Bruders, der vier Jahre zuvor Gold geholt hatte? Er tippte sofort auf die Diskuswerfer Robert und Christoph Harting, haderte aber noch mit dem Risiko. Ein Joker schien für den Kandidaten irgendwie ausgeschlossen zu sein. Schließlich gab er sich einen Ruck ("Ich riskier's") und war eine Runde weiter.

Pastor zockt bei Jauch

Zugegeben: Die Aufgaben in der Endrunde waren lösbar. Ganz im Gegensatz zum Namen des längsten Wurms der Welt, der mal für eine Million Euro gewusst werden musste. "Harry Potter"-Fans wussten bei der 750.000-Euro-Frage sofort, welche literarische Figur ihre Kindheit in dem Dorf Godric's Hollow verbracht hat. Gotter hatte die Verfilmungen zwar gesehen, sicherte sich aber noch lieber mit dem 50:50-Joker ab. "Jetzt schon?", amüsierte sich Jauch. Und schon ging es an die zwei Millionen Euro.

Jauch erinnerte bei dieser Gelegenheit an John Carpenter. Der erste Sieger der US-Ausgabe von "Wer wird Millionär?" hatte bei der Millionenfrage seinen Vater angerufen. Aber nur, um dem Telefonjoker zu eröffnen, dass er die richtige Antwort selbst wusste. Auch Gotter rief seinen Vater an. Der sollte wissen: Wer hat am 31. August 1990 den Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR unterschrieben? Zur Auswahl standen Wolfgang Schäuble, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher und Thomas de Maizière. Der ehemalige Buchhändler Ralf Gotter sagte zweimal "Schäuble", was bei seinem Sohn nicht so richtig ankam, weshalb keine Zeit für Nachfragen blieb.

Jauch stellt Frage für zwei Millionen

61057240.jpg

Schäuble und Krause haben den Vertrag unterschrieben.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Schäuble? War der Innenminister?", fragte sich der Pastor, der 1990 drei Jahre alt war. Gotter schwankte, wankte und wagte es nicht. "Ich glaube, dass mein Papa recht hat", meinte er zwar, ging trotzdem auf Nummer sicher und stieg aus: "Ich freue mich über die 750.000. Was für ein Segen." Als Jauch dann die korrekte Antwort offenbarte, wurde der Gottesmann doch auffallend still. Tatsächlich waren es der damalige Bundesinnenminister Schäuble und der ostdeutsche Verhandlungsführer und Parlamentarische Staatssekretär Günther Krause (beide CDU), die den Einigungsvertrag in Ost-Berlin unterzeichnet hatten.

Zumindest mit vereinten Kräften machten die Kandidaten des fast dreistündigen Zocker-Specials die Million nahezu voll. Mathias Baltes aus Eppelborn war wie seine Mitstreiter aus der Sendung am Montag übrig geblieben. Der 30-Jährige ließ erst Jauch an der Hantel gegen den Muskelschwund im Rumpf antrainieren. Dann sicherte sich der Doktorand der Chemie mit seinem tollen Spartenwissen 125.000 Euro. Bundeswehroffizier Sebastian Weiß aus München musste anschließend schon bei der 8000-Euro-Frage einen Joker ziehen und stieg mit dieser Gewinnsumme aus.

WWM-Kandidat stürzt ab

Ein Happy End war diesem Zocker-Spezial leider nicht beschieden. Daniel Hopkins aus Merzen war trotz flatternder Nerven bis zur 125.000-Euro-Frage gekommen. Dann stand der PR-Manager wie anfangs schon Gotter vor der Charakterfrage: zocken oder auf Nummer sicher gehen? Der 42-Jährige sollte wissen, welche Marke 2018 in der Bundesrepublik erstmals überschritten worden war. Er tippte wie sein Zusatzjoker auf die Außentemperatur von 40 Grad Celsius. "Meine Frau hat mir auch gesagt, sie liebt mich auch so", sprach sich der Kandidat Mut zu. "Es hießt Zocker-Special, also zocken wir einmal." Tatsächlich hat es die 40 Grad bereits 1983 zum ersten Mal gegeben. Richtig war, dass 2018 die Marke von 83 Millionen Einwohnern überschritten wurde.

Hopkins stürzte also von 64.000 auf 1000 Euro ab. Wenigstens konnte Pastor Gotter hinter den Kulissen Trost spenden. Die Kandidaten scheinen sich als kleine Schicksalsgemeinde angefreundet zu haben. "Ein super Typ. Auch hinter der Bühne", hatte Baltes den Sieger des Abends gewürdigt. Der Pastor will einen Teil des Gewinns seiner freikirchlichen Gemeinde spenden und seinen Schwiegereltern deren Gebrauchtwagen abkaufen. Jauch konnte also keinen historischen Sieg feiern. Er freute sich aber über dieses denkwürdige Kapitel. "Ich fand es prima, dass es mal jemanden wie Sie getroffen hat", hatte er Gotter mit auf den Weg gegeben. "Da hat der Richtige eine Drei­vier­tel­mil­li­on abgeräumt."

Quelle: ntv.de