TV

"Der Reiz des Bösen" Wenn Frauen Mörder lieben

imago0099579568h.jpg

Ted Bundy auf einem Polizeifoto.

(Foto: imago images/Everett Collection)

Hybristophilie, noch nie gehört? Ein paar Millionen "Tatort"-Zuschauer werden den Begriff in Zukunft nicht mehr so schnell aus dem Kopf bekommen: Der neueste Fall aus Köln befasst sich mit romantischen Abgründen und historischen Serienmördern.

Die alleinerziehende Ines (Picco von Groote) hat im neuen Kölner "Tatort" ihre große Liebe gefunden: Basso (Torben Liebrecht) ist ein Bild von einem Mann, so stark und zupackend, das braucht sie in ihrem Leben. Und weil Basso mit ihr immer so sanft und liebevoll umgeht, fällt der Umstand, dass die beiden sich im Gefängnis kennengelernt haben, kaum ins Gewicht: Jeder macht mal Fehler, vertraut Ines einer Freundin an, aber Basso habe aus seinen gelernt. Und deswegen gibt sie ihm nicht nur eine zweite Chance, sondern holt ihn zusammen mit ihrem Sohn Lenny (Wulf Kurscheid) am Entlassungstag vom Gefängnistor direkt zu sich nach Hause.

15_Tatort_Reiz_des_Boesen.jpg

Im Film zeigt sich Basso von seiner hässlichen Seite - und Ines wird ihm im Anschluss verzeihen, immer und immer wieder.

(Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin )

Kaum auf freiem Fuß, zeigt sich Basso von seiner anderen Seite: Er ist grob zu Ines und ihrem Sohn, bleibt manchmal tagelang weg und kommt dann betrunken und aggressiv nach Hause. In einer besonders verstörenden Szene rammt er Lenny die Faust in die Magengrube und warnt ihn dann: "Wehe, du weinst!" Lenny weint nicht, nimmt dafür allen Mut zusammen und erzählt seiner Mutter davon. Die aber glaubt ihm nicht und nimmt stattdessen Basso in Schutz - dass sie damit das ultimative Kindheitstrauma auslöst, scheint ihr egal zu sein.

Als Zuschauer sitzt man vor dem Fernseher und fragt sich: Wie kann diese Frau nur so blind sein? Wie kann sie tolerieren, was Basso ihr und anderen antut? Die Antwort fällt im Verlauf von "Der Reiz des Bösen" gleich mehrfach, auch weil der Name selbst nicht unbedingt beim ersten Mal kleben bleibt: Hybristophilie. So heißt der abgründige Fetisch, bei dem sich Betroffene von Kriminellen, insbesondere Gewaltverbrechern und Mördern, sexuell angezogen fühlen - Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

Ein sympathischer Kerl

imago0059998084h.jpg

Auf manche Frauen wirkte Ted Bundy fast schon magisch anziehend.

(Foto: imago images/United Archives International)

Ganz so verbreitet wie im aktuellen "Tatort", wo von der ermordeten Krankenschwester über die Gefängnispsychologin bis hin zur alleinerziehenden Ines gefühlt jede zweite Frau hybristophil veranlagt ist, ist die Störung zwar nicht. Trotzdem gibt es jede Menge sehr realer Vorbilder: "Charles Manson hatte Wäschekörbe voller Liebesbriefe in seiner Zelle", heißt es etwa im Film. Noch akkurater dürfte allerdings der Vergleich mit Ted Bundy sein.

Mehr zum Thema

Der US-Amerikaner gilt als einer der schlimmsten Serienmörder in der Geschichte der Vereinigten Staaten und hat in den 1970ern bis zu 100 junge Frauen und Mädchen ermordet - offiziell gestanden hat er allerdings "nur" 30 Morde. Bundy war überdurchschnittlich gutaussehend, intelligent und redegewandt. Auf alten Fotos sieht man ihn viel lachen oder verschmitzt grinsen. Kurzum: ein sympathischer Kerl, solange man nichts über ihn weiß.

Carol Ann Boone allerdings wusste jede Menge über Bundy - und war ihm wohl gerade deswegen verfallen. Boone hatte Bundy schon früh kennengelernt und ihm jahrelang die Treue gehalten, während er immer weiter mordete. "Lassen Sie es mich so formulieren: Ich glaube nicht, dass Ted ins Gefängnis gehört", sagte die Frau in einem Interview, kurz nach Bundys Verurteilung wegen des Mordes an einer Zwölfjährigen. In derselben Verhandlung hatte Bundy um die Hand Boones angehalten - und sie hatte "Ja" gesagt. Eine fast schon unglaubliche Geschichte, die als "Tatort"-Drehbuch wohl abgelehnt worden wäre: zu abgedreht, zu unrealistisch.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.