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"Tatort": Der höllische Heinz Western von gestern

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Der Oberindianer von El Doroda wurde tot aufgefunden.

(Foto: Anke Neugebauer/MDR/Wiedemann&Berg/ARD/dpa )

Zitate vom Paten und Bud Spencer, ein bisschen "blauer Engel", eine Prise "Rauchende Colts" und Gags, für die man auch schon mal am Marterpfahl landet - Kira Dorn und Lessing verschlägt es in die Westernstadt El Doroda.

Als man in Weimar einen toten Indianer aus der Ilm fischt, kann es für das dynamische Duo Dorn/Lessing nur ein Ziel geben: El Doroda. Die etwas außerhalb gelegene Westernstadt ist so etwas wie Karl-May-Spiele ohne Winnetou, Dodge City ohne Sheriff Matt Dillon, eine Art "Ostworld", nur ohne Mutanten. Der Geschäftsführer des Freizeitparks ist Heinz Knapps (Peter Kurth), ein grober John-Wayne-Verschnitt, der die Erfahrung machen muss, dass die Darsteller seiner Crew nicht nur fotogen vorm Saloon Maulaffen feilhalten können, sondern auch darüber hinaus mit dem Instrumentarium des Wilden Westens vertraut sind.

Eines Nachts versucht der aufgebrachte Mob den verhassten Knapps per Lynchjustiz um die Ecke zu bringen. Die Gründe haben so gar nichts von Western-Romantik, sondern sind rein wirtschaftlicher Natur. Die Zukunft der Anlage ist ungewiss, seit man dort im Erdreich sogenannte "seltene Erden" fand, die als Grundstoff für Handys und ähnliche Postmodernitäten dienen. Das wusste auch Häuptling Einsamer Wolf, der im wirklichen Leben Wolfgang Weber hieß und über den Wasserweg in die ewigen Jagdgründe verschifft wurde. Und dann gibt es da noch die Industriemagnatin Ellen Kircher (Marie-Lou Sellem) und ihren Sohn Nick (Martin Baden), sie eine eiskalte Economy-Amazone, er ein tumber Rockerprinz, beide vereint in Skrupellosigkeit und Geldgier.

"Der höllische Heinz" nennen die Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger ihre Geschichte, die den achten Fall der Weimarer Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) erzählt. Schaut man sich den Zitatereigen so an, dann dürfte die Arbeit am Script einigen Spaß gemacht haben, graben die beiden sich doch mit großzügigem Händchen durch die Filmhistorie. Da werden Großkopferte an Lassos durch den Sand gezogen, machen kauzige Goldgräber düstere Prophezeiungen, wirbeln die Colts, fliegen die Fäuste wie einst bei Bud Spencer und Terence Hill, darf Nora Tschirner ein ganz kleines bisschen vom Geist Marlene Dietrichs aufleben lassen und sich wie sie einst als Frenchy in "Der große Bluff" (1939) durch "The Boys in the Back Room" trällern. Selbst vor dem Paten wird nicht Halt gemacht.

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Die Rolle passt perfekt - Nora Tschirner ist eine begeisterte Reiterin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass die notorische Nora hier alle Register zieht, ist kein Zufall, wie Andreas Pflüger aufdeckt: "Der Western war ein Wunsch von Nora Tschirner, die eine begeisterte Westernreiterin ist und von Square Dance bis zu anderen Western-Tänzen alles beherrscht. Sie hatte uns regelrecht angefleht, wir mögen ihr doch einen 'Tatort' im Western-Milieu schreiben."

Spaß beim Machen ist das eine, Spaß beim Gucken das andere - der Graben dazwischen jener Reality Check, den der Zuschauer dieser Western-Saga letztlich für sich selbst entscheiden muss: Wer Frotzeleien über Hosenwürmer und tiefe Löcher mag, wer bei der Krimivariante "Undercover-Ermittlung" noch "Hier" ruft, als Bub mal in Kitty aus "Rauchende Colts" verknallt war und sich in der guten alten Videothek darüber ärgert, dass "Der Schuh des Manitu" schon wieder verliehen ist, dem dürfte "Der höllische Heinz" den Neujahrskater versüßen. Alle anderen sollten sich an Aspirin und Heringssalat halten.

Quelle: ntv.de