Sexualkunde in Frankreich3D-Klitoris soll Schüler besser aufklären

Die Klitoris liegt zwar vorrangig im Körperinneren, erreicht aber locker die Größe eines durchschnittlichen Penis und kann ebenso anschwellen. In Frankreich wird dieses Wissen jetzt auch an allen Schulen vermittelt - mittels naturgetreuer 3D-Klitoris.
In Frankreich werden neuerdings an allen Schulen 3D-Modelle einer Klitoris zur Aufklärung eingesetzt. Der Grund: Schüler lernen zwar bereits im ersten Sexualkundeunterricht viel über den Penis als wichtiges Fortpflanzungsorgan und als Körperteil zur Lustgewinnung, das weibliche Geschlechtsorgan ist hingegen oft noch ein Tabu.
Entwickelt wurde die pinkfarbene 3D-Skulptur von der Forscherin und Sozialmedizinerin Odile Fillod. Die Idee kam Fillod, als sie ein Aufklärungsvideo für die Schule anfertigte. Dabei stellte sie fest, dass es gerade mal eine Handvoll Schulbücher mit Bildern über das Aussehen der Klitoris gibt. Als Konsequenz ließ sie eine Klitoris mit einem 3D-Drucker zu Lernzwecken herstellen.
Wie Fillod gegenüber dem britischen "Guardian" berichtet, solle den französischen Schülerinnen und Schülern mit dem Modell nahegebracht werden, wie unterschiedlich die sexuelle Anatomie bei Frauen und Männern sei. Es sei wichtig, dass Frauen sich ein Bild davon machen können, was in ihrem Körper passiert, wenn der auch als "Kitzler" bezeichnete Schwellkörper stimuliert werde.
"Das richtige Verstehen der Rolle der Klitoris hilft nicht nur Männern, sondern vor allem auch uns Frauen. Wir müssen aufhören, uns zu schämen oder uns abnormal zu fühlen, wenn wir alleine durch Vaginalverkehr nicht zum Höhepunkt kommen können", erklärt Fillod. Mit der 3D-Klitoris könne veranschaulicht werden, dass es aufgrund der weiblichen Anatomie oftmals einer Einbindung der Klitoris in den Sexualakt bedürfe, um eine Frau zum Orgasmus zu bringen. "Es ist auch wesentlich, zu wissen, dass das weibliche Äquivalent zum Penis nicht die Scheide, sondern die Klitoris ist. Frauen bekommen auch eine Erektion, wenn sie erregt sind, man sieht es nur nicht, weil der Großteil der Klitoris im Körper liegt", so Fillod.
Eingeführt wurde die Sexualaufklärung in französischen Schulen im Jahr 1973. Bis heute ist das Thema heiß umkämpft. 2011 entbrannte eine hitzige Debatte über die in Schulen gelehrte Sexualkunde und die differenzierte Beschreibung des biologischen Geschlechts beziehungsweise der gesellschaftlichen Konstruktion dessen. Konservative Politiker gingen auf die Barrikaden, als 2010 im Lehrplan für das neue Schuljahr ein Kapitel mit dem Titel "Mann oder Frau werden" eingeführt wurde. Wie das Thema aufbereitet wird, entscheiden die Schulbuchverlage selbst. Das neue Kapitel wurde erstellt, um Schülern im kombinierten Schulfach Biologie und Umwelt die Lehre von der gesellschaftlich konstruierten Sexualität näher zu bringen.