Panorama

Operation Platinum 800 Ermittler schlagen gegen die Mafia zu

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Der Handel mit Kokain soll in einem mehrere Länder umspannenden Netzwerk betrieben worden sein.

(Foto: picture alliance / Romain Fellens)

Jahrelang sind deutsche und italienische Ermittler dem 'Ndrangheta-Clan auf der Spur. Am Morgen durchsuchen Hunderte Beamte Dutzende Objekte. Im Gepäck haben sie mehr als 30 Haftbefehle.

Deutschlands und Italiens Anti-Mafia-Ermittler sind bei Großrazzien mit 800 Ermittlern gegen ein wohl der 'Ndrangheta zuzurechnendes Drogenhändler-Netzwerk vorgegangen. In Deutschland wurden drei Haftbefehle erlassen und ein Verdächtiger festgenommen, wie das Polizeipräsidium Ravensburg nach der konzertierten Aktion der Staatsanwaltschaften Turin und Konstanz mit dem Namen "Operation Platinum" mitteilte. In Italien wurden 30 Haftbefehle erlassen, da sich die meisten Beschuldigten Corona-bedingt dort aufgehalten haben.

An den Festnahmen und Durchsuchungen waren in Deutschland rund 500 Polizeibeamte und Steuerfahnder beteiligt, in Italien etwa 300. Den Beteiligten des 'Ndrangheta-Clans werfen die Ermittler neben dem Handel mit Hunderten Kilogramm Kokain auch Steuerhinterziehung vor. Gegen vier Hauptbeschuldigte ermittelt die Staatsanwaltschaft Turin außerdem wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer kriminellen Mafia-Organisation. Beschuldigt sind insgesamt mehr als 80 Personen in beiden Ländern. Vorausgegangen waren den Großrazzien "über drei Jahren intensiver Ermittlungsarbeit", wie das Polizeipräsidium mitteilte.

Bodenseeregion im Fokus der Ermittler

In Deutschland durchsuchten die Ermittler Wohn- und Geschäftsräume an 46, in Italien an 41 Orten. Beiden Aktionen von Süditalien bis Norddeutschland war die Region um den Bodensee ein Schwerpunkt. Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Beweismittel wie Datenträger, Mobilfunkgeräte, Geschäftsunterlagen, Drogen, Bargeld und Wertgegenstände sowie Vermögenswerte in einer Größenordnung von mindestens sechs Millionen Euro.

Die 'Ndrangheta gehört zu den mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt, besitzt längst aber auch ein Standbein in Deutschland. Beheimatet ist sie in der Region Kalabrien, der Spitze des italienischen "Stiefels". Sie dominiert den internationalen Drogenhandel, verdient ihr Geld aber auch mit Waffengeschäften, Geldwäsche, im Bausektor und in anderen Wirtschaftszweigen.

Das Polizeipräsidium zeichnete in einer ersten Mitteilung ein Bild von den Ermittlungserkenntnissen: Zum einen werde Kokain in großen Mengen aus den Niederlanden nach Italien transportiert und dort in den Handel gebracht. Dabei ergaben sich Hinweise auf direkte Kontakte zu kolumbianischen Drogenhändlern in den Niederlanden und Spanien, was der deutschen Ermittlerseite zufolge die große Menge des gehandelten Kokains erklären soll.

Ein zweites "Geschäftsmodell" der Gruppierung in Deutschland ist den Ermittlern zufolge die Umsatzsteuerhinterziehung in großem Stil. Dazu werden Lebensmittel aus Italien eingeführt und an italienische Restaurants und Lebensmittelhändler in ganz Deutschland direkt oder über Zwischenhändler geliefert. Dieser Handel habe einen erheblichen Umfang, Umsatzsteuern werden nicht entrichtet, die illegalen Gewinne nach Italien transferiert.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa/AFP

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