Panorama

Erster Fall in Brandenburg Afrikanische Schweinepest erreicht Deutschland

Der Verdacht hat sich bestätigt: In Brandenburg gibt es einen Fall der Afrikanischen Schweinepest. Einschränkungen für den Handel gebe es laut Landwirtschaftsministerin Klöckner aber nur für Betriebe in der betroffenen Region. Für Menschen ist die Seuche ungefährlich.

Die Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. Die Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen bestätigt, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner in Berlin mitteilte. "Der Verdacht hat sich leider bestätigt", sagte sie. "Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich", betonte die Ministerin. Vom Verzehr von möglicherweise kontaminiertem Fleisch gehe keine Gefahr für den Menschen aus.

Der Kadaver des Wildschweins war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt im Landkreis Spree-Neiße gefunden worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt, brachte den endgültigen Nachweis. Damit verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei".

Ein Maßnahmenplan soll laut Klöckner die Ausbreitung der Schweinepest verhindern. Dazu gehörten die Einschränkung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb des betroffenen Gebietes und Absperrungen, sagte sie. Außerdem gehe es um die Nutzung von Agrarflächen, die Suche nach verendeten Tieren und die Möglichkeit verstärkter Jagd durch Forstbeamte oder Berufsjäger.

"Es wird wichtig sein, das infizierte Gebiet möglichst schnell zu identifizieren, um dann entsprechend auch abgrenzen zu können", sagte Thomas Mettenleiter, Chef des Friedrich-Loeffler-Instituts(FLI). Es müsse analysiert werden, ob der Wildschweinkadaver ein Einzelfall sei oder ob sich die Infektion schon ausgebreitet habe. Das tote Tier habe offensichtlich schon einige Zeit an der Stelle gelegen. Er sei sehr vorsichtig, ob der Fall auf die Ausbreitung in Westpolen im vergangenen Jahr zurückgehe.

Sorge bei Schweinebauern

Die Ministerin warnte vor Panikmache mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen. "Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis", sagte sie. Nun gelte es festzustellen, ob es über den in Brandenburg entdeckten Kadaver hinaus eine Verbreitung in dem Gebiet gebe. Dann sei auch festzustellen, welche schweinehaltenden Betriebe es dort gebe. Ziel sei, das Geschehen einzugrenzen und einzudämmen. Sicherlich dürften nun Schweinehalter auch anderswo noch stärker in "Habacht-Stellung" sein. Sie würden aber jetzt nicht in ganz Deutschland für einen Fund in einem Landkreis "verhaftet".

*Datenschutz

Klöckner betonte, dass der Handel mit Schweinen und Schweinefleisch innerhalb der EU weitgehend aufrechterhalten werden könne - von Einschränkungen betroffen wären nicht Betriebe in ganz Deutschland, sondern nur in dem konkret betroffenen Gebiet. Nach Angaben des Ministeriums ist aber davon auszugehen, dass Schweinefleischexporte aus Deutschland besonders nach Asien weitgehend wegfallen dürften. Das Ministerium sei aber in Kontakt mit mehreren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regionale Beschränkungen zu vereinbaren, hieß es.

Bei Schweinebauern wächst jedoch die Sorge vor wirtschaftlichen Auswirkungen. "Ein ASP-infiziertes Wildschwein in Deutschland hat grundsätzlich Folgen für alle Schweinebauern in ganz Deutschland", sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Torsten Staack, der Deutschen Presse-Agentur. Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfielen, hänge maßgeblich davon ab, inwieweit Märkte geöffnet bleiben würden. "In Europa ist das klar der Fall. Bislang ist aber noch unklar, wie sich Abnehmer in Drittlandsmärkten - also insbesondere China - verhalten", so Staack.

Zwar sei der wichtigste Absatzmarkt für Schweinefleisch der deutsche Markt, betonte Staack. Es gebe aber auch wichtige Absatzmärkte in Drittländern, etwa in Asien. "Würde deutsches Fleisch für Asien gesperrt werden, könnten entsprechende Mengen nicht dorthin abfließen und hierfür müssten natürlich andere Absatzkanäle erschlossen werden. Das würde dann im Inland mit Sicherheit zu Preisdruck führen." Preisturbulenzen für die Schlachtbetriebe könnten die Folge sein. Die Schweinezüchter fordern, den Fokus auf die Eindämmung der Schweinepest zu legen.

Für Menschen ungefährlich

Der Deutsche Jagdverband forderte ein schnelles Handeln der Behörden. "Ganz wichtig ist, den Fundort schnellstmöglich zu isolieren", sagte der Verbandssprecher Torsten Reinwald der Deutschen Presse-Agentur. Maßnahmen müssten vor Ort eng mit Jägern und Landwirten erarbeitet und umgesetzt werden, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Für Menschen ist die Schweinepest ungefährlich. Für Haus- und Wildschweine hingegen ist sie tödlich. In Polen gibt es schon seit einiger Zeit Fälle der Afrikanischen Schweinepest. Im März wurde im Nachbarland ein daran gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt.

Brandenburg hatte in den Kreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in der Stadt Frankfurt (Oder) einen 120 Kilometer langen Elektroschutzzaun an der Grenze errichtet. Er soll Wildschweine aufhalten. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße ist geplant. Auch am sächsischen Grenzverlauf wurde ein Zaun gebaut. Für das Krisenmanagement sind die örtlichen Behörden zuständig. Als Ursache für die Verbreitung in Europa wird die illegale Entsorgung von Speiseabfällen vermutet, die den Erreger enthielten. Nach Angaben der EU-Komission hat es bis Anfang August in Europa bisher rund 8200 infizierte Wild- und Hausschweine gegeben.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa