Panorama

Kein Geld mehr fürs RestaurantAuch in Moskau kommt die Realität an - Wirtschaft in der Krise

19.02.2026, 15:47 Uhr
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Jekaterina Oreschkina steht vor ihrer geschlossenen Bäckerei in Moskau. Gestiegene Preise und höhere Steuern bedeuten das Aus für die Filiale. (Foto: REUTERS)

Lange hat Russland den zahlreichen westlichen Sanktionen getrotzt. Langsam bröckelt die russische Wirtschaft jedoch. In der Gastronomie zeigt sich dies inzwischen deutlich. Auch Lokalinhaber im wohlhabenden Moskau bleiben nicht verschont.

In der russischen Wirtschaft zeigen sich zunehmend Risse. Ein sichtbares Zeichen dafür ist eine Welle von Schließungen in der Gastronomie, die stärkste seit Beginn des Überfalls auf die Ukraine vor vier Jahren. Selbst in der wohlhabenden Hauptstadt Moskau kämpfen die Verbraucher inzwischen mit den wirtschaftlichen Folgen. Die leeren Ladenlokale von der Metropole bis ins 6500 Kilometer entfernte Wladiwostok am Pazifik deuten auf eine deutliche Abkühlung der 2,8 Billionen US-Dollar großen Volkswirtschaft hin. Diese hatte sich angesichts der weitreichenden westlichen Sanktionen bislang als überraschend robust erwiesen.

In der Bäckerei "BonCafe" im Südwesten Moskaus sind die Regale leer, die Espressomaschine schweigt. Die 39-jährige Besitzerin Jekaterina Oreschkina klagt: "Als wir eröffneten, haben wir nicht mit einem solchen Abschwung gerechnet", sagt sie. Für Oreschkina, die eine Kette solcher Cafés besitzt, war der traditionell schwache Januar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Kosten waren durch eine Kombination aus um 50 Prozent gestiegenen Zutatenpreisen, hoher Miete und höheren Steuern explodiert.

Sie schloss diese Filiale, hält ihre anderen Cafés aber offen. Ihre berühmte "Napoleon"-Torte, ein opulentes Dessert aus Blätterteig und Creme, kostet 2850 Rubel (31,50 Euro) pro Kilogramm. Viele Russen können oder wollen sich einen solchen Luxus nicht mehr leisten. Die Russen schränken ihre Ausgaben so stark ein wie seit Beginn der Ukraine-Invasion im Februar 2022 nicht mehr.

Russen auf Sparkurs

Daten der Sberbank, die als größte Bank Russlands einen umfassenden Einblick in die Wirtschaft hat, zeigen einen Rückgang der Gastronomiebetriebe. Dieser fiel im Januar so stark aus wie seit 2021 nicht mehr. Die Ausgaben für Restaurantbesuche fielen von November bis Anfang Dezember 2025 auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Untersuchungen der Zentralbank in allen elf Zeitzonen des Landes bestätigen den Trend: Die Verbraucher suchen nach billigeren Alternativen wie Fast-Food oder Fertiggerichten aus dem Supermarkt.

Unter der Führung eines Teams erfahrener Wirtschaftsbeamter unter Präsident Wladimir Putin hat Russland in den vergangenen vier Jahren trotz rund 24.000 westlicher Sanktionen ein höheres Durchschnittswachstum als die Eurozone verzeichnet. Hohe Zinsen, höhere Steuern, steigende Preise und ein Abschlag von 20 US-Dollar pro Barrel für russisches Öl fordern nun jedoch ihren Tribut. Das gilt selbst für die Wohlstandsinsel Moskau, einen Ballungsraum mit 22 Millionen Einwohnern. Schilder mit der Aufschrift "Zu vermieten" sind in den Geschäften der Hauptstadt inzwischen weit verbreitet.

Putin wies Ökonomen an, zu handeln

Der Absatz von neuen leichten Nutzfahrzeugen und Lastwagen, ein Indikator für den Zustand von Einzelhandel und Bauindustrie, sank 2025 um 38 Prozent auf 147.000 Fahrzeuge. Er ist in den ersten Wochen dieses Jahres weiter gefallen, wie die Agentur Autostat meldete. Die Regierung in Moskau ist sich der Probleme bewusst. Präsident Putin wies Anfang des Monats hochrangige Wirtschaftsbeamte an, den Wachstumskurs wiederherzustellen und die Preise nicht nur zu beobachten. Nur zehn Tage später senkte die Zentralbank die Zinsen von 16,0 auf 15,5 Prozent.

Russland prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, nach einem Prozent im Jahr 2025. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet hingegen nur mit einem Plus von 0,8 Prozent. Die hohen Kreditkosten treffen vor allem kleine Unternehmen und Verbraucher hart. "Da wir ein Handelsgeschäft sind, müssen wir ständig Kredite aufnehmen, neue Darlehen aufnehmen und alte refinanzieren", sagte Jelena Bannikowa, die Gründerin und Inhaberin des Kosmetikgeschäfts "VeroVika". "Die hohen Zinsen haben uns sehr stark getroffen. Der Refinanzierungssatz ist hoch, und eine Refinanzierung ist extrem schwierig, fast unmöglich geworden."

Quelle: ntv.de, Ekaterina Maksimova, rts

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