Fahrer nach Stunden gefasstAuto fährt in Menschenmenge bei Berliner CSD - ein Toter
Tausende Menschen feiern in Berlin den Christopher Street Day, als der Abend abrupt endet. Ein Auto fährt in den Tiergarten nahe der Hauptbühne und verletzt mehrere Menschen. Mindestens eine Person stirbt. Das Event wird evakuiert.
Das Programm des Christopher Street Days (CSD) in Berlin musste am Abend vorzeitig beendet werden. "Es ist hier ein Fahrzeug in den Tiergarten eingefahren, hat mehrere Personen angefahren und dabei verletzt", teilt die Polizei mit. Ein Mensch sei nach der Reanimation noch vor Ort verstorben. 15 weitere Personen werden von Rettungskräften behandelt, so ein Polizeisprecher. Nach Informationen von RTL/ntv konnte der Amokfahrer festgenommen werden.
Der Vorfall ereignete sich gegen 22 Uhr. Der Fahrer raste mit einem "weißen, kleinen Lieferfahrzeug" mit hoher Geschwindigkeit durch den Tiergarten. Der Amokfahrer verunfallte mit seinem Wagen bei der Flucht. Er sei ausgestiegen und weiter zu Fuß geflohen. Fotos im Internet zeigen einen weißen Transporter, der gegen einen Baum gestoßen war und deutliche Unfallspuren aufweist.
Für die Schwerverletzten, einige von ihnen schweben laut Polizei in Lebensgefahr, ist ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet worden. Mit Krankenwagen werden die Betroffenen vom Tiergarten zum Reichstag gefahren, wo Hubschrauber bereitstehen, die sie in Kliniken bringen. Die Rettungskräfte sprechen von einem "Massenanfall von Verletzten". Zu ntv sagt ein Feuerwehrsprecher, es gibt "mehr als zehn Verletzte", sie seien teilweise schwer verletzt. Mehr als 150 Kräfte der Berliner Feuerwehr seien im Einsatz.
Rund um den Tiergarten seien etwa 250 Zufahrtsschutzsperren aufgestellt gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Es sei deshalb besonders tragisch, dass es zu diesem Vorfall kommen konnte.
Wegner: "Freiheit aufs Schrecklichste angegriffen"
"Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden", sagt der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner, der am Tag selbst am CSD teilnahm. "Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft - nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert", so Wegner auf X. Er selbst verschaffte sich vor Ort einen Überblick über die Situation und sprach kurz nach Mitternacht zur Presse. Er vertraue auf die Polizei, dass sie den Täter ermittelt und fasst, sagte er. "100 Prozent Sicherheit kann es nie geben."
"Der Bundeskanzler wird laufend informiert und ist mit Innenminister Dobrindt im engsten Kontakt. Seine Gedanken sind bei den Opfern", sagte ein Sprecher des Bundeskanzlers der "Berliner Morgenpost".
"Es gab kaum Security und Sicherheitsvorkehrungen. Das hat mich zum Aufbrechen bewogen", sagte TV-Sternchen Kader Loth zu RTL und ntv. "Ich habe mich einfach nicht geschützt genug gefühlt." Sie sei mit den Menschenmassen "von der Siegessäule zum Brandenburger Tor gelaufen und habe kaum Polizei und Security gesehen", sagte sie weiter. "Meine Gedanken gelten den Geschädigten und Angehörigen."
Der CSD-Veranstalter und die Polizei evakuierten nur Minuten nach dem Vorfall den Bereich vor der Bühne am nahegelegenen Brandenburger Tor "aufgrund einer schwierigen Situation". Teilnehmer wurden aufgefordert, "ruhig und geordnet" nach Hause zu gehen, schrieben die Veranstalter auf ihren Profilen in sozialen Netzwerken. "Bitte meidet die Siegessäule und den Tiergarten."
Zuvor feierten hunderttausende Menschen in der Bundeshauptstadt den erstmals über zwei Tage gehenden CSD. Unter dem Motto "Haltung ist hot" führte ein riesiger Demonstrationszug durch das Zentrum der Hauptstadt. Bis zum Nachmittag zog die Polizei ein positives Fazit. Wie das Fest am Sonntag weitergefeiert wird, ist noch offen.
