Panorama

Fahrer weiter auf der FluchtAuto fährt in Menschenmenge bei Berliner CSD - eine Tote

25.07.2026, 22:35 Uhr
00:00 / 06:36
Video poster

Hunderttausende Menschen feiern in Berlin den Christopher Street Day. Der Abend endet abrupt. Ein Auto fährt in den Tiergarten nahe der Hauptbühne und verletzt mehrere Menschen. Mindestens eine Frau stirbt.

Das Programm des Christopher Street Days (CSD) in Berlin musste am Abend vorzeitig beendet werden. "Es ist hier ein Fahrzeug in den Tiergarten eingefahren, hat mehrere Personen angefahren und dabei verletzt", teilte die Polizei mit. Eine Frau sei nach der Reanimation noch vor Ort verstorben. 16 weitere Personen werden von Rettungskräften behandelt, so ein Polizeisprecher. "Wir fahnden mit Hochdruck nach tatverdächtigen Personen."

Der Vorfall ereignete sich gegen 22 Uhr an der Straße Ahornsteig. Der Fahrer raste mit einem "weißen, kleinen Lieferfahrzeug" mit hoher Geschwindigkeit durch den Tiergarten. Er sei ausgestiegen und zu Fuß geflohen. Fotos im Internet zeigen einen weißen Transporter, der gegen einen Baum geprallt war und deutliche Unfallspuren aufweist.

Der Polizeisprecher sagte weiter, es gebe unterschiedliche Aussagen zur Anzahl der Täter. "Deshalb haben wir uns sehr breit aufgestellt", so der Beamte. In welcher Spanne die Angaben sich bewegten, sagte er jedoch nicht.

In der Nacht teilte die Polizei mit, dass ein Verdächtiger identifiziert wurde: Sie fahndet öffentlich nach dem 21-jährigen Abdul B. "Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet", sagte der Polizeisprecher. Die Polizei warnt eindringlich davor, den möglicherweise bewaffneten Mann anzusprechen. Direkter Kontakt solle vermieden, stattdessen die Polizei unter 110 gerufen werden.

Die Polizei ermittelt zudem, ob es eine "zweite Tatphase" gab. Zeugen meldeten sich, dass sie Stichwunden erlitten hätten. Möglich ist, dass der Fahrer nach seinem Unfall mit einem Messer oder ähnlichem Gegenstand auf CSD-Teilnehmer eingestochen hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass es weitere Täter gab.

Die Polizei sucht Zeuginnen und Zeugen des Vorfalls. Diese werden gebeten, Hinweise, vor allem aber selbst aufgenommene Fotos oder Videos zum Tatgeschehen, über das Hinweisportal den Ermittlern zur Verfügung zu stellen.

Einige Schwerverletzte schweben laut Polizei in Lebensgefahr. Für sie wurde unweit des Tiergartens ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, um sie in Krankenhäuser zu bringen. Die Rettungskräfte sprachen von einem "Massenanfall von Verletzten".

Rund um den Tiergarten seien etwa 250 Zufahrtsschutzsperren aufgestellt gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Es sei deshalb besonders tragisch, dass es zu diesem Vorfall kommen konnte. Der Park wurde für die Spurensicherung gesperrt. Ein Großaufgebot der Polizei sucht nach Hinweisen zu dem oder den Flüchtigen.

Wegner: "Freiheit aufs Schrecklichste angegriffen"

"Berlin ist die Stadt der Freiheit - und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden", sagte der Regierende Bürgermeister Berlins, Kai Wegner, der am Tag selbst am CSD teilnahm. "Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft - nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert", so Wegner. Er selbst verschaffte sich vor Ort einen Überblick über die Situation und sprach kurz nach Mitternacht zur Presse. Er vertraue auf die Polizei, dass sie den Täter ermittelt und fasst, sagte er. "100 Prozent Sicherheit kann es nie geben."

"Der Bundeskanzler wird laufend informiert und ist mit Innenminister Dobrindt im engsten Kontakt. Seine Gedanken sind bei den Opfern", sagte ein Sprecher des Bundeskanzlers der "Berliner Morgenpost". Merz sprach seinem Sprecher zufolge von einer "abscheulichen Tat".

"Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt laut Mitteilung. "Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden."

Der CSD-Veranstalter und die Polizei evakuierten nur Minuten nach dem Vorfall den Bereich vor der Bühne am nahegelegenen Brandenburger Tor "aufgrund einer schwierigen Situation". Teilnehmer wurden aufgefordert, "ruhig und geordnet" nach Hause zu gehen, schrieben die Veranstalter auf ihren Profilen in sozialen Netzwerken. "Bitte meidet die Siegessäule und den Tiergarten."

Zuvor feierten Hunderttausende Menschen in der Bundeshauptstadt den erstmals über zwei Tage gehenden CSD. Unter dem Motto "Haltung ist hot" führte ein riesiger Demonstrationszug durch das Zentrum der Hauptstadt. Bis zum Nachmittag zog die Polizei ein positives Fazit. Die für Sonntag geplanten Aktionen wurden aufgrund der Vorkommnisse ersatzlos abgesagt.

Quelle: ntv.de, mpa/chr

BerlinPolizeiAmokläufeLGBTQIA+Anschlag auf den CSD in Berlin