Panorama

Erstmals seit neun Jahren Castortransport fährt wieder gen Deutschland

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Ein Castorbehälter im hessischen Atomkraftwerk Biblis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Über die Zwischenlagerung von giftigem Atommüll wird fortwährend diskutiert. Zum ersten Mal seit einem knappen Jahrzehnt sind nun wieder Castoren aus dem Ausland unterwegs in die Bundesrepublik. Atomkraftgegner kündigen Proteste entlang der Route an.

Ein Schiff mit sechs Castoren voll hochradioaktivem Atommüll aus der Aufarbeitung deutscher Reaktorbrennelemente ist nach Angaben von Atomkraftgegnern auf dem Weg nach Deutschland. Der Transport sei am Dienstagabend im britischen Barrow-in-Furness gestartet und werde in etwa drei bis vier Tagen im niedersächsischen Hafen Nordenham erwartet, teilte das Aktionsbündnis Castor-Stoppen.de mit. Die sechs Castoren sollen dann per Bahn in ein Zwischenlager am hessischen Atomkraftwerk Biblis gebracht werden.

Dem Aktionsbündnis zufolge könnte der Schienentransport je nach zeitlichem Ablauf zwischen Sonntag und Dienstag erfolgen. Die Gruppe, in der diverse Anti-Atom-Initiativen zusammengeschlossen sind, plant entlang der Strecke Demonstrationen und Mahnwachen. Der Transport soll demnach über Bremen, Köln und Göttingen bis nach Biblis am Rhein nördlich von Mannheim geleitet werden.

Der Atommüll stammt aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen in der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield, die Bundesrepublik ist vertraglich zur Rücknahme verpflichtet. Es handelt sich um den ersten Castortransport in Deutschland seit neun Jahren. Laut Atomkraftgegnern sind in den kommenden Jahren bis 2024 noch vier weitere derartige Transporte geplant.

Regierung stemmt sich gegen Verschiebung

Ursprünglich sollte der Castortransport bereits im Frühjahr stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Die niedersächsische Landesregierung hatte sich dafür eingesetzt, den Transport erneut zu vertagen. Auch Polizeigewerkschaften hatten dies gefordert. Die Bundesregierung hielt jedoch am Termin fest.

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2002 wurde beschlossen, den Atommüll aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland nicht mehr länger zentral in ein Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben zu bringen. Die Transporte zu dem hochumstrittenen Standort wurden regelmäßig von tagelangen, teils gewaltsamen Protesten begleitet. Stattdessen wurde beschlossen, die restlichen Castoren auf Zwischenlager zu verteilen, die zwischenzeitlich an deutschen Kraftwerken entstanden.

Die Zwischenlager direkt an den Kraftwerken wurden eingerichtet, um die abgebrannten Brennelemente aus deren Reaktoren aufzunehmen. Die Wiederaufarbeitung von Brennelementen ist in Deutschland seit 2005 verboten, seitdem werden daher keine Brennelemente mehr in die entsprechenden Fabriken in Großbritannien sowie Frankreich geschickt. Die noch verbliebenen Transporte dienen der Rücknahme des radioaktiven Mülls aus früheren Wiederaufarbeitungsaufträgen.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP

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