Politik

Suche nach Endlager Gorlebens frühes Aus sorgt für Kritik

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Jahrzehntelang stemmte sich die Anti-Atomkraftbewegung gegen das nukleare Zwischenlager in Gorleben.

(Foto: dpa)

Wohin mit dem Atommüll? Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands kommt als Standort für ein Endlager in Frage. Gorleben ist nicht dabei. Die Bundesbehörde für nukleare Entsorgung hält das für einen Fehler.

Das frühe Ausscheiden des Salzstocks Gorleben aus der Suche nach einem Atommüll-Endlager ist auf Kritik beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung getroffen. "Meine Sorge ist, dass diese Entscheidung das weitere Verfahren nicht erleichtert, sondern belastet", sagte Präsident Wolfram König der "Süddeutschen Zeitung".

Zwar sei für ihn nicht überraschend, dass Gorleben in einem vergleichenden Verfahren keine Chance habe. "Dass Gorleben aber schon im ersten Schritt rausgefallen ist, noch vor einer Beteiligung der Öffentlichkeit, halte ich für problematisch", sagte König. "Wir erleben jetzt, dass mit dem frühen Ausscheiden Gorlebens versucht wird, Zweifel am Verfahren zu nähren, an seiner Wissenschaftlichkeit."

Ende September hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mitgeteilt, dass große Teile Deutschlands für ein Atomendlager nach geologischen Kriterien grundsätzlich geeignet sind - der lange heftig umkämpfte Salzstock Gorleben aber ist nicht darunter. Als Grund wurden geologische Mängel genannt. In den 70er Jahren hatte die Politik die Entscheidung getroffen, im Salzstock Gorleben ein Endlager einzurichten, dies hatte jahrzehntelange Proteste ausgelöst. Nach langem Ärger war die Endlager-Suche komplett neu gestartet worden.

Zweifel an der Begründung

Kritik am Verfahren kam vor allem aus Bayern. Ministerpräsident Markus Söder hatte moniert, dass der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren herausgenommen wurde. Nach dem Gesetz sei die Auslese endgültig, "ohne jeden Diskurs", sagte König der Zeitung. "In der jetzt beginnenden förmlichen Beteiligung wird die BGE auf die Fragen zu Gorleben überzeugende Antworten liefern müssen."

An diesem Wochenende findet die erste sogenannte "Fachkonferenz" zur Standortsuche statt, coronabedingt rein virtuell. Dabei gehe es zunächst nicht um eine hochspezialisierte inhaltliche Diskussion, sagte König. Alle Beteiligten sollten sich erst einmal mit dem Verfahren vertraut machen, das schrittweise Regionen und Standorte eingrenzen soll. "Am Ende werden wenige Standortregionen übrig bleiben, in denen dann viel detaillierter diskutiert werden kann, in denen Betroffene auch dabei unterstützt werden, eigenen Sachverstand aufzubauen."

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, der Bundestag entscheidet darüber. Ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Quelle: ntv.de, ino/dpa