Panorama

Französischer Billig-Brüste-Skandal Chemikalien im Silikon gefunden

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Rita de Martino zeigt die Billig-Implantate, die sie sich aus der Brust entfernen lassen musste. In der rechten Hand hat sie ein intaktes Implantat. Im Februar 2011 platzte das Implantat in ihrer linken Brust.

(Foto: REUTERS)

Seit Bekanntwerden des Brustimplantate-Skandals sorgen sich weltweit zehntausende operierte Frauen um ihre Gesundheit. Die Schreckensmeldungen hören nicht auf. Nun weisen Experten auch noch Industriechemikalien in den Silikonkissen der Billig-Brustimplantate nach. Lieferant des Industrie-Silikon war der deutsche Chemikalienhändler Brenntag.

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Mittlerweile gibt es 20 offiziell registrierte Krebsfälle bei Frauen, denen PIP-Brustimplantate eingesetzt wurden.

(Foto: AP)

Die Billig-Brustimplantate der französischen Firma PIP, die für Entzündungen und teils sogar für Krebsfälle verantwortlich gemacht werden, enthalten einem Radiobericht zufolge auch Industriechemikalien. In den Silikonkissen seien der Schmierstoff Baysilone, ein Erdölprodukt, sowie die Stoffe Silopren und Rhodorsil gefunden worden, die in der Kautschuk-Industrie zum Einsatz kämen, berichtete der französische Radiosender RTL.

Die französische Arzneimittelaufsicht Afssaps habe gewusst, dass es sich um ein "gepanschtes Gel" handele, das eher in der Nahrungsmittel- und Computerindustrie eingesetzt werde, sagte der medizinische Berater einer Vereinigung von Frauen mit PIP-Implantaten, Dominique-Michel Courtois. Er hob aber hervor: "Man konnte nicht ahnen, dass das Gel Schmierstoffe enthält." Die Prothesen, die den Frauen entnommen würden, müssten deshalb direkt untersucht werden.

Lieferant des Industrie-Silikon war der deutsche Chemikalienhändler Brenntag. "Wir haben das Produkt an PIP geliefert und sind mit den französischen Gesundheitsbehörden in Kontakt", sagte ein Brenntag-Sprecher. Es habe sich um ein unter dem Namen "Baysilone" bekanntes Material gehandelt, das etwa als Dichtungsmasse in der Baubranche eingesetzt werde. Darüber hinaus wollte sich der Sprecher nicht äußern.

PIP-Gründer zeigt sich unbeeindruckt

Der Anwalt des PIP-Gründers Jean-Claude Mas versicherte, die Bestandteile kämen beispielsweise auch in der Schönheitsindustrie vor. Auch Hautcremes können Erdölprodukte wie Silikone enthalten.

Die 2010 aufgelöste Firma PIP hatte weltweit hunderttausende mit einem Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate verkauft. Das von der Firma selbst hergestellte Gel wird für Entzündungen und von den Opfern auch für Krebsfälle verantwortlich gemacht. In einem bisher einzigartigen Aufruf empfahlen die Behörden rund 30.000 Frauen in Frankreich, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen. Nach jüngsten Angaben der Afssaps sind inzwischen 20 Frauen mit PIP-Implantaten an Krebs erkrankt. Einen Beweis für einen Zusammenhang zu den Silikonkissen gibt es aber nicht. Auch Frauen in Deutschland tragen die Einlagen, offizielle Zahlen liegen aber nicht vor.

Quelle: ntv.de, AFP/rts