Panorama

Es bleibt knackig kalt Der starke Dieter sorgt für Superfrost

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Eisschollen auf der Spree in Berlin

(Foto: dpa)

Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Die Kälte wird nicht weichen. n-tv Meteorologe Björn Alexander rechnet damit, dass die Temperaturen in den kommenden Tagen noch weiter sinken.

n-tv.de: Björn, letzte Woche wollten wir es gar nicht so richtig glauben. Aber du hattest recht: Es ist richtig kalt geworden.

Björn Alexander: Ja und das ist erst der Anfang. Denn die Talsohle ist noch nicht erreicht. Grund für die Frostverschärfung ist ein sehr starkes Hoch. Mit etwa 1065hPa liegt es über dem Nordwesten Russlands. Bislang wurde es von der Freien Universität Berlin, die bei uns für die Benennung der Druckgebilde verantwortlich ist, mit dem Namen "Cooper" geführt. Heute allerdings wird das alte Hoch durch ein neues ersetzt und folglich geht es bei der Namensvergabe eine Position nach vorn und das Hoch heißt dann "Dieter". Ist übrigens wirklich ein starkes Hoch. Zum Vergleich: der Normwert für den Luftdruck unter Laborbedingungen ist bei circa 1013hPa, der höchste in Deutschland je gemessene Luftdruck liegt bei knapp 1060hPa und der höchste weltweit ermittelte ist knapp 1084hPa. Letzterer Rekord wurde übrigens Ende der 1960er-Jahre in Sibirien gemessen. Und über Sibirien müssen wir an dieser Stelle leider auch sprechen.

Das klingt jetzt schon kalt...

Und das wird es wirklich werden. Also: ausgehend von diesem recht ortsfesten Hoch über dem Nordwesten Russlands wird zunehmend trockenere und kältere Luft zu uns gelenkt. Ursprünglich kommt diese trocken-eisige Festlandsluft eben aus Sibirien. Das ist eine hochwinterliche Wetterlage und dementsprechend wird sich die Frostsituation in den nächsten Tagen bzw. Nächten weiter verschärfen.

Auf was müssen wir uns einstellen?

Die letzten Reste der feuchteren und wolkigeren Luft im Süden und Südwesten werden nun auch bald abgedrängt und somit wird es tagsüber – mal abgesehen von den Nebel- oder Hochnebelecken - zwar überall sonniger, aber auch immer eisiger. Am Mittwochmorgen werden die kältesten Werte über Schnee und unter den Aufklarungen bei etwa minus 10 bis 20 Grad liegen. Ansonsten sind es oft minus 5 bis minus 11 Grad. Etwas milder dürfte es nur in den Bereichen sein, wo der Wind vom Wasser her kommt. Denn Nord- und Ostsee haben derzeitig Temperaturen um drei bis fünf Grad. Das bremst den Frost aus und sorgt für etwas mildere minus 1 bis minus 4 Grad. Grundsätzlich wird das Kälteempfinden durch den schneidenden Ost- bis Nordostwind allerdings nochmals verschärft. Die gefühlte Temperatur, der sogenannte Windchill, liegt am Mittwoch früh verbreitet bei minus 9 bis minus 17 Grad, auf den Bergen sogar noch darunter. Auch die Wind- und Wettercremes sollten also spätestens jetzt wieder ins Handgepäck bzw. ins Gesicht gehören.

Noch einmal zum "Windchill”: Wie wird der gemessen?

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Das Eselsburger Tal in der Schwäbischen Alb

(Foto: dpa)

Der Windchill ist ein Wert, der selber gar nicht gemessen werden kann. Er wird aus der Temperatur und der Windgeschwindigkeit berechnet und ist damit natürlich auch ein relativer Wert, der das Kälteempfinden zu beschreiben versucht. Dabei geht es darum, dass der Wind die wärmende Luft um den Körper herum wegweht und dass dieser Wärmeverlust vom Körper wiederum ersetzt werden muss. Je stärker der Wind ist, umso höher ist der Wärmeverlust und umso kälter empfinden wir es. Die gefühlte Temperatur ist natürlich ein subjektiver Wert. Aber er kann helfen, Erfrierungen, gerade bei Kindern, vorzubeugen.

Damit zurück zu den Aussichten. Wird es noch kälter?

Ja, und zwar am Donnerstagmorgen. Dann dürften die Temperaturen sich oft zwischen minus 11 und minus 18 Grad bewegen. Etwas weniger frostig ist es vielleicht noch in den tieferen Lagen in der Westhälfte sowie im äußersten Norden, dort "nur" so um die minus 5 bis minus 10 Grad. Die gefühlten Temperaturen liegen dann meistens bei minus 12 bis minus 20 Grad. Auf den exponierten Lagen natürlich nochmals darunter.

Und wo?

Das sind Stellen auf dem Brocken, dem Fichtelberg, der Zuspitze, dem Feldberg oder der Wasserkuppe mit um die minus 30 bis minus 34 Grad. Aber auch die minus 15 bis minus 18 Grad in Berlin oder die minus 10 bis minus 15 Grad im Ruhrgebiet sind natürlich schon recht heftig.

Dafür wird es tagsüber aber sonnig, oder?

Björn Alexander n-tv Wetter

Björn Alexander

Bis einschließlich Freitag im Prinzip schon. Allerdings gibt es auch ein paar Ausnahmen. Und die liegen im Süden mit ein paar dichteren Wolken, aber nicht gänzlich unfreundlichem Wetter, im Bereich Thüringer Becken, wo sich der Hochnebel schon mal sehr zäh halten kann und im Nordosten. Dort können sich zwischenzeitlich schon mal einzelne Schneeschauer reinmogeln, die jedoch am Donnerstag von der Ostsee her wahrscheinlich häufiger und kräftiger ausfallen. Größere Neuschneemengen mit Schneeverwehungen sind aus heutiger Sicht nicht auszuschließen. Und selbst im Westen könnte es am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag in den tieferen Lagen Schneeschauer geben, so dass es am Wochenende nicht nur kalt, sondern verbreitet auch winterlich weiß weitergeht. Dabei bleibt es ab Mittwoch bis mindestens Sonntag überall dauerfrostig mit Tageshöchstwerten zwischen minus zwei und minus 12 Grad.

Ab Samstag ist es dann wolkiger?

Momentan sieht es so aus, als ob sich aus mehr Gewölk stellenweise noch etwas Schnee dazugesellt. Wo genau, ist leider noch unsicher. Ziemlich sicher aber ist, dass es erst einmal winterlich weitergeht. Die ersten 14 Tage im Februar dürften – nach derzeitigem Stand – eher noch winterlich bleiben, auch wenn sich die extreme Kälte ab der Mitte der kommenden Woche wieder aus unseren Breiten verabschieden könnte. Wohlgemerkt "könnte", denn die Unsicherheiten bei längeren Modellprognosen sind natürlich oft recht groß. Und außerdem kann sich eine stabile Großwetterlage bei uns – je nach Jahreszeit und allgemeiner Strömungssituation auf der Nordhalbkugel – durchaus sechs bis acht Wochen halten.

Quelle: ntv.de

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