Panorama

"Unanständige Akte" Der tiefe Fall des Mosche Katsav

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Mosche Katsav muss mit einer langen Haftstrafe rechnen.

(Foto: AP)

Israels ehemaliger Präsident Mosche Katsav hatte zu hoch gepokert. Anstatt eine außergerichtliche Übereinkunft zu unterschreiben, ließ er es auf einen Prozess wegen Vergewaltigung ankommen. Nun sprechen ihn die Richter in allen Punkten der Anklage schuldig.

Wilde Szenen spielten sich auf der Ministeretage im Jerusalemer Tourismusministerium und dann sogar im Präsidentenpalais ab. "Erst versuchte er sie zu umarmen. Sie wehrte sich und stürzte im Gerangel auf den Boden." So beschrieb der Richter George Kara im Saal 606 des Gerichts in Tel Aviv, was da der der vormals Erste Bürger des Staates Israel, der ehemalige Präsident Mosche Katsav, getan hat.

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Er soll sich regelmäßig an Frauen vergriffen haben.

(Foto: AP)

Seit Donnerstag Morgen entfällt das Wort "mutmaßlich". Denn nach drei Jahren Gerichtsverhandlungen hinter verschlossenen Türen wurde jetzt das verkündet. "Schuldig in allen Punkten der Anklage", lautet der Beschluss der drei Richter. In zwei Fällen wurde der im Iran geborene Katsav wegen Vergewaltigung überführt und wegen "unanständigen Akten mit Gewaltanwendung". Die Richter hatten den Untergebenen im Tourismusministerium A., H. und J. vollen Glauben geschenkt. Ein Alibi des Präsidenten stellte sich als "falsch" heraus. Einen vermeintlichen Liebesbrief von einer der Klägerinnen soll ihr Katsav in die Feder diktiert haben. Die Anwälte des Präsidenten sollen das Verfahren "heimtückisch" geführt haben.

Noch steht nicht fest, ob Katsav ins Gefängnis muss, wo er sich zu einem ehemaligen Finanzminister und einem Ex-Minister der frommen Schasspartei gesellen könnte, die wegen Korruption hinter Gittern sitzen. Das Strafmaß muss erst noch festgesetzt werden. Bis dahin muss Katsav jedoch seinen Pass abgeben und darf das Land nicht verlassen.

"Gewalttätiger Sexualverbrecher"

In den Medien wird Mosche Katsav als "serieller, brutaler und gewalttätiger Sexualverbrecher" dargestellt, der sich regelmäßig an seinen weiblichen Untergebenen vergriffen hatte. Einige Klagen aus früheren Zeiten wurden wegen Verjährung nicht mehr zugelassen. Doch auch die jüngsten Attacken von Katsav auf die Frauen, während der Mittagspause im Präsidentenpalais, im Hotel oder in Privatwohnungen, gelten jetzt als "nachgewiesen".

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Katsav versucht den Prozess als Hexenjagd darzustellen.

(Foto: REUTERS)

Dorit Beinisch, die Vorsitzende des Obersten Gerichts, reagierte auf die Urteilsverkündung: "Es ist ein trauriger Tag für den Staat Israel, an dem ein ehemaliges Staatsoberhaupt wegen Verbrechen verurteilt wird. Aber es ist auch ein großer Tag für die Demokratie Israels, in der niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal der Staatspräsident. Es zeigt, dass Polizei und das Gerichtswesen Recht und Ordnung durchsetzen können." Katsavs Nachfolger, der jetzige Staatspräsident Schimon Peres erklärte: "Der Prozess beweist, dass alle Bürger Israels von dem Gesetz gleich sind."

Mosche Katsav hatte den Prozess selber in Gang gesetzt und musste deshalb vorzeitig den Posten des Staatspräsidenten räumen. Es begann mit einer Beschwerde des Präsidenten bei der Polizei wegen einem angeblichen Erpressungsversuch durch eine der Klägerinnen. Das war im Juli 2006. Einen Monat später jedoch wurde Katsav von der Polizei wegen mutmaßlicher Sexualvergehen verhört, darunter gewaltsamer Vergewaltigung an Untergebenen.

Zunächst versuchte Katsav, sich zu rechtfertigen und griff die Medien wegen einer Vorverurteilung an. Er führte sogar rassistische Argumente an. Weil er Orientale sei, sei er zum Opfer einer Hexenjagd geworden. Im Juni 2007 begisg Katzav seinen wohl schwersten Fehler im Rahmen des Prozesses gegen ihn. Er verweigerte die Unterschrift unter eine außergerichtliche Übereinkunft, wie sie im britischen Recht üblich ist. Darin sollte er einer Gefängnisstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe zustimmen. Doch Katsav beschloss, vor Gericht weiter um seine "Unschuld" zu kämpfen. Mit dem am Donnerstag verlesenen Urteil ist er auf der ganzen Linie gescheitert.

Quelle: n-tv.de

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