Panorama

Rückholaktion weiter blockiert Deutsche rufen in Neuseeland um Hilfe

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Die mit Air New Zealand geplanten Rückholflüge der Bundesregierung aus Neuseeland verzögern sich weiter.

(Foto: imago images/PA Images)

Die Rückholaktion der Bundesregierung erweist sich in Neuseeland weiter als große Herausforderung. Noch immer sitzen dort Tausende Deutsche wegen der rigorosen Corona-Politik des Inselstaates fest. Immer mehr äußern ihren Unmut.

Für die mehr als 12.000 in Neuseeland festsitzenden Deutschen ist weiter keine Entspannung in Sicht. Die Regierung des Inselstaates hat den Stopp ausländischer Rückholflüge auf unbestimmte Zeit verlängert - und damit die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr in die Heimat vorläufig zunichtegemacht. Weil die politische Diplomatie inmitten der Coronavirus-Krise offenbar an ihre Grenzen stößt, wenden sich immer mehr gestrandete Urlauber verzweifelt an die Öffentlichkeit, per Petition und in sozialen Netzwerken.

Zu den gestrandeten Deutschen gehören Juliane und Fabian. Das Paar aus Köln befindet sich seit Mitte Februar in Neuseeland, um dort mit seinem elf Monate alten Kind die Elternzeit - und die schönste Zeit seines Lebens - zu verbringen. Nun wollen die 32-Jährige und der 31-Jährige nur noch weg. "Wir fühlen uns hilflos ausgeliefert", sagt Juliane im Gespräch mit ntv.de.

Seit Beginn der Corona-Krise hat sich das Paar um eine schnelle und vorzeitige Ausreise bemüht. Auch "aus Sorge um unser Kind", erzählt Juliane ntv.de. Nun harren sie bereits mehr als zwei Wochen in Auckland aus. Ursprünglich hatte die neuseeländische Regierung eine Lösung bis 31. März für das Problem angekündigt. Zuvor hatte die Bundesregierung mit der lokalen Fluggesellschaft Air New Zealand sogar einen Vertrag für deutsche Rückführungsflüge geschlossen. Doch daraus wird nichts. Der vorläufige Stopp von Rückführungsflügen werde über den 31. März hinaus verlängert, erklärte die deutsche Botschaft in Wellington via Facebook unter Berufung auf das neuseeländische Außenministerium. "Für wie lange, wurde nicht gesagt", heißt es.

Diese Ungewissheit und die mangelnde Informationspolitik zehren laut Juliane und Fabian an den Nerven vieler Deutscher, die zu Tausenden in Auckland und Christchurch in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen ausharren. "Es ist nicht nur eine mentale, sondern auch eine finanzielle Belastung", sagt Fabian. Insbesondere für die vielen Familien unter den Gestrandeten wird die Lage immer prekärer. Zwar gebe es die Möglichkeit, weiterhin einzukaufen, doch lange könnten sich die meisten keine Hotelunterbringung leisten. Deshalb haben Juliane und Fabian einen offenen Brief auf Facebook an Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern und örtliche Medien verfasst. "Wir wollen Aufmerksamkeit für uns und die Situation Tausender Deutscher schaffen", sagt Fabian.

Andere gestrandete Deutsche haben Online-Petitionen ins Leben gerufen, um auf das Schicksal der Urlauber am anderen Ende der Welt aufmerksam zu machen. Zu den mit mehr als 5000 Unterzeichnern reichweitenstärksten Eingaben zählt die Petition "Take us home to Germany", die sich an das Bundesaußenministerium richtet. Das Auswärtige Amt war bis Dienstagmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Montag hatte ein Sprecher von Minister Heiko Maas erklärt, dass das Außenamt um die Vielzahl an ausreisewilligen Deutschen in Neuseeland wisse. "Wir arbeiten daran, dass wir diese Rückholaktion hoffentlich bald fortsetzen können", sagte er und verwies darauf, dass dort "keine unmittelbare Gefahr" bestehe.

Wut und Verzweiflung

Die Betroffenen in Neuseeland reagieren fassungslos. Auf Twitter und auf Facebook finden sich zahlreiche empörte Kommentare. "Bitte holen Sie uns hier endlich raus! Alle hier Gestrandeten sind mit den Nerven am Ende! Das Geld wird knapp! Will uns die neuseeländische Regierung dafür bestrafen, dass wir hier Urlaub machen wollten!", twittert eine Nutzerin ans Auswärtige Amt. Andere äußern sich enttäuscht über ein ergebnisloses Telefonat, das Außenminister Maas am Montag mit seinem Amtskollegen in Wellington geführt hatte. Manche werfen der neuseeländischen Regierung gar Böswilligkeit vor. "Die warten noch so lange, bis die ersten Kinder in den Hostels und Hotels infiziert sind, dann geht gar nichts mehr", schreibt ein Nutzer auf Facebook.

Laut Juliane und Fabian haben sich viele Deutsche mittlerweile in Chats bei Diensten wie Whatsapp vernetzt, um sich auszutauschen. Auch auf Facebook gibt es eine Gruppe mit rund 1000 Betroffenen. "Uns geht es darum, endlich einen Plan und damit Gewissheit zu haben", sagt Fabian. Für die Sicherheitsmaßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen haben er und seine Frau Verständnis. "Das ist in Deutschland ja auch so", sagt Juliane. "Aber warum blockieren sie unsere Ausreise? Noch belasten wir das neuseeländische Gesundheitssystem nicht."

Offiziell begründet Neuseeland den Ausreisestopp als Teil des landesweit geltenden Reiseverbotes. Demnach soll ein Strategieplan einen koordinierten Transport aller Urlauber zu den internationalen Flughäfen Auckland und Christchurch ermöglichen und somit Gesundheitsrisiken deutlich minimieren. In sozialen Netzwerken monieren viele jedoch, dass die meisten Ausreisewilligen bereits in Flughafennähe ausharren.

*Datenschutz

Die Hoffnungen auf eine schnelle Ausreise aus dem Paradies dürften seit Dienstagmorgen allerdings erneut deutlich geschrumpft sein. Auf einer Pressekonferenz hatte Premierministerin Ardern erklärt, dass die neuseeländische Regierung weiter an Rahmenbedingungen für Rückholflüge arbeite. Die deutsche Botschaft erklärte auf Facebook, die Wiederaufnahme der Flüge werde laut ihren Informationen "einige Tage" dauern.

Quelle: ntv.de