Panorama

Kritik an später Reaktion Deutschland schickt Feuerwehr nach Griechenland

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17 Fahrzeuge und 52 Einsatzkräfte sollen von Bonn nach Griechenland verlegt werden.

(Foto: imago images/photothek)

Seit Beginn der Brandkatastrophe am Mittelmeer haben mehrere Staaten um deutsche Hilfe gebeten. Doch das, was die Länder am dringendsten brauchen, hat Deutschland nicht: Löschflugzeuge. Nun bereiten sich Hunderte Einsatzkräfte darauf vor, die griechische Feuerwehr auf dem Land zu unterstützen.

Nachdem zahlreiche Staaten bereits Helfer für den Kampf gegen die Flammen im Süden Europas geschickt haben, bereitet auch die Bundesregierung den Einsatz deutscher Feuerwehrkräfte vor. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, Deutschland habe in der vergangenen Nacht aktiv Hilfe angeboten, die Griechenland inzwischen angenommen habe. "Derzeit bereiten sich Feuerwehrkräfte aus NRW, Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vor, sich zügig mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu begeben, um dort die Waldbrandbekämpfung zu unterstützen."

Details zu Einsatzort, Abmarschzeitpunkt und Fahrtroute würde derzeit mit Griechenland abgestimmt, hieß es. Deutschland habe zusätzlich angeboten, die Waldbrandbekämpfung mit der Anmietung von geeigneten Hubschraubern mit der erforderlichen Traglast zu unterstützen. Ob der Einsatz der Hubschrauber von Griechenland angefordert werde, sei derzeit noch unklar.

Wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mitteilte, hat das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern mit dem EU-Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahme zwei "Module" für die Brandbekämpfung am Boden vermittelt. Weitere Hilfe sei in Abstimmung. Mit dabei sei die Feuerwehr Bonn mit 52 Einsatzkräften und 17 Fahrzeugen sowie ein Modul aus Hessen mit 164 Kräften und 27 Fahrzeugen. Der Landmarsch dauere rund drei bis vier Tage. Am Sonntag fliege ein Vorauskommando los, um sich vor Ort ein Bild vom Einsatzort in der Nähe von Athen zu machen.

Viele Staaten schon vor Ort

Zahlreiche Staaten haben bereits etwa Löschhubschrauber für den Kampf gegen die Flammen nach Griechenland geschickt. Am Morgen erreichte ein Konvoi mit 23 Löschfahrzeugen aus Rumänien die Hauptstadt. Die Rettungskräfte wurden mit Begeisterung von Menschen empfangen, die im Norden der Stadt gegen die Flammen kämpften. Zu den Helfern, die anreisen werden oder bereits im Land sind, gehören nach Angaben des griechischen Zivilschutzes 16 israelische und 100 ukrainische Feuerwehrleute ebenso wie 82 Rettungskräfte und zwei Löschflugzeuge aus Frankreich. Aus Zypern sind bereits 40 Feuerwehrleute und zwei Flieger in Griechenland. Die Schweiz schickte drei Löschhelikopter, die seit heute am Kampf gegen die Flammen teilnehmen sollen. Schweden ist mit zwei Löschflugzeugen dabei, Ägypten mit drei Löschhubschraubern.

Oppositionsparteien im Bundestag hatten kritisiert, dass Deutschland angesichts zahlreicher Waldbrände bisher keine Hilfe nach Griechenland geschickt hat. Grüne und FDP forderten neben einer schnelleren Hilfe in der aktuellen Katastrophe, dass Deutschland im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes Löschflugzeuge anschaffen sollen. "Wir müssen mittelfristig den europäischen Katastrophenschutzmechanismus stärken und an der Klimakrise und ihren Auswirkungen ausrichten", sagte die europapolitische Sprecherin der Grünen Franziska Brantner.

"Brauchen viele, große Löschflugzeuge"

Der forstwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, sagte, längst hätte sich die Bundesregierung aktiv an der Erweiterung der europäischen Löschflugzeugflotte beteiligen müssen. "Bei Naturkatastrophen wie derartig großen Waldbränden ist europäische Schlagkräftigkeit und gemeinsames Engagement gefragt, weshalb wir die bereits an der europäischen Löschflugzeugflotte beteiligten sechs anderen EU-Staaten nicht alleine lassen dürfen", so Busen. "Zur Bekämpfung großer Feuer brauchen wir außerdem nicht nur viele, sondern auch große Löschflugzeuge - zum Beispiel umgebaute Jumbojets. Zudem ist Deutschland wegen der zentralen Lage in Europa als Stützpunkt für eine Flotte von Löschflugzeugen bestens geeignet."

Seit Beginn der Brände haben laut Bundesinnenministerium Griechenland, Albanien, Italien, Nordmazedonien und die Türkei über die EU Unterstützung auch aus Deutschland angefragt. Die Bundesregierung sei zudem direkt um Hilfe gebeten worden. "Die genannten Staaten haben überwiegend um Unterstützung durch Löschflugzeuge gebeten, über die Deutschland nicht verfügt", so ein Innenministeriumssprecher. Bisher könnten zur Brandbekämpfung aus der Luft in Deutschland Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr eingesetzt werden, wobei die Hubschrauber der Polizei zum Teil nur eine relativ geringe Menge Wasser transportieren könnten.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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