Panorama

Skandal an der EliteuniversitätErstaunlicher schwarzer Cambridge-Professor tritt nach Betrugvorwürfen zurück

07.08.2026, 11:39 Uhr
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Arday trägt im Juli 2012 die olympische Fackel während eines Fackellaufs in London. Auch an Ardays sportlicher Erfolgsgeschichte gibt es Zweifel. (Foto: picture alliance / PA Images)

2023 war Jason Arday der jüngste schwarze Professor an der Eliteuniversität Cambridge. Der Lebenslauf ist beeindruckend. Dann keimen Zweifel und werden zur Gewissheit: Vieles ist erfunden. Aufgrund der Vorwürfe ist Arday inzwischen zurückgetreten.

Es ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und ein Vorzeigebeispiel für sozialen Aufstieg: 1985 geboren wuchs Jason Arday in einer Londoner Sozialsiedlung auf. Im Alter von drei Jahren wurde bei ihm Autismus diagnostiziert. Erst mit elf Jahren lernte er das Sprechen, bis zu seinem 19. Lebensjahr war er Analphabet. Dennoch schaffte er den Schulabschluss und absolvierte ein Sport- und Pädagogikstudium. Es folgen die Promotion, Gastprofessuren, sportliche Erfolge und Forschungsprojekte, unter anderem zu rassistischen Strukturen im Bildungswesen. 2023 wird Arday schließlich als Professor für Bildungssoziologie an die University of Cambridge berufen - als jüngster Professor in der Geschichte der Eliteuniversität. All dies gleicht einem Märchen - wenn Ardays Lügen nicht aufgeflogen wären.

Denn vor wenigen Wochen bekommt das perfekte Image erste Risse. Am 24. Juli veröffentlichte die "Times" belastende Rechercheergebnisse. Die britische Zeitung fand in Ardays 401-seitiger Doktorarbeit aus dem Jahr 2015 zahlreiche Passagen, die teilweise wortgleich aus einer sechs Jahre zuvor erschienenen Dissertation übernommen wurden. Wenige Tage zuvor hatte schon der im belgischen Gent forschende Biologieethiker Nathan Cofnas Arday belastet. Arday habe sich zentrale Ideen und Argumente geliehen und viele Passagen mit nur minimalen Änderungen übernommen, schrieb Cofnas in seinem Blog. Teilweise seien sogar Korrekturfehler aus der Originalquelle erhalten geblieben.

Arday selbst erklärte gegenüber der "Times": "Ich behaupte nicht, dass ich perfekt bin, und ich habe auch nie versucht, dieses Märchenbild von mir zu vermitteln. Ich glaube, den Leuten ist nicht bewusst, dass hinter all dem ein Mensch steht. Und sie erkennen nicht, dass dieser Mensch jemandes Vater oder Sohn ist". Er übernehme die Verantwortung für seine Fehler, sagte er in dem Ende Juli veröffentlichten Interview, die Plagiatsvorwürfe wies er aber zurück. Die University of Cambridge stellte sich zunächst hinter Arday und sprach von einer "Schmutzkampagne".

Schließlich weiteten sich die Vorwürfe gegen Arday allerdings aus und die Universität geriet zunehmend unter Druck. Die britische Zeitung "The Guardian" beleuchtete nicht nur die Plagiatsvorwürfe, sondern auch Ardays biografische Angaben. So kam die Zeitung zu dem Schluss, dass dessen Angaben zu seinen sportlichen Leistungen vollkommen unrealistisch seien. So behauptete Arday, in sechs Tagen umgerechnet rund 966 Kilometer zurückgelegt zu haben und trotz einer Fissur im Oberschenkel in 35 Tagen 30 Marathons gelaufen zu sein. Von den Journalisten befragte Ärzte halten dies zwar nicht für völlig ausgeschlossen, betonen aber, dass Arday eine sehr hohe Schmerztoleranz haben müsste. Auch gab Arday an, durch seine sportlichen Erfolge umgerechnet mehr als sechs Millionen Euro an Spenden für wohltätige Zwecke eingesammelt zu haben, obwohl er nur einen geringen Bekanntheitsgrad hat. Nach Nachfragen der Zeitung korrigierte Arday seine Angaben schließlich.

Auch weitere Erzählungen Ardays stellte der "Guardian" infrage. So erklärte der Professor, mehrmals rassistisch angegriffen worden zu sein. Unter anderem berichtete er, von einem bewaffneten Mann auf dem Universitätsgelände bedroht worden zu sein und einen Schweinekopf per Post erhalten zu haben. Nach Angaben des "Guardian" ist der Angreifer aber auf keinem Überwachungsvideo zu sehen und es gibt keine Zeugen. Ermittlungen wegen eines abgetrennten Schweinekopfs habe die Polizei auf Anfrage dementiert.

Mittlerweile hat auch die University of Cambridge reagiert. Zur Wochenmitte kündigte sie an, der Sache doch noch einmal genauer auf den Grund zu gehen, denn sie habe "neue Informationen zu den akademischen Qualifikationen und Ehrenämtern" Ardays erhalten. Dieser trat kurz darauf als Soziologieprofessor zurück.

Die Nonprofit-Organisation "Good Law Project" veröffentlichte ein Statement Ardays. "Mit tiefer Trauer teile ich hiermit mit, dass ich mit sofortiger Wirkung von meiner Stelle an der Universität Cambridge und am Jesus College zurücktrete", heißt es darin. Leider seien seine Jahre an der University of Cambridge auch von Kritik und persönlichen Angriffen geprägt. Diese seien weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinausgegangen. Zum Schutze seiner Familie würde er nun zurücktreten. Seine Entscheidung solle aber "nicht als Verlust des Vertrauens in die Wissenschaft oder in die Werte interpretiert werden".  

Quelle: ntv.de, lar

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