Panorama

"Mein Optimismus ist gesunken" Erwartet uns die weiße Weihnacht?

38rh0923.jpg6804765550782530830.jpg

In den Gebirgslagen stehen die Chancen auf weiße Weihnachten gut.

(Foto: dpa)

Wer in Alpennähe oder in der Region um die ostdeutschen Mittelgebirge lebt, darf sich bereits auf weiße Weihnachten freuen. So prognostiziert es n-tv Meteorologe Björn Alexander. Allgemein macht sich in Deutschland jedoch Tauwetter breit. Und das macht die Frage nach einem besonders romantischen Fest spannend.

n-tv.de: Björn, wenn heute schon Weihnachten wäre, dann hätten die meisten von uns eine "Weiße Weihnacht", oder?

38sd3758.jpg4052618102745870651.jpg

Auf dem Weserdeich bei Weddewarden in Niedersachsen wird es wohl nicht so schön weiß bleiben.

(Foto: dpa)

Björn Alexander: Ja. Ich würde mal sagen, dass über 80 Prozent Deutschlands unter einer ganz ordentlichen Schneedecke liegen. Nur in den tieferen Lagen zwischen Nordsee und Niederrhein und dann die Rheinschiene südwärts ist der Schnee nicht ganz so flächendeckend verteilt. Ansonsten liegen deutschlandweit meist zwischen 5 und 25 Zentimeter Schnee. Und wenn es ein bisschen höher hinausgeht, dann sind es auch deutlich mehr. Beispielsweise knapp 70 Zentimeter auf dem Kahlen Asten in NRW oder in Oberstdorf in Bayern, über 80 Zentimeter auf dem Brocken im Harz oder fast ein Meter auf dem Großen Arber am Bayrischen Wald. Um die 60 Zentimeter sind es in Freudenstadt in Baden-Württemberg. Spitzenreiter ist natürlich der höchste deutsche Berg, die Zugspitze mit 1,80 Meter.

Und wie stehen die Chancen, dass das auch bis zum Fest so bleibt?

Vielerorts nicht besonders gut. In den nächsten Tagen  geht es dem Schnee zusehends an den Kragen. Die Wetterlage stellt sich um und damit kommt von Westen und Südwesten schubweise mildere Luft heran. Diese breitet sich zuerst in höheren Luftschichten aus, setzt sich aber anschließend auch bis in die tieferen Lagen durch. Klassischerweise kommen dadurch erst einmal Schneefälle auf, die mehr und mehr in Regen übergehen. Da am Boden zuvor jedoch noch die Winterluft liegt und die Böden oftmals gefroren sind, droht in den nächsten Tagen gebietsweise akute Straßenglätte durch gefrierenden Regen.

Lässt sich das räumlich oder zeitlich eingrenzen?

Björn Alexander ist der n-tv-Meteorologe.

Björn Alexander hat noch ein Fünkchen Hoffnung für die tiefergelegenen Regionen des Landes.

(Foto: n-tv)

Im Detail lässt sich so etwas nicht immer genau vorhersagen. Zumal wir an dieser Stelle ja auch über einen Zeitraum von ein paar Tagen sprechen. Für den Freitag sehe ich die größte Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen von Niedersachsen und dem Münsterland über Hessen bis herunter ins Allgäu. Die Schneefallgrenze steigt dabei dort schon über 1000 Meter an. Ansonsten bleibt es von ein paar Flocken abgesehen noch tr ocken und kalt, während sich in den westlichen und südwestlichen Landesteilen schon die mildere Luft durchsetzt. Berlin zum Beispiel mit leichtem Dauerfrost gegenüber Köln bei plus 7 Grad. Danach kommt die mildere Luft mit Glatteisgefahr ostwärts voran und erreicht abgeschwächt bis zum Sonntag dann auch den äußersten Osten, sodass wir am dritten Advent oft trübe 0 bis 10 Grad erwarten. Die aktuellen Prognosen und Glättewarnungen bekommen Sie natürlich wie gewohnt im laufenden n-tv Programm.

0 bis 10 Grad. Das hört sich nach Matsch an?

Das ist auch so. Am Wochenende geht es der Schneedecke mit Wind und Regen sowie der milderen Luft an den Kragen. In den Mittelgebirgen kann es bis auf über 1000 Meter zwischenzeitlich tauen. Das Schmelzwasser in Kombination mit dem Regen kann sogar an kleineren und mittleren Flüssen örtlich zu Überflutungen bzw. Hochwasser führen. Ab Montag allerdings setzt sich in den - eben bereits erwähnten - höheren Luftschichten wieder kältere Luft durch und dann sinkt die Schneefallgrenze bis zum Dienstag wieder auf etwa 600 Meter. Der Winter könnte im Bergland also sein Comeback begehen. Im Flachland sieht es derzeitig dagegen eher nach nasskaltem Wetter aus. Einzig im Nordosten könnte sich relativ schnell auch wieder kältere Luft mit Schneeflocken einfinden.

Keine Chance auf Schnee zu Weihnachten?

Mein Optimismus ist für die tieferen Lagen in der Westhälfte inzwischen auf nur noch 10 Prozent gesunken. Besser sieht es noch für die Menschen im Norden aus bei 20 Prozent. Darüber liegen die Berliner und Brandenburger bei 30 Prozent. Für Mecklenburg-Vorpommern, wo es das Tauwetter aus Südwesten gegen die bis zu 20 Zentimeter Schnee am schwersten haben wird, würde ich die Chancen auf das weiße Fest bei 40 Prozent ansiedeln. In einem ähnlichen Bereich liegen auch viele Teile Süddeutschlands. Darüber rangieren mit 50 Prozent die westlicheren und zentralen Mittelgebirge sowie der Schwarzwald, wo für die "weiße Weihnacht" noch alles drin ist. Mit 80 Prozent sehe ich die größten Chancen in den ostdeutschen Mittelgebirgen sowie in den Alpen.

Steigende Schneefallgrenze und sinkender Optimismus?

Passt ja angesichts der Fragestellung. Ganz beiseite will ich aber meinen Optimismus für die tieferen Landesteile auch noch nicht legen. Denn zum einen ist es ja noch ein wenig hin und die Winterluft liegt über Russland und Skandinavien ja durchaus in Lauerstellung. Zum anderen ist Weihnachten ja nicht nur einen Tag, sondern - zumindest sehe ich das bei der Prognose für die "Weiße Weihnacht" so - vom 24.12. bis zum 26.12. Und da kann ja vielleicht noch was passieren.

Quelle: n-tv.de