Panorama

Lage "nach wie vor angespannt" Fast 5000 Covid-Fälle auf Intensivstationen

Während der Beschluss der einheitlichen Bundes-Notbremse weiter auf sich warten lässt, melden die deutschen Intensivstationen, dass die Zahl der Patienten weiter steigt. Die fast 5000 Schwerkranken bedeuten für Ärzte und Pflegekräfte eine "enorme Belastung".

Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland hat fast die Marke von 5000 erreicht. In den Kliniken bundesweit werden nun 4932 solche Fälle behandelt, das sind 34 mehr als am Vortag, wie aus dem Tagesreport des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit Daten des DIVI-Intensivregisters vom heutigen Dienstag hervorgeht. So hoch war die Auslastung zuletzt Mitte Januar.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, nannte die Lage auf den Intensivstationen "nach wie vor besonders angespannt". Jeden Tag müssten neue, oftmals sehr junge Covid-19-Patienten in ihren Dreißigern oder Vierzigern aufgenommen werden. Der Druck sei groß, weil auch andere Notfälle und Operationen versorgt werden müssten. Marx appellierte an die Politik, das Infektionsschutzgesetz zügig zu verabschieden. Dies sei dringend nötig, damit "die Lage nicht weiter eskaliert und unser Gesundheitssystem nicht überfordert wird"

Auch einer der wissenschaftlichen Leiter des Intensivregisters, Christian Karagiannidis (Klinikum Köln-Merheim), zeigte sich in einer Video-Schalte des Science Media Centers (SMC) sehr beunruhigt durch die "enorme Belastung" für Ärzte und Pflegekräfte. Nur ein Drittel der Intensivstationen könne noch "einfach so" Patienten aufnehmen. Hunderten Kliniken mangele es an Personal, viele führten nur noch eingeschränkt planbare Operationen durch. Je nach Region unterscheidet sich die Lage.

Karagiannidis sagte, in Nordrhein-Westfalen seien von Montag auf Dienstag 20 Covid-19-Intensivpatienten hinzugekommen, in Köln komme die Mehrheit der Patienten derzeit aus der Gruppe der Berufstätigen. Wenig belastet sei hingegen Schleswig-Holstein. Daneben gebe es Bundesländer, in denen die Intensiv-Auslastung nicht ganz so stark steige, zum Beispiel in Berlin. "Das heißt, wir haben eine gewisse Verhaltensänderung auch der Bevölkerung." Menschen hätten offenbar die Warnungen aus der Medizin ernst genommen.

Durch Ostern habe es eine Abbremsung gegeben. Auswertungen zur Situation von deutschen Covid-19-Genesenen nach sechs Monaten zeigten ein "substanzielles Problem" auch bei Überlebenden, betonte Karagiannidis. In den Monaten nach der Entlassung müsse ein Teil von ihnen doch wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden, einige stürben auch erst einige Zeit nach der Entlassung. Gesellschaftlich solle man deshalb auf das Vermeiden von Infektionen achten, um die Langzeitfolgen zu verhindern.

Am morgigen Mittwoch soll der Bundestag die bundesweite Notbremse zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschließen. Am Donnerstag soll das neue Infektionsschutzgesetz dann den Bundesrat passieren, um in der kommenden Woche in Kraft zu treten.

Quelle: ntv.de, ses/AFP/dpa

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