Panorama

Jackson-Prozess Geschworene hören Tonband

Im Juni 2009, zwei Tage nach dem Tod Michael Jacksons, steht dessen früherer Leibarzt Polizisten Rede und Antwort. Einen Mitschnitt der damaligen Befragung von Conrad Murray bekommen nun erstmals auch die Geschworenen zu hören. Der Sänger hätte um seine "Milch" gebettelt, erklärte Murray.

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Conrad Murray klärt die Polizei über Jacksons "Milch" auf.

(Foto: REUTERS)

Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Leibarzt von Michael Jackson wollte den verstorbenen Popstar nach eigenen Angaben von seiner Abhängigkeit von dem starken Betäubungsmittel Propofol befreien. In dem Prozess gegen Conrad Murray in Los Angeles wurden die Tonaufnahmen einer Befragung des Arztes durch die Polizei zwei Tage nach Jacksons Tod vorgespielt. Murray gibt darin zu Protokoll, er habe drei Tage vor Jacksons Tod damit begonnen, den Musiker von dem Medikament zu entwöhnen, das dieser als Schlafmittel nutzte und das zu seinem Tod geführt haben soll.

"Bitte geben Sie mir meine Milch"

Die Nacht vor seinem Tod habe Jackson nicht schlafen können, sagte Murray der Polizei. Er habe ihm vergeblich andere Schlafmittel verabreicht, in den Morgenstunden habe ihm Jackson dann gesagt: "Ich muss schlafen, Dr. Conrad (...). Sie wissen, ich kann nicht funktionieren, wenn ich keinen Schlaf bekomme." Jackson habe dann um seine "Milch" gebeten, so habe er Propofol genannte, sagte Conrad: "Bitte, bitte, geben Sie mir etwas Milch, damit ich schlafen kann." Gegen 10.40 Uhr morgens habe er ihm dann 25 Milligramm Propofol gespritzt.

Er sei dann gegen 11.00 Uhr auf die Toilette gegangen, sagte Murray weiter. Als er nach "ungefähr zwei Minuten" an das Bett des Popstars zurückgekehrt sei, habe dieser nicht mehr geatmet. Er habe daraufhin umgehend mit einer Herz-Lungenmassage begonnen. Unklar ist bislang, warum noch fast eineinhalb Stunden verstrichen, bis um 12.20 Uhr der Notarzt gerufen wurde. Der Arzt machte auch keine Angaben über mehrere Telefonate, die er in der Zeit geführt haben soll.

Schwere Propofol-Abhängigkeit

Die Staatsanwaltschaft wirft Murray vor, Jackson eine Überdosis Propofol gegeben und ihn dann vernachlässigt zu haben. Die Verteidigung argumentiert, der unter Schlafstörungen leidende Jackson habe sich selbst einen tödlichen Cocktail aus Propofol und Lorazepam verabreicht, während Murray nicht im Raum war. Dem Arzt drohen bei einer Verurteilung bis zu vier Jahre Haft.

Nach den Angaben, die Murray bei der Polizei machte, war Jackson schwer von Propofol abhängig, kannte die Dosierungen und spritzte sich das Medikament auch immer wieder selbst. Er habe ihm gesagt, dass seine Vorgänger als Leibärzte ihm mit Propofol schon 15 bis 18 Stunden Schlaf am Stück ermöglicht hätten, sagte Murray.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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