Panorama

Rund 143.600 Opfer Gewalt in der Partnerschaft geht etwas zurück

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Bundesfamilienministerin Lisa Paus geht davon aus, dass etwa zwei Drittel der weiblichen Opfer nicht zur Polizei gehen.

(Foto: picture alliance / photothek)

Die Anzahl registrierter Fälle von Gewalt unter Partnern oder ehemaligen Partnern ist seit 2020 leicht rückläufig. Dies geht aus Daten des Bundeskriminalamts hervor. Der Großteil der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen sind Frauen - und viele Opfer gehen gar nicht erst zur Polizei.

Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Laut einer aktuellen Statistik zur Partnerschaftsgewalt registrierten die Behörden 2021 bundesweit 143.016 Fälle, in denen ein aktueller oder ehemaliger Partner Gewalt ausübte oder dies versuchte - ein Rückgang um 2,5 Prozent im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020.

Wie aus den Daten hervorgeht, die das Bundeskriminalamt veröffentlicht hat, waren in den genannten Fällen insgesamt 143.604 Opfer involviert - ein Rückgang der Opferzahl um drei Prozent im Vorjahresvergleich. Bundesinnenministerin Nancy Faeser wies darauf hin, dass in den Jahren vor 2021 die Zahl der Opfer stetig gewachsen sei. Die in der Statistik erfassten Zahlen würden lediglich das sogenannte Hellfeld abbilden, also die Zahl der angezeigten Fälle. Das Dunkelfeld sei weitaus größer.

Bundesfamilienministerin Lisa Paus erklärte, es sei davon auszugehen, dass derzeit zwei Drittel der weiblichen Opfer nicht zur Polizei gehen. Der Statistik zufolge waren 80,3 Prozent der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen Frauen. In den meisten Fällen handelte es sich um vorsätzliche einfache Körperverletzung (59,6 Prozent). Die BKA-Daten beziehen sich auf Fälle, bei denen die Ermittlungen 2021 abgeschlossen wurden. Die Tat selbst kann dabei schon früher begangen worden sein. Wie bereits in den Vorjahren geht die Gewalt nach wie vor zum überwiegenden Teil von Männern aus (78,8 Prozent).

Bedrohungen im Internet

Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger ist in den vergangenen Jahren jedoch leicht gestiegen - auf nunmehr 21,2 Prozent (2020: 20,6 Prozent). Von insgesamt 118.148 erfassten Verdächtigen waren 65,6 Prozent deutsche Staatsangehörige. Bei den nichtdeutschen Verdächtigen traten türkische Staatsangehörige mit einem Anteil von 5,4 Prozent am häufigsten auf. Leicht angestiegen ist die Zahl der Straftaten, die im Internet begangen wurden: So lag etwa der Anteil der Bedrohungen von Partnern oder Ex-Partnern im Internet 2021 bei 6,6 Prozent - 2020 hatte er noch bei 4,8 Prozent gelegen.

Die Polizei führt dies auch auf die Auswirkungen des Gesetzes zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität zurück. Das 2021 in Kraft getretene Gesetz sieht unter anderem vor, dass Drohungen und Beleidigungen im Netz von den Anbietern sozialer Netzwerke dem BKA gemeldet werden müssen.

Quelle: ntv.de, lar/dpa

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