50 Personen aus Club evakuiertGiftgas verletzt Badegäste nahe Rom, Fünfjähriger in kritischem Zustand

Chlor soll eigentlich dafür sorgen, dass Freibäder sauber und sicher benutzbar bleiben. In Italien geht der Einsatz deutlich schief: Zu viel Chlor in einem Becken sorgt für Atemprobleme. Die Feuerwehr muss anrücken.
Beim Baden in einem Sportverein in Mentana, einem Vorort von Rom, sind mehrere Menschen verletzt worden. Die Feuerwehr spricht von Vergiftungen bei acht Badegästen. Sie schwammen am Samstagnachmittag in dem Becken und atmeten dabei laut Mitteilung der Rettungskräfte außergewöhnlich große Mengen Chlorgas ein.
Die Betroffenen klagten über Atemprobleme. Unter den Verletzten waren drei Erwachsene und fünf Kinder, vier davon im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Auch ein fünfjähriger Junge war den giftigen Gasen ausgesetzt. Er kam in kritischem Zustand in ein Krankenhaus in Rom. Inzwischen gehe es ihm wieder besser.
Warum so große Mengen Chlor und dessen Dämpfe aus der Pumpe im Pool freigesetzt wurden, ist noch unklar. Die Polizei untersucht die Hintergründe und hat für die Ermittlungen das Gelände des Sportclubs gesperrt.
Diese Anzeichen deuten auf Chlor-Vergiftung hin
In Bädern wird Chlor benutzt, um das Wasser zu reinigen und Infektionen zu verhindern. Der Einsatz von Chlorgas ist streng reguliert. Die Konzentration ist meist unbedenklich.
Menschen spüren Chlor, wenn es mit dem Wasser in Schleimhäuten reagiert, etwa an den Augen, der Nase und den Bronchien. Die daraus entstehende Salzsäure oder hypochlorige Säure greift das Gewebe an. Bei höheren Konzentrationen kann es zu Verätzungen der Atemwege und der Lunge kommen.
Dass man zu viel Chlorgas einatmet, merkt man meist an einem stechenden Geruch, zudem kann ein Brennen in Nase, Hals und Brust auftreten. Kommen Übelkeit, Schwindel oder Schmerzen beim Atmen dazu, ist die Chlor-Konzentration deutlich zu hoch und das Gelände sollte sofort verlassen werden. Vorsicht: Blaue Lippen oder Fingernägel, Atemnot sowie Schaum im Mund deuten bereits auf eine schwere Vergiftung durch Chlordämpfe hin. Dann sollte der Rettungsdienst gerufen werden.
Wie gefährlich Chlorgas sein kann, zeigt sein Einsatz im Ersten Weltkrieg: Deutsche Soldaten haben Feinde außer Gefecht gesetzt, indem sie Chlorgas freisetzten und vom Wind verbreiten ließen. Viele Soldaten starben durch die ausgelösten Verätzungen.