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"Kostet Menschenleben" Immunologen: "Verimpfen oft nur die Hälfte"

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Es müsse so schnell geimpft werden wie möglich, fordern Immunologen.

(Foto: dpa)

Anstatt so vielen Menschen wie möglich die erste Impfdosis gegen das Coronavirus zu verabreichen, werden Dosen für die Zweitimpfung zurückgehalten. Das sei unnötig, klagen Immunmediziner. Auch aus der Politik wird der Ruf nach einer flexibleren Impfreihenfolge immer lauter.

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie wirft der Politik angesichts der dritten Corona-Welle vor, beim Impftempo nicht mit einfachen Mitteln aufs Gas zu drücken. "Wir verimpfen oft nur die Hälfte dessen, was möglich ist", sagte der Generalsekretär der Immunmediziner, Carsten Watzl, der "Augsburger Allgemeinen". Es würden immer noch massenhaft Impfdosen für Zweitimpfungen zurückgelegt.

Dabei sei inzwischen die offizielle Empfehlung für den Abstand zur zweiten Dosis von 21 Tagen bei Biontech und 28 bei Moderna auf 42 Tage ausgeweitet worden. Es würde daher jetzt viel helfen, "alles zu verimpfen, was da ist" und die Zweitimpfung mit der nächsten Lieferung des Vakzins durchzuführen. Einzig bei Astrazeneca werden angesichts des zwölfwöchigen Impfabstands generell keine Zweitdosen zurückgelegt. Watzls Einschätzung lautet daher: "Impfstoff zurückzulegen, ist angesichts der aktuellen Situation nicht mehr tragbar und kostet Menschenleben."

Impfreihenfolge flexibel halten

Zunehmend fordern Politiker, die Reihenfolge beim Impfen nicht so starr zu halten. In der vergangenen Woche sprach derartige Überlegungen bereits Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller laut aus. Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte nun: "Wenn auf Dauer es so ist, dass diejenigen, die eigentlich priorisiert sind - nämlich aus guten Gründen, weil diese Gruppen besonders die Folgen einer Corona-Erkrankung befürchten müssen - wenn die nicht mehr geimpft werden wollen, dann müssen wir darüber nachdenken, eben sehr schnell möglichst viele Menschen zu impfen", sagte Ziemiak im ARD-"Bericht aus Berlin".

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte ebenfalls im "Bericht aus Berlin" Pragmatismus: "Überall wo noch Impfstoff da ist, sollte er sehr schnell, sehr unbürokratisch und flexibel verimpft werden." Auch über die Osterfeiertage sollte - sofern Vorräte da sind - geimpft werden.

Streit um Arbeitgeber-Pflichten

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Göring-Eckardt sieht zudem die Arbeitgeber im Kampf gegen das Coronavirus in der Pflicht. "Wir können nicht mehr dran vorbeischauen, dass in der Arbeitswelt das Risiko, sich anzustecken, extrem hoch ist. Und deswegen ganz klar: Macht die Büros zu! Bleibt zu Hause, wo immer es geht! Fahrt die Betriebe runter! Und wo das nicht geht, dort muss getestet werden - und zwar verbindlich."

Ziemiak sagte dazu, dass man vor allem mehr Tests - und nicht neue Gesetze brauche. "Die Wirtschaft ist schon dabei - übrigens sehr erfolgreich. Sie hat nämlich ein eigenes Interesse daran, dass ihre Betriebe offen bleiben. Kein Unternehmer hat irgendwie ein Interesse daran, dass seine Mitarbeiter krank sind, dass Corona sich ausbreitet im Betrieb." Die meisten Infektionen passierten zudem im privaten Bereich, sagte Ziemiak.

Quelle: ntv.de, ara/rts/dpa

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